Direkt zum Inhalt

"Die Exzellenzstrategie hat sich überlebt"

Die wissenschaftspolitischen Sprecher aller CDU-/CSU-Landtagsfraktionen haben ein Forderungspapier an die Bundesregierung vorgelegt – mit deutlichen Ansagen auch in Richtung CSU-Forschungsministerin Dorothee Bär. Der bayerische Wissenschaftspolitiker Robert Brannekämper spricht über mehr Geld für den Hochschulbau, eine echte BAföG-Reform, weniger Drittmittelzirkus – und Fluktuation als Innovationsbeschleuniger.
Portraitfoto von Robert Brannekaemper.

Robert Brannekämper , studierter Architekt und seit 2013 CSU-Abgeordneter im bayerischen Landtag, leitete viele Jahre den Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst und führt den gleichnamigen CSU-Arbeitskreis. Foto: Daniel Gruber.

Herr Brannekämper, die wissenschaftspolitischen Sprecherinnen und Sprecher aller CDU-/CSU-Landtagsfraktionen haben Anfang der Woche ein gemeinsames Forderungspapier an die Bundesregierung veröffentlicht. Überschrift: "Den Koalitionsvertrag auf Bundesebene umsetzen!" Ja, wo denn sonst?

Weil Verträge das eine sind – ihre Umsetzung aber das andere. Die Ampel hat dreieinhalb Jahre herumgedoktert und nichts wirklich vorangebracht, im Gegenteil Probleme noch verschärft. Deshalb haben wir, die wissenschaftspolitischen Sprecher aus allen 16 Ländern, uns mit den Präsidenten der beiden Münchner Universitäten zusammengesetzt, außerdem mit BMFTR-Staatssekretär Matthias Hauer und unserem Staatsminister Markus Blume. Herausgekommen ist ein Papier mit den Kernforderungen: mehr Zeit für Lehre und Forschung – und weniger Bürokratie.

Bevor wir auf Ihre einzelnen Forderungen kommen: Wollen Sie Ihre Parteikollegin, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, mit diesem Papier öffentlich unter Druck setzen? Oder finden Sie, Sie stärken ihr damit den Rücken?

Natürlich Letzteres. Das Papier ist gedacht als ein Turbo für Dorothee Bär, damit sie sagen kann: Auch die wissenschaftspolitischen Sprecher der Union in den Ländern stehen hinter ihren wichtigsten Anliegen. So kann sie sie gegenüber der Bundesregierung und auch ihrem Koalitionspartner besser durchsetzen. Sie macht ihren Job wirklich sehr gut. Am Anfang war nicht klar, ob Forschungspolitik ihre Welt ist – aber sie hat sich hervorragend eingearbeitet und leistet eine exzellente Arbeit. Das sage ich nicht oft über Bundesminister, aber in ihrem Fall stimmt es.

„Es darf nicht sein, dass ein Forschungs- oder Uniklinikbau 

wie in Großhadern erst für 2070 fertiggestellt wird. 

Solche Zeitläufe sind völlig inakzeptabel.“

Apropos Turbo: Der bringt uns direkt zur Schnellbauinitiative. Nur – in der Haushaltsplanung sieht man davon bisher wenig. 60 Millionen Euro pro Jahr, und die nicht einmal allein für die Schnellbauinitiative, sondern auch ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Jörg B. | Mi., 01.10.2025 - 12:05

Eine Anmerkung nur zum elendigen Thema der Befristung von Stellen in der Wissenschaft.

Stellen in der Wissenschaft unterhalb der Professur sollen also weiterhin höchst prekäre Durchlaufstationen bleiben. Wenn man lediglich die beiden Präsidenten der Münchner Unis zum Gespräch einlädt, hat man natürlich die volle Breite des Meinungs- und Argumentationsspektrums an einem Tisch - sozusagen die geballte Kraft der Speerspitze der Reformbemühungen. 

Es ist völlig absurd, wie hier - typisch Union - die Funktionseliten des Hochschulsystems hofiert werden. Deren Interesse an einer machtstabilisierenden Verknechtung des wissenschaftlichen Personals unter der unsinnigen Legitimationsfloskel der "Innovationsfähigkeit" ist landläufig bekannt. Spricht man nur mit diesen, ...

#1.1 -

Claudio Paganini | Mi., 01.10.2025 - 16:51

Antwort auf von Jörg B. (nicht überprüft)

Da dürfen die administrativen Universitätseliten im selben Atemzug schamlos fette Lohnerhöhungen für sich selbst und weitere Präkatisierung für ihren Pöbel fordern. Dazu noch Mittel für eine weitere Aufblähung der Administartion (Karriereberatung). Ich denke mit den Mitteln könnte man stattdessen einige Entfristungen finanzieren. 

#1.1.1 -

McFischer | Mo., 06.10.2025 - 14:57

Antwort auf von Claudio Paganini (nicht überprüft)

Wo jetzt die "administrativen Universitätseliten" die "schamlos fetten Lohnerhöhungen" herbekommen sollten, ist mir schleierhaft.

Aber Ihr Satz von der "Aufblähung der Administration (Karriereberatung)" ist aus meiner Sicht auf jeden Fall falsch. Eine Karriereberatung ist gut investiertes Geld und sollte im besten Falle sowohl die Karriereberatung in der Academia (zB auch Mentoring, Training Bewerbung Professur etc.) umfassen als auch außerhalb der Academia (Wechsel in Branchen, Selbständigkeit etc.) umfassen. 

#2 -

Ralf Meyer | Mi., 01.10.2025 - 15:26

Die Forderungen, dass Bund und Länder jetzt das BaFÖG gründlich überarbeiten sollten und in die Modernisierung, energetische Sanierung und den Neubau von Hochschulen investieren sollten, hat die HRK auf ihrer Sitzung im Mai Positionspapiere verabschiedet, die auch schon die mögliche Umsetzung andenken, siehe

https://www.hrk.de/positionen/

Die sind auch vermutlich ausreichend lange diskutiert und durchdacht worden.  Beim BaFÖG hilft auch ein Blick auf die Studienfinazierung in unseren europäischen Nachbarländern.  Ich hoffe sehr, dass die Ministerin diese Vorschläge nun gemeinsam mit den Ländern umsetzt, nachdem sie auch von ihren Parteikollegen noch einmal unterstrichen worden sind.

#3 -

Ralf Meyer | Mi., 01.10.2025 - 15:41

"Wir brauchen an allen Universitäten Karrierecenter, die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern frühzeitig eine ehrliche Beratung geben: Wo führt dein Weg wahrscheinlich hin?" Diese Idee ist leider nicht zu Ende gedacht. Die ganzen Postdocs an den Unis sitzen ja auf Stellen, und solange es diese Stellen gibt, wird es auch die Postdocs auf den befristeten Stellen weiterhin geben.  Ein Umbau der Karrierewege kann gar nicht funktionieren, ohne dass diese Stellenstruktur verändert wird.  Diese ist wiederum durch die Finanzstruktur der Hochschulen vorgegeben, also den hohen Anteil der Drittmittel und vergleichsweise geringen Anteil der Grundfinanzierung.  Ich habe wenig Hoffnung, dass der hohe Anteil ...

#4 -

Elbe  | Mi., 01.10.2025 - 22:14

Wir brauchen gut ausgestattete, hochdotierte Verwaltungsstellen? Und die Postdocs sollen bitte kapieren, dass sie sich auf Unsicherheit zum Niedrigtarif einlassen? Das ist lächerlich.

Richtig wäre: wenn es die Unsicherheit gibt, müsste sie eingepreist sein, die Postdocs müssten für ihre 6-Jahres-Verträge also erheblich bessere Bezahlungen erhalten. Und die Verwaltungsleute das, was man eben verdient für einen entfristeten - Verwaltungsjob.

Aber ersteres ist schon mit dem Tarifsystem im ÖD nicht zu machen. Da stimmen die Verhältnisse schon lange nicht mehr, dank der Politik (der Schröder-SPD).

#5 -

Wolfgang Kühnel | Do., 02.10.2025 - 09:03

Ich vergleiche hier mal -- nicht ohne Zorn -- drei Sätze von Herrn Brannekämper:

"Man muss unterscheiden. Im Wissenschaftsmanagement und in der Verwaltung brauchen wir in der Tat Dauerstellen – und zwar gut ausgestattete, hochdotierte Stellen."

"Wir brauchen an allen Universitäten Karrierecenter, die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern frühzeitig eine ehrliche Beratung geben:"

"Wer sich hier für eine wissenschaftliche Laufbahn entscheidet, geht ins Risiko. Wer einen sicheren Job will, sollte nicht in die Wissenschaft gehen – so wenig wie in die Kunst oder in die Politik."

Welche Art von Mitarbeitern soll denn in sog. "Karrierecentern" eine (nicht nur ehrliche, sondern) kompetente ...

#6 -

Karlchen Mühsam | Do., 02.10.2025 - 10:03

Lieber Herr Wiarda,

vielen Dank für dieses aufschlussreiche (leider nur in Bezug auf die Reflexion der eigenen, für außenstehende möglicherweise etwas zu hohen Erwartungshaltung) Interview. Obgleich hier sich hier Fachpolitiker zusammen geschlossen haben, trieft das Papier von den hinlänglich bekannten, wenig hilfreichen Phrasen. Ich frage mich ernsthaft, ob die Auffassungen unter den Fachpolitikern der Union so stark divergieren, oder ob es schlicht an Fachkenntnis mangelt. Peinlich ist der Ruf nach weniger Bürokratie, insbesondere wenn man im HInterkopf hat, dass beispielsweise in NRW die CDU in Regierungsverantwortung an einer HG-Novelle arbeitet, die in sehr vielen Punkten zu einem bürokratischen Aufwuchs führen ...

#7 -

Leif Johannsen | Fr., 03.10.2025 - 07:39

Ist doch ein erfrischend ehrliches Interview, welches ein gutes Beispiel liefert fuer die Grundhaltung der meisten Politiker_innen, die sich heutzutage mit Forschungs-/Wissenschaftspolitik beschaeftigen. Man moechte dem wissenschaftlichen "Nachwuchs" zurufen: "lasst die Finger von wissenschaftlicher Arbeit, ist eine Verschwendung Eurer Lebenszeit, die Gesellschaft braucht Euch nicht. Werdet stattdessen Handtaschendesigner_innen, erfindet Steuersparmodelle, oder noch besser ueberlegt Euch noch bessere Methoden, Eure Mitbuerger ueber den Tisch zu ziehen, werdet Desinformationsspezialistinnen". Wie heisst es so schoen im "Land der Dichter und Denker" (immerhin Kunst und Wissenschaft, leider keine Politik): die Wissenschaft ist der Ast auf dem wir sitzen.

#8 -

Leif Johannsen | Fr., 03.10.2025 - 08:34

Wie der Zufall es will bin ich gerade ueber einen Aufsatz von Avi Loeb gestolpert, der so ziemlich perfekt zusammenfasst, was einen als Wissenschaftler_in motiviert und weshalb es mit diversen "Anzugtraeger_innen" in der Wissenschaftspolitik zu Missverstaendnissen kommt.

"Science is a rare job which offers joy through the creative process of figuring out nature while being paid for it. [...] Gladly, my day job as a scientist is a work of love. [...] My source of happiness cannot be traded for money. [...] If I were to write essays to my audience in order to make a profit, I would not be ...

#8.1 -

Erwin Koslowski | Mo., 06.10.2025 - 08:24

Antwort auf von Leif Johannsen (nicht überprüft)

"An artist who works for hire with an agenda of making money feels like a person who makes love for money. Both activities are not sincere."

Sowohl Künstler:innen, die einen praktischen day job haben (Fotograf:innen, Bühnenbildner:innen usw., heute alles i.d.R. ultraprekäre selbstständige Berufe), als auch Sexarbeiter:innen gegenüber ganz schön herablassend. Insgesamt etwas weltfremd: Als wenn die kapitalistische "Landnahme" aller gesellschaftlichen Bereiche sich nicht auch auf die eigene wissenschaftliche Identität und Arbeit auswirken würde, auch für theoretische Physiker:innen. Aus wissenschaftssoziologischer Sicht ein altbackenes Verständnis (mode 1 vs. mode 2 knowledge production).

#8.2 -

Laubeiter | Di., 07.10.2025 - 14:06

Antwort auf von Leif Johannsen (nicht überprüft)

Ich finde den Text von Loeb unterhaltsam und bordering an bullshit. Es ist wenig deep, dass ein Selbstbildnis des Künstlers als Wissenschaftler oder des Wissenschaftlers als Künstlers Bourdieuschen Distinktionsgewinn verspricht gegenüber anscheinenden Langeweilern in den Ministerien, die wissen wollen, was der Forschngs-Spass die SteuerzahlerInnen kostet. Nach meiner Lesart fordert dieses Papier von Abgeordneten der CDU-CSU, mit der die neue CSU-Ministerin des BMFTR beraten werden soll, dass die beiden Münchner Universitäten einen Freifahrtschein, am besten eine carte blanche bekommen vom Bund, damit sie mehr Zeit zum Forschen haben.

#9 -

Bernd Weichsel | Fr., 03.10.2025 - 11:57

Die Positionen der CDU/CSU sind eigentlich nicht mein Fall. Aber in diesem Falle kann man einem potentiellen Abgesang der Exzellenz-Strategie nur zustimmen. Es ist ein inzwischen haarsträubendes Bürokratie-Monster, das den besten Leuten die Zeit stiehlt.

#10 -

AS | Do., 09.10.2025 - 14:04

Die Idee von Karrierezentren an Universitäten klingt vernünftig, löst aber kein Problem. Wer soll dort beraten? Verwaltungsangestellte ohne Forschungserfahrung, "gescheiterte" Wissenschaftler oder Professoren, die selbst vom System billiger Nachwuchskräfte profitieren? Solche Beratung wäre nicht unabhängig, sondern ein bürokratischer Feigenblattversuch.

Das Grundproblem bleibt: Die Wissenschaft lagert Risiken auf Einzelne aus. Junge Forscher tragen Unsicherheit und prekäre Verträge, während die Institutionen von ihrer Arbeit leben. Eine frühe, ehrliche Selektion und verlässliche Laufbahnen jenseits der Professur wären nicht nur fairer, sondern auch effizienter – weil das heutige System seine wahren Kosten externalisiert: Wissensverlust, Demotivation und verschwendete Qualifikationen.

So bleibt die deutsche Wissenschaft ein ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Eine Gruppe von vier jungen Menschen hält sich leere Sprechblasen vor das Gesicht.

Diskussion über Nahostkonflikt an Hochschulen: Drei Viertel der Forschenden berichten von Selbstzensur

Seit dem Hamas-Angriff auf Israel hat sich die Diskussionskultur an deutschen Hochschulen massiv verändert. In einer Umfrage berichten Forschende von Selbstzensur, Anfeindung und einer bedrohten Wissenschaftsfreiheit.


  • Artikelbild: Hanna stand nicht auf der Gästeliste

Jetzt kommt es auf die Hochschulleitungen an

Nach dem Scheitern der Ampel muss die neue Koalition beim Wissenschaftszeitvertragsgesetz endlich liefern. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Rektorate und Präsidien.


  • Foto von Stephan Weil

Weils Rollenwechsel

Von der Staatskanzlei an die Spitze des Stiftungsausschusses: Was bedeutet die Berufung des früheren Ministerpräsidenten für die Universität Göttingen?


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Gebaeude mit Haupteingang der Universität Paris La Sorbonne.

Der Reiz der Rangliste

Vom Stolz in Jena bis zum Ausstieg der Sorbonne: Was das widersprüchliche Verhältnis der Hochschulen zu den Uni-Rankings über den Zustand der Wissenschaft verrät.


  • Das Wort Bundesausbildungsförderungsgesetz in Weiß auf Beere mit Silbentrennung.

Make Bundesausbildungsförderungsgesetz "total sexy" again

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär würde dem BAföG am liebsten einen neuen Namen geben. Doch nicht der Name ist das Problem, sondern was die Politik aus dem BAföG gemacht hat.


  • TU Berlin Hauptgebäude

Öffentlich, engagiert, politisch – und ein Problem?

In Berlin wird an den Unis oft um den Chefposten gerungen, wie man es sonst aus der Politik kennt. Ob das exzellente Bewerber abhält oder im Gegenteil ein Fortschritt ist: Darüber gehen die Meinungen auseinander.