Direkt zum Inhalt

Dass wir mit Technologien aus der Vergangenheit die Zukunft nicht gestalten können, ist inzwischen auch dem letzten klar

Die Innovationspolitikerin Anna Christmann über den internationalen Innovationsdruck, Ungeduld in Sachen DATI, neue Förderschwerpunkte im BMWK – und die immer gleichen Gespräche mit Finanzpolitikern.

Bild
Artikelbild: Dass wir mit Technologien aus der Vergangenheit die Zukunft nicht gestalten können, ist inzwischen auch dem letzten klar

Anna Christmann (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit 2017 Mitglied im Deutschen Bundestag. Seit 2022 ist sie Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt sowie Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft- und Klimaschutz für die digitale Wirtschaft und Start-ups. Foto: Deutscher Bundestag/Inga Haar.

Frau Christmann, im internationalen Innovationsranking von BDI, Roland Berger, Fraunhofer ISI und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung liegt Deutschland auf Platz 10 von 35 untersuchten Volkswirtschaften. Die Bundesrepublik habe sich in den vergangenen 15 Jahren kaum von der Stelle bewegt. Sind Sie alarmiert?

Ich finde, es gibt Licht und Schatten. Wir mussten die Corona-Pandemie überstehen, wir erleben einen Krieg mitten in Europa, es gibt den Fachkräftemangel und jetzt die Zinswende. Alles Faktoren, die zusätzliche Unsicherheiten mit sich gebracht haben, auch und gerade für den Mittelstand und seine Innovationsfähigkeit. Umgekehrt bieten die großen Umbrüche unserer Zeit die Chance zu disruptiven Veränderungen, die wir als Gesellschaft zu lange aufgeschoben haben. Damit sie gelingen, brauchen Wissenschaft und Wirtschaft aber die Unterstützung des Staates in Form guter Rahmenbedingungen für Innovationen.

Ihre Aufzählung exogener Schocks für die Wirtschaft klingt wie ein Best Of der Ausreden, warum wir innovationspolitisch hinter Skandinavien, Nordamerika oder Südostasien hinterherhinken. Wäre es nicht ehrlicher zu sagen, dass Deutschlands Wirtschaft und Mittelstand schlicht entscheidende Entwicklungen verpennt haben?

Ich stelle lediglich fest, dass es viele äußere Faktoren gibt, die ungünstig wirken. Hinzu kommt, dass der Technikstandort Deutschland lange sehr erfolgreich war. Dadurch fehlte der Druck, alternative Geschäftsmodelle zu erproben und neue Produkte frühzeitig zu entwickeln. Dass wir mit Innovationen und Technologien aus der Vergangenheit die Zukunft nicht mehr werden gestalten können, ist aber, glaube ich, inzwischen auch dem letzten klar geworden.

Auf welchen Technologien haben wir uns ausgeruht?

Das beste Beispiel bleibt für mich der Verbrennungsmotor, der immer als das deutsche Zugpferd galt. Plötzlich merken wir, dass selbst China mit Macht auf den Elektroantrieb umgeschwenkt ist. Oder denken Sie ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Laubeiter | Mi., 21.06.2023 - 12:46
Dieser Text ist verfasst mit lateinischen Buchstaben und vermittelt seinen Inhalt mit Wörtern aus dem Deutschen, das es so schon eine Weile gibt, und beachtet dabei grammatische Regeln, die es auch schon eine Weile gibt. Ich bin anderer Meinung als Christmann: Technologien aus der Vergangenheit werden uns helfen, und mehrere Technologie, die mal als Zukunft verkauft wurden, haben wir wieder aufgegeben. Daher: bitte keine Massakrierung der Vergangenheiten und ihrer Technologien.

#2 -

Potsdamer | Mi., 21.06.2023 - 15:40
Es besteht in 'schland kein Mangel an staatlich subventionierten Technologietransfer-Subventionsblüten. Das Problem ist, daß das keine guten Leute sind -- vor allem unternehmerisch orientierte Ausgründer wollen mit denen nicht zusammen arbeiten, weil diese eben keinen Mehrwert schaffen. Nur zu erklären, DATI werde natürlich viel besser, weil agiler etc. ... ist bloßes Wortgeklingel.



Vor wenigen Jahren war in Berlin folgendes zu beobachten: Erfolgreiche lokale Unternehmer taten sich zusammen mit ausländischen Fachleuten (u.a. MassChallenge aus Boston), um in Teilen des ehem. Flughafens THF eine tatsächliche agile, private und staatsferne TechTransfer-Einrichtung aufzubauen. Ergebnis: Die staatlich finanzierten Berliner Subventionsblüten stänkerten so lange gegen die ...

#3 -

Norbert Esser | Do., 22.06.2023 - 09:00
"Best Of der Ausreden" dem kann man nur zustimmen. Etwas Erklärendes ist den Aussagen nicht zu entnehmen. Hinhaltetaktik, ohne die Hemmnisse zu benennen, und etwas ideologisches Wortgeklingel. Auch für die Innovationspolitik gilt: wenn man den Hund zum jagen tragen muss, taugt es nichts.

#4 -

Ruth Himmelreich | Do., 22.06.2023 - 13:48
Und de facto ist es so, dass Politik am liebsten keine neuen Dinge schafft, sondern neue Dinge, die andere schaffen, regulieren will. KI? Anstatt Möglichkeiten zu zu eröffnen, fängt man sofort wieder an, über neue Regulationsmechanismen zu reden. Der Transfer unserer immer noch (wie lange?) sehr guten Forschung in die Praxis scheitert an den bürokratischen Dickichten, die überall, auch gerne mit Unterstützung der Grünen, eher gedüngt als ausgerupft werden. Noch eine Ethikkommission, anyone?

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Ich bin noch nicht lange genug Politikerin, um in so etwas eine sinnvolle Gestaltung meiner Zeit zu erkennen

Ich bin noch nicht lange genug Politikerin, um in so etwas eine sinnvolle Gestaltung meiner Zeit zu erkennen

NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes über ihre Pläne gegen den Fachkräftemangel und Sanierungsstau, ihre Erwartungen an die Hochschulen – und die Verstimmungen mit dem BMBF.


  • Eine Kultur des Wegschauens

Eine Kultur des Wegschauens

Wie konnte es überhaupt zur Fraunhofer-Affäre kommen? Ein jetzt bekannt gewordener Briefwechsel verrät viel über Selbstverständnis, Anspruchshaltung und die Beziehung zwischen Forschungsgesellschaft und BMBF.


  • Vier Jahre, kein Konsens

Vier Jahre, kein Konsens

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger präsentierte den WissZeitVG-Referentenentwurf. Letzte Bemühungen, bei der Frage der Postdoc-Höchstbefristungsdauer eine Einigung mit den Ampel-Koalitionspartnern zu erreichen, waren zuvor gescheitert.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Profs gegen #IchbinHanna?

Profs gegen #IchbinHanna?

"Erleichtert" ist der Deutsche Hochschulverband über den korrigierten Gesetzesentwurf für Befristungen in der Wissenschaft. Und vertritt damit vermutlich die große Mehrheit seiner Mitglieder. Was das für "#IchbinHanna" bedeutet.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Kürzungspläne beim DLR? Landeswirtschaftsminister protestieren

200 bis 400 Millionen Euro stehen angeblich auf der Streichliste, Finanzministerium verweist auf die Entscheidungsfreiheit des Wirtschaftsministeriums.


  • Sparen bei der DDR-Forschung: Die Angst vor der Abbruchkante

Sparen bei der DDR-Forschung: Die Angst vor der Abbruchkante

Wie erging es Menschen mit Behinderungen in der DDR? Was erlebten die Bewohner von Kinder- und Jugendheimen? Vom BMBF finanzierte Forschungsvorhaben sind solchen Fragen nachgegangen. Doch spätestens 2025 droht vielen Projekten das Aus.