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Spahns Retourkutsche

Dass der Gesundheitsminister vor Wechselunterricht im Herbst warnt, lässt tief blicken. Und zeigt: Wenn die vierte Welle kommt, haben Teile der Politik schon jetzt die Ursache ausgemacht.

IST DAS JETZT DIE RETOURKUTSCHE? Neulich noch hatte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vehement für eine große Impfkampagne für Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Sommerferien eingesetzt, doch die Ständige Impfkommission (Stiko) beugte sich dem politischen Druck nicht und entschied, keine generelle Impfempfehlung für Jugendliche ab 12 auszusprechen.

Jetzt sagte Spahn bei einer Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing, im Herbst und Winter würden trotz derzeit sehr niedriger Infektionszahlen voraussichtlich nach wie vor Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig sein.

Der kaum verhohlene Subtext: Wenn alle Kinder und Jugendlichen bis dahin geimpft wären, so wie Spahn und andere es gefordert hatten, könnte man sich all das natürlich sparen.

Einmal abgesehen davon, dass Spahn solche Unkereien, solch ein Spiel mit den Sorgen und Ängsten von Millionen Kindern und ihren Familien zum Zeitpunkt einer gesamtdeutschen Inzidenz von 8 überhaupt für angemessen hält, zeigt seine ganz lässig nebenbei gemachte Bemerkung vor allem eins: Die Politik wird, wenn die vierte Welle kommt, in jedem Fall erneut die Bildungseinrichtungen ins Visier nehmen.

Es spielt keine ...

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Kommentare

#1 -

Pete | Mo., 21.06.2021 - 14:02
Guter Beitrag! In der einzigen echten Längsschnitt-Untersuchung zum Pandemieverlauf (die allerdings weniger die Pandemie selbst, als die Einstellung zur Pandemie in den Blick nimmt) sieht man deutlich, dass die Zustimmung zu "vorsorglichen Schul- und Kita-Schließungen" fast durchgängig höher war, als zur "Einschränkung von Freiheitsrechten" (s. https://projekte.uni-erfurt.de/cosmo2020/web/explorer/ ). Als Vater zweier Grundschulkinder macht mich das zwar nachdenklich bis fassungslos, zeigt aber, dass es bei der Auswahl der Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung weniger um Evidenz, als vielmehr um die Akzeptanz von Maßnahmen geht. Interessant finde ich nun, dass der mediale Diskurs diese politische Dimension in den Blick nimmt, sondern sich eher abarbeitet, was ...

#2 -

Lehrerkind | Mo., 21.06.2021 - 14:23
"So bitter das ist: Wer glaubt, die Schulen könnten sich mit den schärfsten Hygieneregeln außerhalb des Gesundheitsbereichs und mit allerlei technischen Anlagen gegen künftige Schließungen wappnen, der irrt. Nichts hilft gegen Politiker, die auch in der vierten Welle glauben, ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen zu müssen. "



Dem ersten Satz kann ich so nicht zustimmen. Leider sieht es mit der Umsetzung der Hygieneregeln an den einzelnen Schulen vor Ort, nicht zuletzt aufgrund der im Artikel angesprochenen administrativen Hürden, auch ein gutes Jahr nach Ausbruch der Pandemie immer noch zappenduster aus. Die fehlende und/oder mangelhafte Umsetzung führt ja gerade dazu, dass ...

#3 -

Django | Mo., 21.06.2021 - 16:20
Wenn man Meldungen wie diese hier: https://www.tagesschau.de/inland/corona-schulen-oeffnungen-103.html liest, hat man den Eindruck, dass auch die "Leitmedien" keine Abwägung zwischen den Großen und den Kleinen versuchen. Im März '21 - Schule und Kita waren schon lange stark beeinträchtigt - wurde vorsichtig angemahnt, dass Berufstätige doch bitte nich gemeinsam ihre Mittagspause begehen sollen. Man fragt sich, wieso diese Bitte eigentlich ausgesprochen werden musste, während sonnenklar war, dass der Bildungsweg der Kleinen in eine Schotterpiste verwandelt wurde.

#4 -

IMOK | Do., 24.06.2021 - 16:12
Aus dem CODAG Bericht Nr. 16 der LMU (https://www.covid19.statistik.uni-muenchen.de/pdfs/codag_bericht_16.pdf):



"nach der schrittweisen Öffnung der Schulen für den Präsenzunterricht seit Mitte Februar (KW8) ist die Anzahl der Fälle, die aus Infektionen an der Schule resultieren, sehr gering geblieben. Anders verhält es sich bei Infektionen, die nachweislich am Arbeitsplatz stattgefunden haben: Hier nimmt die Anzahl der gemeldeten Fälle seit Jahresbeginn zu."



Den kennt Herr Spahn vielleicht nicht...?

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