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"Mehr Vielfalt, mehr Optionen, mehr Innovation"

Warum ein Losverfahren in der Forschungsförderung den Frauenanteil steigen lässt – und was die Daten außerdem noch verraten, das bislang kaum jemand auf dem Schirm hatte: ein Interview mit den Lübecker Forschern Sören Krach und Finn Lübber.
Portraitfoto der beiden Wissenschaftler Finn Luebber und Soeren Krach.

Sören Krach (rechts) leitet das Social Neuroscience Lab an der Universität Lübeck, Finn Lübber (links) ist Mitglied des Teams. Foto: A. Schröder.

Herr Krach, Herr Lübber, Sie haben gerade in "Nature Communications" eine Studie veröffentlicht , die viel Aufmerksamkeit bekommt: Eine vorgeschaltete Lotterie, gefolgt von einem Peer-Review-Verfahren, erhöht bei der Vergabe von Forschungsgeldern die Zahl weiblicher Bewerberinnen signifikant. Zudem steigt der Anteil geförderter Wissenschaftlerinnen, und der Zeitaufwand für Antragsteller, Gutachter und Verwaltung sinkt um zwei Drittel. Wie haben Sie das ermittelt?



Sören Krach:  Der Ausgangspunkt war ein Kommentar in der Zeitschrift "Nature Human Behaviour", in dem wir vor zwei Jahren die These aufgestellt und mit Simulationen überprüft hatten, welchen Effekt eine frühe Lotterie auf Verzerrungen, Qualität und Kosten haben könnte. Nach der Veröffentlichung meldete sich ein Kollege aus Lübeck und sagte: "Ein solches Vergabeverfahren gibt es doch schon – die Stiftung Innovation in der Hochschullehre   macht das praktisch genauso." Er stellte den Kontakt her, wir trafen uns, und aus diesem Zufall entstand die Idee, die ...

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Kommentare

#1 -

Elbe  | Mo., 15.12.2025 - 11:32

führt das Stil-Verfahren mit seinen reinen Interessensbekundungen bei uns auch zu einer Explosion der Anträge. Da jeweils eine Interessensbekundung pro Person möglich ist, werden in den Arbeitsgruppen noch die Hilfskräfte hervorgezerrt, um "eigene" Ideen einzureichen.

Ansonsten entnehme ich dem Interview genau EINEN Befund: am Losverfahren beteiligen sich Personen, die den Aufwand von längeren Anträgen scheuen (was gut verständlich ist). Sonst sehe ich im Interview viel "wir wissen es nicht, stellen es uns aber so und so vor "

#2 -

Michael Liebendörfer | Mo., 15.12.2025 - 13:04

Wenn die Qualität der Gutachten als weitere Schwachstelle ausgemacht wurde, dann könnte der nächste Schritt die Einführung vergleichender Gutachten sein. Sogenanntes "comparative judgement", bei dem Gutachter:innen sich einige Male zwischen je zwei Skizzen entscheiden, funktioniert oft besser als die Vergabe fester Kategorien, die manchmal sehr grob sind und manchmal schwer anwendbar. Das Pech, einen besonders strengen Gutachter erwischt zu haben, wird in diesem Modus ausgeschlossen: er kann nie beide Optionen ablehnen sondern nur gegeneinander bewerten.

#3 -

Dr J | Mo., 15.12.2025 - 20:43

Mir fehlt in dieser Darstellung auch die Analyse der Gutachter und Gutachterinnen: Warum schreiben sie Gutachten? Werden sie dafür bezahlt? Bin von meiner früheren Stipendienorganisation eingeladen worden als Gutachter tätig zu werden. Nachdem ich die unbezahlte Arbeit in meinem sowieso schon prekären 50% Wissenschaftsjob gesehen habe, habe ich dieses Ehrenamt dankend abgelehnt. Welche Wirkung hätte es, wenn man das Fachwissen von Gutachtern auch entsprechend honoriert und ihnen eine Aufwandsentschädigung für ihre Zeit geben wurde?

#4 -

René Krempkow  | Di., 16.12.2025 - 07:58

@#3: Ja, in anderen Ländern ist es auch üblich, dass für Gutachten eine Aufwandsentschädigung gezahlt wird. Dann wäre es auch leichter, qualitativ minderwertige oder gar gegen die wiss. Integrität verstoßende Gutachten zu vermeiden... 

#4.1 -

M. Ebener | Mo., 12.01.2026 - 12:32

Antwort auf von René Krempkow (nicht überprüft)

#4 Würde damit nicht auch im Gegenzug ein Anreiz geschaffen, mehr Gutachten zu übernehmen und - z. B. mit KI - wenig gründlich abzuarbeiten? Und würde das vielleicht auch einen anderen Typ Gutachter ansprechen, also zu einer qualitativen Veränderung des Feldes führen?

Qualitätssicherung sehe ich nur durch gegenseitige Überprüfung als möglich an, nicht durch einen zusätzliche Anreiz.

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