Weniger, besser, aussichtsreicher
30.000 abgeschlossene Promotionen jedes Jahr: Wenn wir die Karrierechancen im Wissenschaftssystem verbessern wollen, müssen wir auch über die Zahl der Doktoranden reden. Ein Gastbeitrag von Johannes Freudenreich.

Johannes Freudenreich ist Geschäftsführer der Potsdam Graduate School an der Universität Potsdam. Foto: privat.
DIE DEBATTE um die Neufassung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) ist in vollem Gange. Gesucht wird eine Regelung, die eine hochwertige wissenschaftliche Ausbildung ermöglicht, Planungssicherheit für Forschende schafft und das Wissenschaftssystem insgesamt innovativ und flexibel hält. Das ist eine schwierige Aufgabe, zumal die zentrale Logik des WissZeitVG in der Diskussion meist aus dem Blick gerät: die Qualifizierung. Sie allein begründet das Sonderbefristungsrecht in der Wissenschaft und damit die Abweichung von üblichen Arbeitsvertragsregelungen.
Die Promotion ist heute häufig die letzte formale wissenschaftliche Qualifikation, da viele akademische Karrierewege ohne Habilitation auskommen. Auch aus diesem Grund hat der Wissenschaftsrat Ende April eine umfassende Würdigung der Promotion in Deutschland vorgelegt und auf drei deutsche Besonderheiten hingewiesen: Erstens wird die Promotion in Deutschland nicht primär als Qualifikationsleistung im Sinne eines dritten Zyklus der Hochschulausbildung verstanden, sondern der eigenständige Forschungsbeitrag steht im Vordergrund. Zweitens ist die Promotion in den unterschiedlichen Fachdisziplinen sehr unterschiedlich ausgestaltet. Drittens ist die Promotionsquote, also das Verhältnis von Promotionen ...
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Kommentare
#1 - Ich denke, bevor über die Frage der Begrenzung der Zahl…
#2 - Ich stimme dem vorherigen Kommentator zu und erweitere das…
Es wäre wünschenswert, wenn Vorschläge, die auf Allgemeingültigkeit zielen, die Spezifika der Fachkulturen stets im Auge haben. ...
#3 - "Drittens könnte die Promotionsquote gesenkt werden."Die…
Die Universität Düsseldorf geht hier mit gutem Beispiel voran und schickt einmal im Semester eine Email (auch) an ihre Doktoranden, in der erklärt wird wie man sein Studium abbricht, um stattdessen eine duale Berufsausbildung anzufangen. Kein Witz.
#4 - Die Überlegung, die Zahl der Doktoranden in Deutschland zu…
#5 - Ich stimme #1 und #2 vollkommen zu. Meines Wissens nach…
Ich stimme #1 und #2 vollkommen zu. Meines Wissens nach herrscht unter Akademiker*innen in Deutschland Vollbeschäftigung. Mir sind in keinem Fach grosse Zahlen arbeitsloser Promovierter bekannt. Zu einem Teil erscheinen mir die Forderungen um IchBinHanna deshalb etwas bequem - "ich habe zu Thema X ein Forschungsinteresse und deswegen (nach Promotion) Anspruch auf eine Lebenszeitstelle zu Thema X". Die Alternative ist ja nicht, wie so oft behauptet, Arbeitslosigkeit, sondern eine Stelle, die sich halt nicht mit dem eigenen Lieblingsthema beschäftigt.
Bzgl. der Zahl der Promotionen würde ich dringend anregen, die im Fach Medizin rauszurechnen, die ca. 1/4 ausmachen. Die kann man ...
#6 - Bei der Anzahl der Promotionen muss auch bedacht werden,…
#7 - Forderungen nach unbefristeten Beschäftigungen sind m.E.…
#8 - Klar wollen wir alle Sicherheit. Dafür muss jemand zahlen.…
Der Vergleich mit den Lehrer*innen hinkt stark. Die unterrichten einen im wesentlichen seit Jahrzehnten nur wenig geänderten Stoff. Forschung muss aber immer und ...
#9 - Das Argument der "Verstopfung" des Wissenschaftssystems ist…
Es braucht unterhalb und neben der Professur einfach langfristig mehr Karrierewege. Das deutsche Wissenschaftssystem läuft mit 10 % Profs. Der Rest sind abhängig beschäftigte Doktorand:innen und befristete Postdocs bis 40 an deren Lehrstühlen. Menschen zwischen 40-65 kommen an den Unis kaum vor. Das ist ziemlich einzigartig auf der Welt. Andere Länder machen es besser: Wissenschaftler:innen aller Erfahrungsstufen in kollegialen Departmentstrukturen. Die Mitarbeiterstruktur sollte die Gesellschaft wiederspiegeln. Es geht auch um mehr Demokratie an Hochschulen und um faire Arbeitsverträge. - Klar, nicht jede:r Ingenieur:in will an der Uni ...
#10 - Die im Beitrag verfolgte Logik erschließt sich mir zwar,…
Ich stimme auch #1 und #2 zu, die sich insbesondere auf einen zentralen Bereich der Universitäten beziehen: die MINT Fächer. Unternehmen sind auf Innovation und nicht nur Optimierung angewiesen. Ohne Leute, die mit unlösbaren Problemen umgehen können wird es sicher schwierig.
Warum kann man nicht die Bildung besser fördern, Stellen entfristen? Es ist ...
#11 - Das Argument der Verstopfung kommt in diesem Thread doch…
Das Argument der Verstopfung kommt in diesem Thread doch gar nicht vor. Der zitierte Link widerlegt auch gar nichts, sondern argumentiert in eine bestimmte Richtung - der Argumentation kann man folgen, muss man aber nicht, da sie im wesentlich unvollständige Analogien zieht (Vergleich zw Ländern) oder über die Zukunft spekuliert.
Das Argument aus #8, dass jede unbefristete Besetzung X Promotionen verhindert, ist erst Mal faktisch richtig (wenn es kein neues Geld gibt). Etwas Anderes ist die Frage, wie viele Entfristungen man vornimmt. Die Forderung diesbezüglich, die ich am häufigsten höre, ist aber "jeder PostDoc" (vielleicht garniert mit hochtrabenden Bemerkungen bzgl ...
#12 - Ich sehe noch eine vierte Option: Einfach die Titelhuberei…
Ich bin schwer dafür, dass es gesellschaftlich verpönt ist sich außerhalb von Uni als "Dr." oder. "Prof." irgendwo einzutragen, vorzustellen, anreden zu lassen etc - sprich diese "Titel" verlieren außerhalb von Uni jeglichen Wert. Und in der Uni sollten wir alles dransetzen, dass diese "Namenszusätze" weitestgehend eingeschränkt werden und möglichst nur noch in Bezug auf die konkrete Funktion genutzt werden - und selbst da würde ich den Beruf "Hochschullehrer_in" dem (gesellschaftlichen) Status "Prof." vorziehen.
Es ist daher bezeichnend, dass diese vierte Option im obigen Gastbeitrag nicht auftaucht.
Und ...
#13 - @12: Es geht doch nicht um Titelhuberei. Eine…
wissenschaftliche Leistung verdient dann auch einen Doktor-Grad. Die genannte vierte Option ist sinnentleert.
#14 - Leider fehlt mir ein wenig die Umgebungsbetrachtung. Wie…
#15 - Das Instrument Tenure Track kann als Argument für eine…
PostDocs mit kurzen Kettenverträgen und halben Stellen können nur kurzfristig planen und forschen, werden durch Zeit- und Geldsorgen ...
#16 - Hallo,haben Sie vielleicht eine Quelle, die Ihre Aussagen…
Hallo,
haben Sie vielleicht eine Quelle, die Ihre Aussagen zur Qualität der TT Professuren belegt? Das würde mich wirklich interessieren - ich kenne solche und solche Fälle. Und womöglich aufgeschlüsselt nach akademischen Alter - tatsächlich kann man ja auch sehr erfahrene Personen auf TT Professuren berufen (wo das eigentlich nicht gerechtfertigt ist), während der Trend klar in Richtung "direkt nach der Promotion" geht, siehe 1000-Prof Programm des Bundes.
Danke,
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