Das Lippenbekenntnis vom Kampf um jede Unterrichtsstunde
Die Kultusminister begründen ihren Kampf für möglichst viel Präsenzunterricht in der Pandemie mit einem angeblichen Corona-Bildungsnotstand. Das ist scheinheilig. Denn es geht um den aktuellen Betreuungsnotstand. Der eigentliche Bildungsnotstand ist viel älter, und hätte die Bildungspolitik ihn wirklich beenden wollen – sie hätte genügend Chancen gehabt. Ein Gastbeitrag von Susanne Lin-Klitzing.

Illustration: Gordon Johnson / Pixabay.
AN DIESEM DONNERSTAG wird die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst, offiziell in ihr Amt eingeführt. Die KMK wird dabei sich und ihre Reaktionen im Corona-Krisenjahr positiv würdigen, höchstens dosiert ein bisschen Selbstkritik üben und vor allem auf die vermeintlich so große Errungenschaft des von ihr abgeschlossenen Bildungsabkommens, die Ländervereinbarung, verweisen. Und in diesem Zusammenhang wird die Debatte um unsere Schulen in Zeiten des "Corona-Bildungsnotstandes" und um das "Recht auf Bildung jedes Kindes" neu aufleben. Doch diese Debatte ist scheinheilig. Denn die Debatte um den "Bildungsnotstand" in Corona-Zeiten ist in Wahrheit eine Debatte um den "Betreuungsnotstand" in Deutschland.

Susanne Lin-Klitzing ist seit 2017 Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes. Seit 2007 ist sie Professorin für Schulpädagogik für die gymnasiale Lehrerbildung Universität Marburg. Foto: DPhV.
Dass für die Minister und Ministerpräsidenten "jede Unterrichtsstunde zähle", ist ein unglaubwürdiges ...
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Kommentare
#1 - Zustimmung auf allen Ebenen!Nun gilt es, die richtigen und…
Nun gilt es, die richtigen und nachhaltigen Lehren für die Schulen und alle Beteiligten aus dieser Pandemie zu ziehen. Schulen sind eben weitaus mehr als nur ein Ort der Aufbewahrung! Dies sollten politische Entscheidungsträgerinnen und -träger auch nach der Pandemie berücksichtigen. Schulen müssen so mit sämtlichen Ressourcen ausgestattet werden, dass sie die gesellschaftliche Bedeutung erlangen, die sie verdienen! Als Ort der Wissensvermittlung, als Ort des Miteinanders, als Ort des Lernens, als Ort der sozialen Interaktion etc.
#2 - Vielen Dank für diese deutlichen Worte! Ein sehr…
#3 - Dieser Gastbeitrag trifft voll ins Schwarze!Leider wird in…
Leider wird in der Politik immer nur kurzfristig reagiert statt langfristig zu agieren. Und dann verwässert Corona auch noch die eigentlichen Probleme und man kann Alles auf die Pandemie schieben.
#4 - Ich teile viele der Frau Lin-Klitzing vorgetragenen…
#5 - Volle Zustimmung. - Ja, Bildung kostet Geld. Nein, wir…
#6 - Volle Zustimmung und Ergänzungen um einen weiteren Punkt:…
Die Pandemie weitet die Bildungsschere zur Zeit massiv.
Jetzt wäre doch die Möglichkeit, in Form von Hybridunterricht und geteilten Präsenzklassen diejenigen Schüler*innen in den Präsenzunterricht zu holen, die bildungsbenachteiligt sind. Warum also nicht - bei gleichzeitiger Zustimmung der Elternhäuser, die (sich) Homeschooling leisten können - nur die Kinder mit Nachholbedarf in die intensive Betreuung in die Schulen holen.
#7 - Auf dem Hintergrund der aktuellen Erfahrungen gehören zu…
#8 - Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Kurzsichtige…
#9 - Das oben Geschriebene könnte ich sofort…
Vielfach kommen vorhandene Mittel nicht an der Basis an, wo sie derzeit dringendst gebraucht werden. Die Überlastungs- und Defizitsituation die teilweise auch schon vor der Pandemie vorhanden war wird nun leider zusätzlich verschärft. Politik ist gut beraten wenn sie schnellstens Erleichterung und Abhilfe schafft. Für Eltern, Schüler, Lehrer im materiellen, finanziellen wie auch im immateriellen Sinn.
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