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Warum Gebühren für internationale Studierende nicht automatisch eine schlechte Idee sein müssen

Der Verfassungsgerichtshof von Baden-Württemberg das Bezahlstudium für Nicht-EU-Bürger als verfassungskonform eingestuft. Das sollten wir als Gelegenheit für eine neue Debatte nutzen.

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Artikelbild: Warum Gebühren für internationale Studierende nicht automatisch eine schlechte Idee sein müssen

Foto: Michal Jarmoluk / pixabay.

SEIT FÜNF JAHREN müssen Studierende aus Nicht-EU-Staaten in Baden-Württemberg Studiengebühren zahlen, 1.500 Euro pro Semester, und ebenso lange tobt der Streit um diese bundesweit einzigartige Bestimmung.

Jetzt hat der Verfassungsgerichtshof des Landes über die Verfassungsbeschwerde eines Studenten aus Vietnam entschieden: Nein, sagten die Richter, die Erhebung der Gebühren verstoße nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz und auch nicht gegen Artikel 11 der baden-württembergischen Verfassung ("Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung"). Das Gebot der Bildungschancengleichheit gelte nicht gegenüber internationalen Studierenden, denn die kämen freiwillig und seien nicht auf ein Studium in Deutschland angewiesen.

An dem Urteil sei "nichts gut", kommentierte das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS), in dem unter anderem ein Großteil der Studierendenvertretungen organisiert ist. "Die sind nicht von hier als Verfassungsprinzip", schrieb ein Rechtsanwalt auf Twitter.

Lässt man einmal die – in der Tat – eigenartig daherkommende Begründung der Verfassungsrichter beiseite, eröffnet sich jetzt, da Rechtssicherheit ...

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Kommentare

#1 -

hahadi | Mi., 23.11.2022 - 16:04
@Landesverfassung BW (Zitat): "Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung". Wenn dieses Recht unterschiedslos allen jungen Menschen dieser Welt zustünde, spräche nichts dagegen, alle jungen Menschen dieser Welt nach BW (und nach ganz Deutschland) zu einem fast oder ganz kostenlosen Studium einzuladen. Allerdings kommt niemand qua eigener Entscheidung, also nur unfreiwillig in seinem Geburtsland zur Welt, das gilt auch für BW (und Deutschland). Die Begründung des Verfassungsgerichtshofes, dass Studierwillige aus Nicht-EU-Ländern, die freiwillig ins Ländle gekommen sind, dort nicht (fast) kostenlos studieren können sollten, ist deshalb ...

#2 -

"Das Studium k… | Do., 24.11.2022 - 13:45
"Das Studium kostet bei uns zwar wenig bis nichts" - natürlich kostet das Studium bei uns auch etwas, nur dass das nicht der/die einzelne Studierende, das Elternhaus oder Vollstipendien finanzieren, sondern die deutschen Steuerzahler*innen. Ich finde, dies sollte im Kontext dieser Debatte immer mal wieder ins Bewusstsein gerückt werden. Das heißt nicht, dass es nicht von Interesse für deutsche Universitäten sein kann/ist, internationale Studierende auch aus sozial schwächeren Ländern/Familien zu attrahieren; im Gegenteil, Diversität ist befruchtend. Aber bei der generellen Debatte, zu welcher hier zurecht aufgerufen wird, sollte allen Beteiligten klar sein, dass Bildung sehr viel Geld kostet.

#4 -

bregalnica | Fr., 25.11.2022 - 09:22
Die Idee ist doch sehr charmant, mit den Studiengebühren Stipendien und bessere Betreuung zu finanzieren. Mit dieser Argumentation kann ich mich sogar überzeugen lassen, Studiengebühren gerechtfertigt zu sehen. Das ist aber bisher nirgends Rechtslage und offenbar nicht gewollt.

Ich sehe immer wieder internationale Studierende die mit sehr wenig Geld klarkommen (müssen) und sich mit Nebenjobs über Wasser halten, stellenweise komplett finanzieren (müssen). Das sind Talente, die wir in Deutschland eher fördern sollten, als sie ihren prekären Bedingungen zu überlassen.

#5 -

LeanderK | Di., 29.11.2022 - 00:56
Ich frage mich schon lange wieso es keine landes-/bundesweite Strategie zu ausländischen, nicht-EU Studenten gibt. Man darf nicht vergessen dass ein Studium der Gesellschaft sehr viel kostet, ein enormer gesellschaftlicher Kraftakt ist und auch schlicht stark begrenzt ist. Gerade in international sehr kompetitiven Bereichen, von jede Uni zumindest einen hat, und mit englisch-sprachigen Master-Programm, sind die Plätze stark begrenzt und haben oft eine hohe bis sehr hohe Quote ausländischer Studenten. Wie binden wir diese top ausgebildeten jungen Leute in Deutschland? Und falls sie doch das Land sofort verlassen, sollten sie nicht etwas zurück geben?





Bei Programmen, welche nach der Ausbildung ...

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