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Die Abiturnoten steigen – und das ist kein Skandal

Die Debatte über immer bessere Abiturzeugnisse vor allem im Osten läuft ohne Kontext ins Leere. Es lohnt der Blick in die DDR-Geschichte. 
Collage aus verschiedenen Symbolen, die einen erfolgreichen Abschluss darstellen.

Bild: brgfx / Freepik.

DER HEIßESTE SOMMERLOCH-ANWÄRTER dieser Wochen? Das Wetter. Die Frage, ob der Juli in Deutschland zu kalt und zu regnerisch war – oder einfach nur ein ganz normaler –, sorgt für zuverlässig aufgeheizte Debatten. Weitere Kandidaten: Markus Söders Vorstoß, Geflüchteten aus der Ukraine kein Bürgergeld mehr zahlen zu wollen. Und: die angebliche Inflation der Abiturnoten. Eine Klage, die jedes Jahr aufs Neue laut wird.



Dabei ist die Geschichte schnell erzählt: Ja, der bundesweite Abi-Schnitt geht seit Jahrzehnten kontinuierlich nach oben – um etwa 0,1 Notenpunkte pro Dekade. In der Corona-Zeit kam es infolge diverser Sonderregelungen zu einem abrupten Sprung, inzwischen scheint die Entwicklung wieder dem bekannten – gemächlicheren – Trend zu folgen. Sind die immer besseren Noten ein Problem? In jedem Fall, das steht fest, nicht eines der vordringlichsten in unserem Bildungssystem.



Eigentlich wollte ich deshalb auch diesen Sommer zu dem Thema die Klappe halten. Doch dann hat sich Dieter Dohmen zu Wort gemeldet, Bildungsökonom, Chef des von ihm gegründeten privaten "Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie ...

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Kommentare

#1 -

Ruth Himmelreich | Fr., 08.08.2025 - 10:18

Beim Lesen kurz gewundert, an Berichte über Schulerfahrung von Kollegen mit DDR-Hintergrund gedacht, die von einem sehr kompetitiven System berichteten und  nachgeschaut: die POS entspricht der Mittelschule, nicht dem Gymnasium. Nur 8 bis 10 Prozent eines Jahrgangs gingen in der DDR in die Erweiterte Oberschule, die zum Abitur führte. "Aus einer POS-Klasse wurden durchschnittlich zwei bis drei Schüler in die weiterführende Schule aufgenommen, was bei einer Klassenfrequenz von etwa 22 Schülern einen enormen Leistungsdruck erzeugte." https://www.mdr.de/geschichte/ddr/alltag/erziehung-bildung/eos-erweiterte-oberschule-100.html. So ganz stimmt das mit den Wohlfühlnoten nicht. 

 

#1.1 -

jmwiarda Mo., 25.08.2025 - 10:07

Antwort auf von Ruth Himmelreich (nicht überprüft)

Liebe Frau Himmelreich,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Die POS besuchten allerdings meines Wissens zunächst alle Schüler miteinander, und der Wechsel zur EOS folgte in der späten DDR erst ganz am Ende, in den letzten zwei Jahren. Insofern wurde die Notenkultur in der DDR vor allem an der POS geprägt, um die ging es mir. Dass an die EOS vergleichsweise kleine Schülerzahlen wechselten, ist richtig. Nur ist mir keine Arbeit bekannt, die die dortigen Noten untersucht. Ich vermute, dass sie ebenfalls sehr gut ausfielen. Hier würde ich mich über Hinweise auf eine wissenschaftliche Untersuchung sehr freuen.



Beste Grüße

Ihr J-M ...

#1.1.1 -

Lisa | Mo., 25.08.2025 - 10:46

Antwort auf von jmwiarda

Sehr geehrter Martin Wiarda,vielen Dank für Ihren Beitrag. Es gab auch bei den EOS Unterschiede, und ganz so leicht war es nicht, gute Noten zu erzielen. Das Prüfungssystem hatte hohe Hürden, doch es gab Stellschrauben, durch die ideologisch weniger angepasste Kinder in den Vornoten und in mündlichen Prüfungen rausflogen oder schlechtergestellt wurden. Umgekehrt wurden Arbeiterkinder, zu denen auch die Kinder von Stasioffizieren zählten, besser benotet. Das hing auch mit der Angst der Lehrer vor Schwierigkeiten und mit den Sanktionsmöglichkeiten im DDR-Schulsystem zusammen. 

#2 -

Elbe | So., 10.08.2025 - 11:38

Der Beitrag ist interessant, die Auswahl der "Alternativerklärung" aber doch sehr willkürlich. Mindestens ebenso gut könnte man darauf hinweisen, dass im Osten seit Jahrzehnten eine instruktionstische Unterrichtskultur herrscht: tendenziell ein frontal ausgerichtetes, hierarchisches und auf Leistung fokussiertes Unterrichtsdenken. Dagegen im Westen eine weit stärker reformpädagogisch ausgerichtete/beeinflusste Kultur. Was sicher auch ein Grund dafür ist, dass G8 im Osten kein Problem ist, wohl aber im Westen. Mit der Frage, ob das Abitur zu gut bewertet bzw. zu wenig aussagekräftig ist, hat all das im Übrigen wenig zu tun. (Beide Fragen muss man bejahen, und zu glauben, das sei kein Problem, ist ...

#4 -

Wolfgang Kühnel | Di., 19.08.2025 - 13:31

"Bei einer internationalen Lesestudie im Jahr 1991 schnitten die POS-Schüler signifikant besser ab als ihre westdeutschen Altersgenossen. Daraus lasse sich schließen, so Köhler, "dass ... "

So steht es oben. Aber in dem verlinkten Artikel  "Inflation der guten Noten ..." von Köhler steht es am Schluss anders:

"Ähnliche Befunde ergaben sich aus der Lesestudie der IEA von 1991. Die POS-Schüler hatten signifikant höhere Testleistungen als die westdeutschen Schüler bei etwas geringerer Streuung und gleicher Leistungsspitze. Ohne die Jugendlichen mit fremder Muttersprache, die unter den westdeutschen Hauptschülern stark vertreten waren, kam man über alle Schularten hinweg zu einer fast gleichen Verteilung."

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