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Sehr gute Idee, let's do this!

Wie aus einem verrückten Einfall am Reformationstag ein Twitter-Sturm gegen das Wissenschaftszeitvertragsgesetz wurde. Ein Interview mit dem Hamburger Wissenschaftler Sebastian Kubon.

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Artikelbild: Sehr gute Idee, let's do this!

Sebastian Kubon ist promovierter Mediävist und beschäftigt sich zurzeit vorwiegend mit Public History. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg und gerade in Elternzeit. Foto: privat.


Herr Kubon, am Samstag haben Sie einen Spontan-Aufruf auf Twitter gestartet: "95 Thesen gegen das Wissenschaftszeitvertrags-gesetz". Innerhalb weniger Stunden kamen tausende von Reaktionen aus der Wissenschaftscommunity zusammen. Hat Sie der Rummel überrascht?

Ja, total! Das kam alles nur daher, dass eine Kollegin von mir, die ich nur unter ihrem Twitternamen "wimipolis" kenne, getwittert hat, sie werde an Halloween als Wissenschaftszeitvertragsgesetz gehen. Woraufhin ich ihr antwortete, ich würde eher den Reformationstag feiern, und da müssten wir eigentlich 95 Thesen gegen das Gesetz



an die Uni-Türen nageln. Was wiederum eine andere Kollegin, Amrei Bahr, zum Anlass nahm, um zu schreiben: "Sehr gute Idee, let's do this! (Also: Ernsthaft!)" Anstatt die Thesen an die Uni-Türen zu nageln, schlug sie allerdings vor, wir sollten sie lieber unter dem Hashtag " #95vsWissZeitVG " sammeln. Und Fahrt nahm das Ganze auf, weil eine dritte Kollegin, Kristin Eichhorn, die eine ...

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Kommentare

#1 -

mk | Fr., 06.11.2020 - 17:29
Nur kurz als provokante Aussagen: Die Wissenschaftler_innen müssen viel mehr mit den Füßen abstimmen. Es ist niemand gezwungen in der Wissenschaft zu arbeiten. Auch ohne Doktortitel kann man

glücklich werden.



Nur der Doktortitel ist leider in einigen Fächern der inoffizielle erste berufsbefähigende Abschluss und hilft halt in einigen Bereichen dann richtig Geld zu verdienen.



Meine These: Der Druck auf Kanzler_innen muss erhöht werden, um längerfristige Perspektiven zu bieten. Keine Hochschule ist gezwungen jemanden nach 6/12 Jahren wegzuschicken. Sie können die Person

entfristen - auch ohne Professur. Das ist möglich! Es wird nur viel zu selten gemacht.



Das Wissenscahftszeitvertragsgesetz ist von ...

#2 -

Klaus Diepold | Fr., 06.11.2020 - 17:32
ich habe heute mal einige Zeit die Twitterbeiträge zu diesem Hashtag gelesen. Dabei bin ich immer mal wieder erschrocken, was offenbar alles so ausserhalb des für mich sichtbaren Bereichs passiert,

was ich nicht nachvollziehen kann.



Ich bin nicht durchweg davon überzeugt, dass alles beschriebenen Effekte aus dem WissZeitVG resultieren. Manche Missstände sind sicher auch anderen Phänomenen in der akademischen Welt zuzuschreiben

und würden durch eine Änderung des WissZeitVG nicht aufgelöst.



Die zeitliche Begrenzung von Qualifikationsphasen (Promotion) geht doch parallel mit der faktischen Begrenzung der Studiendauer (BSc+MSc). Das kann ich eigentlich als Befristungsgrund nachvollziehen.

In anderen Ländern werden Doktorand*Innen gar nicht ...

#3 -

JPT | Fr., 06.11.2020 - 17:34
@#1

Die Aussage ist so provokant nicht, bloß: Das Abstimmen mit den Füßen findet längst statt, und es stärkt eigentlich eher die momentanen Strukturen. Es findet ja durchaus häufig statt, dass Personen

die Wissenschaft verlassen (aus Frustration oder weil außerhalb des Uni-Systems bessere Bedingungen geboten werden). Das Resultat ist, dass die Unis die Stelle nachbesetzen können mit jemandem,

der*die normalerweise neu anfängt und daher eine geringere Erfahrungsstufe hat, also weniger Geld kostet.

Das heißt, für jede Person, die frustriert oder aus Protest aussteigt, spart die Uni Geld.

#4 -

McFischer | Fr., 06.11.2020 - 17:37
@'1/mk: Genau das passiert doch - die Leute verlassen die Unis dann, wenn sie gut und langjährig qualifiziert sind. Das Verrückte: Das passt genau in die Logik des Befristungsgesetzes und der

Uni-Kultur in vielen Fächern (lieber drei günstige DoktorandInnen als einen teure Mitarbeiter/in). Das noch Verrücktere: damit gehen immer genau die Leute, die Forschung und Lehre schon können, die

den - notwendigen - langen Weg von Studium, Qualifikation, Ausland etc. gegangen sind.

Welche Firma, welche Organisation geht so mit den Mitarbeitern/innen um, wirft immer gerade diejenigen raus, die am besten qualifiziert sind?



Zur Sprachwahl: "mit den Füßen abstimmen" bedeutet ja ...

#5 -

René Krempkow | Fr., 06.11.2020 - 17:40
@jpt: Ja, dem kann ich nur zustimmen: Das Abstimmen mit den Füßen findet längst statt (siehe z.B. Blogbeitrag zur PE-Stifterverbandsstudie in

https://scilogs.spektrum.de/wissenschaftssystem/ueber-zitronenfalter-und-nachwuchswissenschaftler/). Demnach sind die Hauptgründe, warum immer mehr Nachwuchswissenschaftler der Wissenschaft den

Rücken kehren, in der Tat unbefristete Verträge, interessante Aufgaben und bessere Bezahlung. Und ja, das spart Geld.

Leider ist mir bislang niemand bekannt die/der erfasst, was dies an anderer Stelle für Kosten verursacht (materiell und qualitativ).



@mk: Ja, sie können Personen entfristen - auch ohne Professur. Dies geschieht in den Bundesländern übrigens z.T. auch, wenngleich in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Zwischen den deutschen

Bundesländern betragen die Differenzen der ...

#6 -

Andreas H. Anders | Fr., 06.11.2020 - 17:42
In der Informatik gibt es deutlich weniger Probleme. Wissenschaftliche Mitarbeiter sind dort zwar auch befristet, aber ein Übergang in den regulären Arbeitsmarkt ist auch mit 40 Jahren problemlos
möglich. Zudem gibt es auch in der Industrie interessante Jobs in der Forschung.
Das gilt auch für andere Disziplinen. Es scheint so, als dass die oben genannten Probleme vor allem Geisteswissenschaftler betreffen, die sich auf dem Arbeitsmarkt eh schwieriger tun als Ingenieure.

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