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Armutszeugnis hitzefrei

Schüler und Lehrer schwitzen, der Unterrichtsausfall wächst: Die Politik hat es versäumt, die Schulen für den Klimawandel fit zu machen.

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Artikelbild: Armutszeugnis hitzefrei

Foto: Dennis Skley , CC BY-ND 2.0 .

ICH ERINNERE MICH gut an dieses Gefühl, als ich ein Kind war: "Hitzefrei!" Die große Freiheit nach der dritten Stunde. Damals scherte sich nicht wirklich jemand darum, wie die Eltern die plötzliche Frühbetreuung bewerkstelligten. Das immerhin ist heute anders. Meine beiden mittleren Jungs durften mit ein paar Klassenkameraden von 11.20 Uhr bis zum offiziellen Schulschluss in den heiß-stickigen Klassenräumen einer Brandenburger Grundschule ausharren – an ihrem Platz sitzend. Beaufsichtigt, aber ohne Unterricht. Es gibt noch einen weiteren Unterschied zu den 80er Jahren: Ich hatte drei, vier Tage im Jahr hitzefrei. Meine Kinder drei, vier Schulwochen hindurch.

Täuscht mich meine Erinnerung? Nicht wirklich. Der Deutsche Wetterdienst verzeichnete 1985 im Bundesschnitt 2,6 heiße Tage mit Höchsttemperaturen von mindestens 30 Grad. 2015: 17,6. 2020: 11,4. Ja, es gab zwischendurch auch mal Ausreißer nach unten wie 2021: 4,5. Aber 2022 und 2023 waren es dann schon wieder 17,3 und 11,5. Das Klima ändert sich fundamental, aber die Schulen nicht.

Die Schulhöfe sind vielerorts versiegelt wie eh und je, die Fenster lassen sich oft ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Mo., 16.09.2024 - 15:13
Das ist ein wichtiger Kommentar zu einem wichtigen Thema. Man hat systematisch versäumt, wenigstens auf der Südseite neu gebauter Schulen für eine Begrünung zu sorgen, die im Sommer Schatten spenden könnte. Hinzu kommt die bürokratische Sturheit mit den geizig abgezählten Tagen der Sommerferien. In Italien gibt es Sommerferien von Mitte Juni bis Anfang September, in fast allen europäischen Ländern sind die Sommerferien länger als bei uns. Wenn wir längere Sommerferien hätten, dann könnte auch der Krampf mit den unterschiedlichen Terminen in den Bundesländern entfallen, denn die Leute würden ja nicht bundesweit alle gleichzeitig in den Urlaub aufbrechen und dann 8-10 ...

#2 -

Working Mum | Mo., 16.09.2024 - 16:00
Mit längeren Sommerferien würde - wieder einmal - ein strukturelles Problem (Klimawandel, Sanierungsstau bei den Bildungseinrichtungen) auf die individuelle Ebene verlagert, in diesem Fall auf die Eltern, die ein noch deutlich größeres Betreuungsproblem hätten als jetzt schon.

#3 -

Wolfgang Kühnel | Mo., 16.09.2024 - 17:05
Zum Kommentar # 2: Eine Betreuung ließe sich ja in den leerstehenden Schulgebäuden (und dem Schulhof) durchaus organisieren, nach dem Vorbild der Ganztagsbetreuung in den Ganztagsschulen. Man könnte dabei aber die heiße Sonnenseite meiden, was man beim regulären Unterricht nicht kann, da muss jeder Raum genutzt werden. Wie wär's denn mal mit einer schattigen Wiese auf einem Teil des Schulhofs? Undenkbar?

#4 -

Working Mum | Mo., 16.09.2024 - 17:34
Zum Kommentar #3: Möglich wäre das natürlich schon, allein mir fehlt der Glaube - und dem Staat das Personal. Schon jetzt wird auch bei Schulen, die eine Ferienbetreuung anbieten, in aller Regel nur ein Teil der Ferien (i.d.R. die Hälfte) davon erfasst. Zudem endet die Ferienbetreuung fast ausnahmslos mit dem Ende der Grundschule, obwohl natürlich auch 10jährige Fünftklässler*innen nicht den ganzen Tag allein zu Hause sitzen können.

#5 -

Helge Peters | Di., 17.09.2024 - 18:36
Entgangenes Lernen durch Hitzetage schreibt sich im späteren Leben als entgangenes Gehalt fort und sollte somit als Klimaschaden den Investitionskosten in klimatisierte Schulen gegenübergestellt werden.



Diese Investition lohnt sich: "the extent to

which school air conditioning would offset the earnings loss driven by the 5◦F increase predicted

by climate change models is $1,060 per student, $26,500 per classroom, or just over $1 million

per high school. (...) Although these are rough es-

timates, benefit values of this order of magnitude imply that school infrastructure improvements

may more than justify their costs. For example, in 2017, New York City public schools ...

#6 -

Karli Fornia | Di., 17.09.2024 - 19:57
Ich bin in den USA in Kalifornien bei bis zu 40C zur Schule gegangen. Klimaanlagen gab es nur bedingt. Hitzefrei kannte man gar nicht. Ein typisch deutsches Privileg, worüber sich viele Länder wundern. Lehrer und Schüler in D haben dadurch neben den 77 freien Tagen noch mehr frei. Und jammern dann über die Arbeitsbelastung. Wir sind ein absolut privilegiertes verwöhntes Volk. Bloß nichts aushalten müssen. So kommt Deutschland nicht wieder in die Weltspitze zurück.

#7 -

Wolfgang Kühnel | Do., 19.09.2024 - 00:10
Zum Beitrag #6: Ein bisschen rationaler könnte man das Problem schon angehen. Die Schulen in USA sind keineswegs Vorbild für den Rest der Welt. Gelobt sei, was hart macht? Mit gutem Grund gibt es Vorschriften über die Hitzebelastung von Leuten, die in geschlossenen Räumen arbeiten. Die Gesundheit sollte eigentlich vorgehen.



Zum Beitrag #4: Wenn es insgesamt längere Ferien gäbe, dann könnte man natürlich Lehrer verpflichten, einen Teil davon in der Schule als Aufsicht zur Verfügung zu stehen, damit die Kids da keinen Blödsinn machen. Zudem scheinen die neuen Winterferien im Februar weniger für die Kinder da zu sein als vielmehr ...

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