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Wir sollten uns schämen

Die Notbremse, die der Bundestag heute beschließt, macht es amtlich: Die deutsche Corona-Politik geht einseitig zulasten von Kindern und Jugendlichen. Schon lange.

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Artikelbild: Wir sollten uns schämen

Foto: WFlore / pixabay.

WAS IST in den vergangenen Tagen nicht alles über die 165 geschrieben worden. Die Inzidenz, ab der Kitas, Schulen und, wenn man den dilettantisch geschriebenen Entwurf der bundesweiten Corona-Notbremse wörtlich nimmt, auch die Hochschulen komplett schließen müssten. So sieht es der Kompromiss der GroKo-Koalitionsfraktionen vor, so wird es kommen, sobald die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes nach dem Bundestag auch den Bundesrat passiert haben werden. Das könnte sehr schnell gehen, denn dass die Länderkammer am Donnerstag mit ihrer Mehrheit einen Einspruch einlegt, scheint unwahrscheinlich.

Weil schon so viel über die 165 geschrieben worden ist, diesen von den Koalitionsfraktionen beschlossenen Ersatzwert für die 200, die die Bundesregierung zunächst vorschlagen hatte, kann ich es getrost dabei belassen. Warum sollte man auch weitere Gedanken verschwenden auf die Sinnhaftigkeit einer Zahl, die ganz offensichtlich das Ergebnis eines Tauschhandels war, der mit der Frage (Welcher Grenzwert ist für das Öffnen oder Schließen sinnvoll?) nur entfernt zu tun hatte.

Hinzu kommt: Am Ende ist es womöglich gar nicht so entscheidend, ob es die 165 oder die 200 ist, denn wenn die Dynamik der Dritten Welle wieder zunimmt, könnten zwischen dem einen und dem anderen Wert in vielen Regionen ohnehin nur wenige Tage liegen. Und wenn nicht, wenn sich die Zahlen seitwärts oder abwärts bewegen, wird sich die Mehrheit der Regionen absehbar bald unter der 165 befinden.

In Haft genommen für die Inkonsequenz der Erwachsenen

Viel entscheidender ist, dass die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD mit dem Beschluss und der Konstellation seiner Bestandteile amtlich besiegelt haben: Die Rechte von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie stehen bei ihnen ganz hinten an. Sie werden einmal mehr in Haftung genommen für die Inkonsequenz der Erwachsenen in der Bekämpfung der Pandemie.

Sei es das auch international gesehen blamable Desaster, dass die Bundespolitik es bis heute nicht geschafft hat, ein vernünftiges und repräsentatives nationales Corona-Monitoring aufzubauen – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, Berufen und Ansteckungsorten, an dem sie ihre Eindämmungsmaßnahmen empirisch belastbar ausrichten könnte. ...

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Kommentare

#1 -

Sabine Kohwagner | Mi., 21.04.2021 - 13:53
Danke. Danke, dass Sie nicht müde werden. Gerade das vorgeschobene Argument, man müsse die Schulen geschlossen halten, um die Kinder zu schützen, ist so unerträglich. Ich bin sehr froh, dass Sie es so differenziert aufgreifen.

#2 -

Anderer Max | Mi., 21.04.2021 - 16:20
Hallo, ich wollte nur darauf hinweisen, dass die Verlinkung von rivva.de nicht mehr funktioniert und dass das zu einer höheren Absprungrate führen könnte.
Ich denke, das hat was mit dem (nicht-)konvertierten Umlaut in der URL zu tun.

Grüße!

#4 -

Laura | Do., 22.04.2021 - 01:28
Noch deutlicher könnte man sagen: das Ziel Chancengleichheit im Bildungsbereich herzustellen ist in Deutschland nicht mal mehr existent, denn wer hier den Anschluss verliert und wer ihn hält dass ist völlig klar. Wir leisten uns abzuwehren was Macron zu seiner zentralen Aufgabe macht.

#5 -

Ben | Do., 22.04.2021 - 13:20
Vielen Dank. Volle (und wütende) Zustimmung. Entlarvend sind Sätze in der Begründung wie dieser: "Verbleibende Einschränkungen, die sich durch die Notwendigkeit der Betreuung eigener Kinder ergeben, sind ihm im Rahmen der gebotenen Abwägung hinzunehmen."
Die Abwägung findet überhaupt nicht statt und wird nicht dokumentiert - es genügt die bloße Behauptung. Besser kann man Gleichgültigkeit nicht ausdrücken.

#6 -

Stefanie | Fr., 23.04.2021 - 00:24
Vielen Dank, Herr Wiarda, immer wieder!! Die Herabsetzung des Inzidenzwertes für Schulen und Kitas hat uns heute wie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Unerträglich ist leider wirklich der treffende Begriff. So verliert Deutschland young talent, die Orientierung ins Ausland ist damit vorprogrammiert....

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