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Debatten-Schieflage

Deutschlands Politik diskutiert über die "Rückführung" der syrischen Flüchtlinge, Medien berichten über die öffentliche "Skepsis" gegenüber der Einwanderungsgesellschaft. Dabei steht die Bevölkerung in Deutschland Einwanderern immer noch positiv gegenüber.

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Artikelbild: Debatten-Schieflage

Foto: un-perfekt / Pixabay.

ES GAB AUGENBLICKE, da war ich stolz auf das Niveau der politischen Debatte in Deutschland. Und manchmal, vor allem in letzter Zeit, schäme ich mich für sie. Eigentlich sollten wir angesichts des Assad-Sturzes gerade darüber diskutieren, wie sich Europa außenpolitisch für die Zivilgesellschaft und den Schutz religiöser und anderer Minderheiten in Syrien einsetzen kann.

Doch fiel manchen in Politik und Medien, ausgehend von rechts außen, aber unterstützt bis hinein in die Mitte, von Tag 1 nichts Besseres ein, als die Frage der "Rückführung" der rund eine Million in Deutschland registrierten syrischen Flüchtlinge zu diskutieren. Und welchen von ihnen man vielleicht dann doch ein dauerhaftes Bleiberecht geben könnte. Darin stecken zwei implizite Botschaften. Erstens: Ihr Flüchtlinge seid eine Last. Und zweitens: Die guten Äpfel trennen wir von den faulen.

In ein paar Monaten werden sich dieselben Leute wieder darüber erregen, warum es in Schule und Beruf nicht besser mit der Integration klappt – als könnte man (nicht zum ersten Mal) öffentlich so über Menschen und ihre ...

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Kommentare

#1 -

Detlef Müller-Böling | Mi., 11.12.2024 - 12:32
Wenn ich diesen Beitrag lese, dann weiß ich, warum der Blog von Jan-Martin Wiarda so wertvoll und jeden Cent finanzieller Unterstützung wert ist. Danke für Ihre wieder einmal so treffenden Worte und Analysen!

#2 -

Franka Listersen | Mi., 11.12.2024 - 13:25
Nun ja, bei grundsätzlicher Offenheit für (den richtigen!) Zuzug besteht in einer alternativen Sichtweise eher - und weiterhin - das Problem, dass "der ständige Missbrauch des Grundrechts auf Asyl" für illegale Migration nicht gestoppt wird. Was die Syrer angeht, bleibt erstens festzuhalten, dass Asyl auf Zeit angelegt ist (genauso wie Schutz vor Krieg und Vertreibung), und dass zweitens der Einzelfall zu betrachten ist. Im Übrigen stimmen die zwei genannten impliziten Botschaften: Die Aufnahme von Migranten der letzten Jahre (beileibe nicht alles Flüchtlinge) ist eine Last. Und die "guten Äpfel" sind von den "faulen" zu trennen - genau dies gelingt ja ...

#3 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 11.12.2024 - 14:17
"In einem weiteren Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera rief er [der neue Regierungschef Baschir] Syrer in aller Welt auf, in ihre Heimat zurückzukehren. "Mein Appell richtet sich an alle Syrer im Ausland: Syrien ist jetzt ein freies Land, das seinen Stolz und seine Würde wiedererlangt hat. Kommen Sie zurück!" Das Land solle wiederaufgebaut werden."
Quelle:
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-baschir-100.html

#4 -

Leif Johannsen | Mi., 11.12.2024 - 14:51
Es ist Wahlkampfzeit und insofern konsequent, dass der Populismus im Vordergrund steht, leider. Anstatt die Buergerkriegsfluechtlinge aus Syrien einfach nur loszuwerden zu wollen, waere es sicherlich auch ratsam, mal ueber die Chancen nachzudenken, die sich nach heutigem Stand ergeben. Ob es gut wird oder nicht in Syrien, wird die Zeit zeigen. Insgesamt habe ich mehr als 10 Jahre in UK gelebt/gearbeitet und trotz Brexit fuehle ich mich mit dem Land weiterhin verbunden und dankbar fuer die schoene Zeit dort. Nehmen wir mal an, 1 Mio+ syrische Fluechtlinge wuerden in ein sicheres Syrien zurueckkehren koennen, dieses auch tun UND wuerden gleichzeitig ...

#5 -

Dominique Bediako | Mi., 11.12.2024 - 17:01
Auch von mir vielen Dank für Ihren Beitrag, Herr Wiarda! Ich schließe mich Leif Johannsen an und möchte ergänzen, dass für eine Rückkehr und sinnvolle Mitarbeit am Wiederaufbau Voraussetzungen gegeben sein müssen: ein Mindestmaß an Sicherheit und eine hinreichende Basisinfrastruktur (Strom, Wasser, Internet, einigermaßen funktionsfähige Schulen und medizinische Versorgung). Zu bedenken ist auch, dass gerade unter den syrischen Geflüchteten viele gut ausgebildete Menschen und insbesondere junge Leute in Schulen, in der Ausbildung und am Universitäten sind, über deren Verbleib wir uns in Deutschland freuen könnten. Aber wenn sie zurückkehren, sollten sie doch wenigstens als willige und gern an Deutschland denkende ...

#6 -

Django | Do., 12.12.2024 - 12:14
ad #2: Das Asylrecht wird ja auch "missbraucht", weil in Deutschland weiterhin nicht gesehen wird, dass Arbeitsmigration legitim und notwendig ist.

Ein prägnantes Beispiel der deutschen Tendenz, Prinzipen vor Pragmatismus zu stellen, ist die Sache mit den kolumbianischen Pflegekräften in Niedersachsen, die zuletzt gestern in den Medien war.

Wir haben eine Reihe von Menschen, die während des laufenden Asyslverfahrens die Erlaubnis zur Arbeitsaufnahme bekommen haben und an ihrem Arbeitsplatz offenbar gebraucht und wertgeschätzt werden. Nun werden die Asylanträge abgelehnt, die Betroffenen sollen abgeschoben werden und dem Pflegeheim droht die Schließung. Offenbar ist es unmöglich, abgelehnten Asylbewerbern eine dauerhafte Arbeits- und ...

#7 -

Wolfgang Kühnel | Fr., 27.12.2024 - 19:36
Eine steigende Arbeitslosigkeit in bestimmten Teilen der Wirtschaft könnte durchaus zu einer Neubewertung führen:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/grimm-arbeitslosigkeit-100.html

Und dann gibt's noch die hohen Energiekosten:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/wirtschaftsverbaende-abwanderung-100.html

Vielleicht werden ja internationale Unternehmen in Syrien investieren, weil sie da bessere Bedingungen für ihre Rendite vorfinden?

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