Direkt zum Inhalt

SPRIND kann ihr Geld nicht ausgeben

Die Bundesregierung räumt intern weitere Verzögerungen bei der Agentur für Sprunginnovationen ein. Die Haushälter der Bundestagsfraktionen stellen unangenehme Fragen. Woran hakt es?

Bild
Artikelbild: SPRIND kann ihr Geld nicht ausgeben

SPRIND-Direktor Rafael Laguna de la Vera. Foto: SPRIND.

SIE SOLL DABEI MITHELFEN, Deutschlands technologischen Rückstand zu verkürzen: die Agentur für Sprunginnovationen. Die Bundesregierung hat ihr deshalb das Kürzel SPRIND verpasst, doch ihre Aufholjagd lässt weiter auf sich warten.

In einem unveröffentlichten Bericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages räumen BMBF und Bundeswirtschaftsministerium ein: Auch im zweiten Jahr wird die Agentur die bereitstehenden Haushaltsmillionen voraussichtlich nicht ausgeben. Von Verzögerungen ist die Rede, für die die Bundesregierung vor allem die Corona-Pandemie verantwortlich macht. Den Mitgliedern des Haushaltsausschusses reichen die vorgelegten Begründungen hingegen nicht. Sie fordern weitere Aufklärung – oder werfen Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sogar Trödelei und mangelndes Commitment vor.

Dabei dürfte es an Commitment von oben eigentlich nicht fehlen. Die Kanzlerin persönlich hatte vor vier Jahren ihre Entwicklung in Auftrag gegeben, im Sommer 2018 folgte der Beschluss im Bundeskabinett. Die Vision: ein Anlaufpunkt zu schaffen für Individualisten, Tüftler und Forscher mit der einen großen, womöglich ein bisschen verrückten Idee. Ideen, die grandios scheitern oder aber Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig verändern können – wie Elon Musks Tesla, Apples iPhone oder Ubers Taxiflotte.

Das Problem: Verrückte Ideen gab es in Deutschland immer genug, doch Deutschlands Förderorganisationen, Unternehmen und Investoren trauten sich bislang kaum einmal, den Querköpfen hinter den Ideen das nötige Geld zu geben. Die Expertenkommission Entwicklung und Innovation (EFI) hatte das in ihrem Jahresgutachten 2018 so ausgedrückt: "Die bisherige starke Ausrichtung der Förderungspolitik auf aktuelle Stärken der deutschen Wirtschaft könnte sich als ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Regimekritiker | Mo., 14.09.2020 - 13:22
"Unternehmer sind aber auch sparsam und hauen ihr Geld nicht einfach raus."



So ist es. Nur ...



"Die einzig großen Ausgabenposten für 2020 sind die rund 6,5 Millionen Euro für die laufenden Kosten der Agentur und 5,575 Millionen Euro für drei sogenannte Pilotinnovationswettbewerbe, die allerdings noch gar nicht die Agentur, sondern das BMBF selbst ausgerichtet hat."



Mit anderen Worten, selbst bei allerwohlwollendster Betrachtung liegt die Overheadquote der Agentur bei über 50%. Ein katastrophaler Wert, für den die Agentur bspw. nie ein Spendensiegel bekommen würde.



Auch die absoluten Werte erstaunen: 6,5 Millionen für aktuell 10 Peoples und ein paar Plätze im ...

#3 -

Regimekritiker | Mo., 14.09.2020 - 15:25
@Wiarda: Danke für die Korrektur. Die relevante Info hatten Sie an ganz anderer Stelle in Ihrem Post erwähnt, weshalb ich den Zusammenhang zunächst nicht gesehen hatte.



Das Gesamtbild freilich ändert sich dadurch nicht: Meinetwegen 1,8 Mio. für Validierung und 4.7 Mio. für Verwaltung von den 6.5 Millionen Eigenkosten der Agentur. Noch immer viel zu viel und eine Overheadquote von 72%. Die Pilotwettbewerbe hatte ja das BMBF ausgerichtet, so dass dieser Posten --wenn jetzt auch ich mal kritisch nachhaken darf-- gar nicht in den Saldo hätte einfliessen dürfen.



Auch absolut sind die schlappen 4,7 Mio für aktuell 10 Peoples und eine ...

#4 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 15.09.2020 - 13:18
In eigener Sache



Liebe Leserinnen und Leser,



ich finde es sehr schade, dass es einige wenige unter Ihnen gibt, die immer wieder im Schutze von Alias-Namen sehr persönliche Angriffe auf einzelne Personen unternehmen. Deshalb werde ich von jetzt an Kommentare OHNE nachvollziehbare Klarnamen, die persönliche Wertungen und Tatsachenbehauptungen über Dritte enthalten, nicht mehr mit den Autoren "nachverhandeln", sondern grundsätzlich nicht mehr freischalten.



Es ist schade, dass ich zu diesem Schritt greifen muss, weil bisher der Austausch unter meinen Artikeln immer sehr zivilisiert und wertschätzend verlief. Vor allem ist es schade für die große Mehrheit konstruktiver Leserinnen und Leser.



Beste Grüße

#5 -

Elmar Neitzert | Mi., 16.09.2020 - 10:52
"Merkels Auftrag einer unternehmerisch agierenden Agentur kollidierte – zumindest aus Sicht der Ressorts – offenbar mit der Logik öffentlicher Haushaltstätigkeit."





Das ist des Pudels Kern ... unternehmerisch agieren mit öffentlichen Mitteln ist bei den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen (Haushaltsgrundsätzegesetz, Bundeshaltsordnung, jährliche Haushaltsgesetze, div. Zuwendungsbestimmungen) quasi unmöglich.



Das hier die handelnden Ressorts (BMBF, BMWi) auf Vorbehalte der Haushälter (BMF + BRH) stoßen ergibt sich von selbst. Dieser grundsätzliche Konflikt sollte auch den Abgeordneten bestens bekannt sein.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Einreise erleichtern statt abschotten

Einreise erleichtern statt abschotten

Internationale Wissenschaftler haben erhebliche Schwierigkeiten, nach Deutschland einzureisen. Die Hochschulen sollen den Behörden vorher teilweise absurde Nachweise liefern. Vor allem Doktoranden und Postdocs trifft es hart.


  • Schöne Zahlen

Schöne Zahlen

Weniger registrierte Neuinfektionen, kaum Krankenhauseinweisungen und weniger kranke Kinder: Die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland macht gerade Hoffnung. Doch wie nachhaltig ist sie?


  • Batterie-Forschungsfabrik: Rechnungshof wirft BMBF schwere Verfahrensfehler bei der Standortentscheidung vor

Batterie-Forschungsfabrik: Rechnungshof wirft BMBF schwere Verfahrensfehler bei der Standortentscheidung vor

Prüfer sprechen vom "Anschein" einer Fokussierung auf Münster, die Ministerin sieht sich indes durch den Bericht persönlich entlastet.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Weniger Junge, mehr Alte

Weniger Junge, mehr Alte

In den Sommermonaten berichtete die Corona-Statistik von einem immer weiter steigenden Anteil infizierter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsene. Jetzt scheint sich der Trend zu ändern. Für Kinder und Familien ein Hoffnungszeichen, angesichts zunehmender Gesamtzahlen aber auch ein Grund zur Sorge.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Batteriefabrik: Bundestags-Haushaltsausschuss rügt BMBF

Auch Unionsabgeordnete stimmen für den Beschluss: Ministerium soll Gesetz einhalten und bis November berichten, wie es künftige Verfahren anders gestalten will.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Das Coronavirus wird wieder älter

Aktuelle Zahlen belegen: Jüngere stecken sich vergleichsweise seltener an, bei den Älteren steigen die Neuinfektionen dagegen mit großer Dynamik.