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Der Notnagel hält nicht ewig

Der Hau-Ruck-Umstieg auf die Online-Lehre ist gelungen. Wer deshalb glaubt, man könne aus der Ausnahmesituation einen Dauerzustand machen, wird weder dem Wesen einer Universität gerecht – noch anspruchsvoller Digitaldidaktik. Ein Gastbeitrag von Andreas Musil.

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Artikelbild: Der Notnagel hält nicht ewig

Andreas Musil, 48, ist Professor für Öffentliches Recht und Vizepräsident für Lehre und Studium der Universität Potsdam. Foto: Karla Fritze.

DAS LAUFENDE SEMESTER hat schon viele Namen bekommen, Digitalsemester ist einer davon. Und das sicherlich zu Recht, wurden doch an fast allen Hochschulen die meisten Lehrveranstaltungen im Hau-Ruck-Verfahren in digitale Formate überführt. Ich habe das vorher so nicht für möglich gehalten und bin sehr stolz auf unsere flexiblen Lehrenden und Studierenden. Ohne das beispiellose Engagement Vieler wäre dieses Semester ein Null-Semester geworden, wie es teilweise auch propagiert worden war. Erste Evaluationen zeigen, dass die neuen Lehrformen teilweise recht ordentliche Zufriedenheitswerte bekommen. Da ist zwar noch Luft nach oben, aber es musste ja auch alles sehr schnell gehen.

Aber wie geht es jetzt weiter? Wird es im Herbst ein weiteres Digitalsemester geben? Sollten wir das wollen? Einige Hochschulleitungen haben schon einmal verkündet, dass man wegen der guten Erfahrungen den jetzigen Modus beizubehalten beabsichtige. Ich denke demgegenüber, dass wir so bald wie ...

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Kommentare

#1 -

Ruth Himmelreich | Fr., 05.06.2020 - 12:48
Leider geht es zumindest in meinem Bundesland nicht darum, ob man im Herbst ein Digitalsemester "will", sondern dass man es absehbar machen muss. Wir werden im Herbst immer noch ein backlog von Prüfungen und nicht abgehaltenen Praxisveranstaltungen aus dem Sommer haben, die nachgeholt werden müssen. Dazu der Prüfungs- und Praxisbetrieb des Wintersemesters und die Einschränkung, dass man die ganz großen Formate mit 500+ Teilnehmern voraussichtlich noch nicht wird durchführen können. Wie soll das alles auf den verfügbaren Flächen dargestellt werden, wenn man nicht weiterhin alles digital macht, was nur geht?



Dazu möchte die Politik trotz des hohen Aufwands der digitalen ...

#2 -

tmg | Fr., 05.06.2020 - 16:10
Ich sehe es so wie Frau Himmelreich. Es gibt gute Gründe,

im Herbst große Teile des Lehrbetriebs weiter digital ablaufen zu lassen. Dazu gehört auch, dass völlig unklar ist, wie die Infektionslage im Herbst aussehen wird. Solange der Impfstoff nicht vorhanden ist, werden auch viele Hochschullehrer im fortgeschrittenen Alter wie ich auf Präsenzlehre lieber verzichten.



Inzwischen mehren sich ja die Stimmen besorgter Kollegen, die Befürchtungen äußern, Hochschulleitungen könnten im 'Coronahandstreich' das Format der Präsenzlehre substantiell attackieren. Ich unterstütze die angegebenen Argumente pro Präsenzlehre ausnahmslos, teile aber nicht die Befürchtungen der Kollegen. Keine Hochschulleitung wird ernsthaft versuchen, ihre Universität in eine ...

#3 -

tutnichtszursache | Sa., 06.06.2020 - 22:58
Als jemand, der immer wieder mit (innerlich) geöffnetem Mund voller Erstaunen dasteht, wenn Digitalisierungs- Aficionados von den unabwendbaren Vorzügen digitaler Hochschulen schwärmen, erlaube ich mir die Hoffnung, dass nach den Erfahrungen des Sommersemesters 20 (ff.?) mehr Leute als bisher lautstark widersprechen werden, wenn behauptet wird:

* Digitale Lehre ist die (einzige) Zukunft

* Digitale Lehre ist billiger und einfacher

* Digitale Lehre ist didaktisch unübertrefflich

* Alles Analoge ist rückständiger, bald verschwindender Quatsch.



All sowas behaupten nämlich die Digitalisten, v.a. wenn sie unter sich sind, unablässig und glauben leider auch selbst daran. Widerspruch haben sie nach meinem Eindruck bisher selbst ...

#4 -

Ruth Himmelreich | Mo., 08.06.2020 - 12:45
Persönlich kenne ich keinen "Digitalisten", der behauptet, die Digitalisierung mache die Lehre billiger. Wenn das so einfach wäre, könnte man ja alles per MOOC organisieren; die Digital Natives kümmern sich selbstbestimmt und frei um ihre Bildung und der Steuerzahler freut sich auch.



So funktioniert es aber nur bei einem ganz geringen Prozentsatz der Studierenden - der typische Studienstiftler käme damit zurecht. Der große Rest braucht aber Betreuung, die digital mindestens so aufwendig ist wie in Präsenz. Eher noch mehr, denn Sie müssen die fehlende soziale Interaktion, die die Studis zusätzlich bei der Stange hält, auch noch ausgleichen.

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