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Es reicht

Die Bundesforschungsministern forderte die Ablösung von Fraunhofer-Präsident Neugebauer, Abgeordnete verschiedener Fraktionen ebenfalls. Zwei Wochen später ist der immer noch im Amt, trotzt Parlament und Regierung. Und der Senat der Forschungsgesellschaft befindet sich auf Tauchstation.

13 TAGE, nachdem der Fraunhofer-Bericht des Bundesrechnungshofs offiziell den Bundestags-Haushaltsausschuss erreichte, hat die Prüfbehörde am Dienstag die 59 Seiten Text und Tabellen auf seiner Website veröffentlicht. Seitdem kann die gesamte Forschungs-Community in erschütternd-schmerzhafter Detailiertheit nachlesen, warum der Rechnungshof dem Vorstand der Forschungsgesellschaft einen "unangemessenen Umgang mit Steuermitteln durch überhöhte Reise-, Dienstfahrzeug- und Repräsentationskosten" vorwirft.

Ein als "X" pseudonymisiertes Vorstandsmitglied soll demnach durch besonders viele Regel- und Gesetzesverstöße aufgefallen sein. Insgesamt, das wird durch das Prüfungsergebnis ebenfalls deutlich, wurde das vorgeworfene systematische Fehlverhalten nur durch ein grundlegendes Versagen der internen Kontrollmechanismen möglich. Weshalb der Rechnungshof auch das BMBF harsch kritisierte und ihm zusätzlich vorwarf, seine Ermittlungen behindert zu haben.

Es ist an diesem Donnerstag 15 Tage her, dass der Haushaltsausschuss als Reaktion auf den Prüfbericht mit den Stimmen der Ampel einen gepfefferten Maßgabebeschluss gegen Fraunhofer und das BMBF gefasst und Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sich nach langem Schweigen für Klartext entscheiden hat. Sie verlangte "den schnellstmöglichen" Austausch der gesamten Fraunhofer-Führungsetage. Bundestagsabgeordnete aus Koalition und Opposition ...

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Kommentare

#1 -

A. Freund | Do., 16.03.2023 - 22:42
Als normaler, gesetzestreuer ausländischer (Mit-)Bürger, der seit über dreißig Jahren in diesem Land lebt und im öffentlichen Dienst tätig ist, frage ich mich, wie so etwas möglich ist. Der Skandal liegt nicht nur bei der Person selbst und der Fraunhofer-Gesellschaft, sondern auch beim BMBF und all jenen (inkl. anderer wissenschaftlicher Gesellschaften), die ein solches Verhalten tolerieren. Wenn ich es wagen würde, auch nur einen Schritt zu machen, der als moralisch verwerflich oder sogar korrupt interpretiert werden könnte, wäre ich sicherlich meinen Job los.

#2 -

Roman Held | Do., 16.03.2023 - 23:09
Es ist wirklich schwer zu ertragen, welche Machtposition der Vorstand von Fraunhofer immer noch hat. Mächtiger als die Bundesregierung! Wohin soll das noch führen? Der Bericht des Bundesrechnungshof ist schockierend. Schockierend mit welcher Ignoranz alle Vorstände bei Fraunhofer vorgegangen sind. Ich schäme mich mittlerweile einer von den 30.000 zu sein. So wie die meisten der 30.000! Herr Neugebauer, Herr Kurz, Frau Ewen treten Sie bitte schnell ab und machen so schnell den Weg für einen sauberen Neuanfang frei. Fraunhofer braucht wieder Ruhe und neues Vertrauen der Mitarbeitenden in die Spitze und unserer Partner. Das haben Sie durch zu langes Festkleben ...

#3 -

Chris A. | Fr., 17.03.2023 - 09:41
Die Causa Neugebauer zeigt eindrucksvoll das gegenwärtigen Problem mit der wissenschaftlichen/institutionellen Selbstverwaltung. Staatsferne und Unabhängigkeit bei Forschungsorganisationen - in dem Sinn dass Bund und Länder keine übermäßige Kontrolle haben - halte ich für absolut erstrebenswert. (Und das BMBF bietet sich ja nun auch nicht gerade als kompetentes und vertrauenswürdiges Aufsichtsorgan an.) Das Kernproblem ist aber, dass die mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammengesetzten, sognenannten Aufsichtsgremien letztlich nichts weiteres als Sockenpuppen sind. Wie soll ein Gremium, in dem der jeweilige Präsident zumindest faktisch einen erheblichen Teil der Mitglieder auswählt, und das zwei oder dreimal im Jahr zu zwei- bis ...

#4 -

Michael S. | Fr., 17.03.2023 - 13:34
Wir haben an den Hochschulen ja das gleiche Problem. Die Kombination aus starken Präsidien und geschwächten Gremien ist dysfunktional. Warum diese Prinzip nach den sehr negativen Erfahrungen in Deutschland mit dem Führerprinzip an Universitäten wieder etabliert wurde, ist mir schleierhaft. Und die Aufsichtsgremien der "starken Präsidenten" agieren dabei eher wie eine Touristengruppe.

Würden die Kreuzfahrt-Touristen den Bürgermeister von Venedig wählen/kontrollieren, würde dies wohl niemand akzeptieren ;-)

#5 -

Brigitte Abert | Fr., 17.03.2023 - 20:43
Und heute prangert die Wirtschaftswoche on-top an, dass der Fraunhofer Präsident 200 Mio.€ in der Fraunhofer Stiftung versenkt hat. Der Skandal bei Fraunhofer wird immer bizarrer. Unsere Firma prüft schon, ob man mit Fraunhofer noch zusammenarbeiten soll. Vertrauen ist am Boden.

#7 -

Arno Nym | Sa., 18.03.2023 - 15:02
Bin seit fast 10 Jahren bei Fraunhofer. Intern brennt es. Die absolute Mehrheit hofft täglich auf die Nachricht der Ablösung des Präsidenten, am besten gleich des gesamten Vorstands. Das BMBF hat sich endlich klar positioniert. Frau Müller, machen Sie endlich Nägel mit Köpfen!

#8 -

Laubeiter | Mo., 20.03.2023 - 13:57
Ist jemand beim Lesen im pdf des Rechnungshofs das Wort Schuhputzkurs aufgefallen? Ich dachte erst, dass dieses Wort vom Rechnungshof erfunden worden ist, um eine fiktive Absurdität zu illustrieren. Wenn ich es richtig verstehe, stammt das Wort nicht vom Rechnungshof und ist nicht erfunden, sondern aus einem Dokument der Fraunhofer Gesellschaft. Ein Schuhputzkurs ist weit weg vom Auftrag der Fraunhofer Gesellschaft und weit weg von Spitzenforschung. Wenn Fraunhofer Mittel in Schuhputzkurse fliessen und dies in Fraunhofer Dokumenten festgehalten wird, so scheint mir, dass Fraunhofer so eine Art Selbstmord geplant hat, vielleicht in der Art: wir probieren mal, ob wir mit ...

#9 -

Mitarbeiter | Mo., 20.03.2023 - 17:43
Aus der internen Wahrnehmung kann ich nur hinzufügen: das Millionengrab SAP-Einführung sollte auch unter die Lupe genommen werden. Die Einführung und die unglückliche Umsetzung hat schließlich auch der Vorstand und weitere Top-Führungskräfte der FhG zu verantworten. Und wer muss es ausbaden? Die Mitarbeitenden und die Kunden und Partner von Fraunhofer.

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