Wir wollten das nicht aussitzen
Wie geht es weiter mit der WissZeitVG-Novelle? BMBF-Staatssekretär Jens Brandenburg über neue Vorschläge und Gespräche, Missverständnisse und vermeintliche Kompromiss-Modelle – und kommunikative Versäumnisse der Ampel-Koalition.

Jens Brandenburg. Foto: Bundesregierung/Guido Bergmann.
Herr Brandenburg, vier Wochen sind vergangen, seit das BMBF seine kurz vorher veröffentlichten Eckpunkte zur Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) wieder zurückgezogen hat. Und drei Wochen, seitdem Sie zu einem Gespräch ins Ministerium luden, um, wie es hieß, "die Fragestellung einer den vielgestaltigen Anforderungen an die Postdoc- Phase angemessenen Höchstbefristungsdauer noch einmal zu erörtern". War der Termin mehr als ein Schaulaufen?
Wir hatten nach einem intensiven Stakeholder-Prozess zur Reform des WissZeitVG erste Eckpunkte vorgelegt. Die haben in dieser einen Frage zu einer so erheblichen öffentlichen Debatte geführt, dass wir bewusst nochmal die Diskussion gesucht haben. Die live und transparent übertragene Diskussionsrunde war ein wesentlicher Punkt dieser Diskussion. Aber nicht der einzige. Wir haben viele, teils auch schriftliche Rückmeldungen bekommen. Darunter sind auch neue Vorschläge, die wir uns genau anschauen. Und parallel weitere Gespräche dazu führen.
Von außen wirkt es so, als hätten Sie mit der BMBF-Veranstaltung vor allem den Druck aus dem "#IchbinHanna-"Kessel nehmen wollen. Wie lange soll die Szene jetzt wieder warten?
Wir wollen zeitnah eine gute Lösung präsentieren, aber auch nichts übers Knie brechen.
Das kann alles heißen. Zwei Wochen? Zwei Monate?
Jedes konkrete Datum, das ich Ihnen nennen würde, wäre doch unseriös. Denn die Diskussionen und Verhandlungen laufen. Wir haben es mit einer sehr komplexen Materie, sehr unterschiedlichen Wissenschaftseinrichtungen und Fächerkulturen und mit einem schwierigen Interessensausgleich zu tun. Wir alle im Ministerium und in der Koalition sind an einer baldigen Entscheidung interessiert. Sobald wir diese miteinander getroffen haben, wird sie in einen Referentenentwurf überführt. Das geht innerhalb von zwei, drei Wochen. Dieser Referentenentwurf wird anschließend in das übliche Verfahren gehen – so, wie es ursprünglich vorgesehen war, mit einer umfassenden Anhörung der Länder und Verbände. Die Ergebnisse der Anhörung werden in den Gesetzestext eingearbeitet, den das Kabinett beschließt. In der zweiten Jahreshälfte startet dann das parlamentarische Verfahren.
"Fast alles, was wir in den Eckpunkten vereinbart hatten, gilt auch weiterhin"
Sie hatten mal ...
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Kommentare
#1 - Wie man Fehler beschönigt. Ich vermisse Ehrlichkeit. Es…
#2 - Was mir zu kurz kommt bei der ganzen Diskussion ist die…
Wer gerade am Übergang zur Postdoc-Phase ist weiß nun nicht, ob ein Jobangebot, das zB als 3+3 (oder 2+2, 4+2) strukturiert ist morgen noch legal sein wird. Das Eckpunktepapier, das ursprünglich als Gesetzentwurf und nicht als "erste Eckpunkte" vorgestellt wurde, blieb bei den Übergangsregelungen stumm.
Wie soll man die "Fortschrittskoalition" so als "vom Stil her anders" wahrnehmen?
#3 - Das WissZVG ist inzwischen durch den einsetzenden…
#4 - Danke für das gute Interview und überhaupt für Ihre…
#5 - Wenn es der Bildungsministerin, ihren Staatsekretär:innen…
#6 - Zitat Herr Brandenburg: „Von den bereits erwähnten…
Das kann man in der Theorie so sehen. In der Praxis gilt meines Wissens immer noch das hier (FAQ des BMBF zum WissZeitVG):
„Muss Personal in Drittmittelprojekten stets nach WissZeitVG (bzw. TzBfG) befristet beschäftigt werden oder kann auch auf dauerhaft beschäftigtes Personal zurückgegriffen werden?
Das WissZeitVG eröffnet mit § 2 Abs. 2 einen besonderen Befristungsgrund für das wissenschaftliche ...
#7 - Zu #6:Liebe Kollegin, lieber Kollege,Sie haben zwar jetzt…
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
Sie haben zwar jetzt die FAQ zitiert, aber in dem Kontext nicht erläutert, was genau für Ihre Hochschule bzw. Fakultät das Problem darstellt. Das würde mich schon interessieren.
In meiner Zeit als Fakultätsgeschäftsführer hatte ich verschiedene Fälle, die in die Richtung einer Entfristung von Drittmittelbeschäftigten gingen. In einem Fall haben wir ein gesamtes Team entfristet, weil es stetig über Auftragsforschung sein eigenes Einkommen abgesichert hat. In einem anderen Fall (andere Fakultät) wurde bei einem Drittmittelbeschäftigten das nicht getan, obwohl er quasi der DM-Akquise-König war und sich seit Jahren bzw. Dekaden seine Stelle immer selbst ...
#8 - Zu#7Lieber (ehemaliger) Kollege,ich teile Ihre…
Lieber (ehemaliger) Kollege,
ich teile Ihre Einschätzung, dass nicht alle aktuellen Probleme durch das BMBF verursacht werden, dass die Hochschulen und andere Wissenschaftseinrichtungen auch ihren Teil dazu beitragen. Auch ich würde mir mehr Mut an vielen Stellen von Leitung und Verwaltung an Hochschulen zu auch mal unkonventionellen Lösungen wünschen. Dazu gehört auch der Entschluss, mal ins (kalkulierbare) Risiko z.B. bei der Stellen- oder Budgetplanung zu gehen. Die Zeit und manchmal auch Kreativität, die in das Suchen und Umsetzen von tragfähigen Befristungsgründen gesteckt wird, könnte man auch gut für viele andere Projekte (Stichwort: Digitalisierung der Verwaltung) stecken.
Was mich aber ...
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