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"Entweder kommen wir durch Einsicht davon weg – oder wir lernen es auf die harte Tour"

Hundert Jahre DAAD, eine Welt im Umbruch: Joybrato Mukherjee über nationalistische Irrwege, "Our country first"-Logiken – und den Mut, Haltung zeigen. 
Joybrato Mukherjee

Joybrato Mukherjee , 52, ist seit 2020 Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). Seit 2023 ist er zudem Rektor der Universität zu Köln, davor war er von 2009 bis 2023 Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen. Foto: DAAD/redphoto.

Herr Mukherjee, der Deutsche Akademische Austauschdienst hat 2025 sein hundertjähriges Bestehen gefeiert. War dieses Jahr zugleich eines der schwierigsten für den internationalen akademischen Austausch seit Bestehen der Bundesrepublik?

Herausfordernd war es ganz sicher. Wir erleben geopolitische Verschiebungen fundamentaler Art, deren Ausgang offen ist. Das erschwert den Austausch mit vielen Weltregionen. Zugleich gilt: Gerade in diesen Zeiten ist die Mission des DAAD wichtiger denn je. Der Bundespräsident brachte es im Mai bei unserer Jubiläumsfeier im Humboldt-Forum auf den Punkt: Wenn es den DAAD heute noch nicht gäbe, man müsste ihn jetzt erfinden.

Was sind die größten Herausforderungen?

Ein zentrales Thema ist der Umgang mit autoritär regierten Staaten wie etwa China, die wissenschaftlich enorm an Gewicht gewonnen haben. In manchen Forschungsfeldern sind wir auf Kooperation angewiesen, obwohl sich unser Verständnis von Freiheit und Rechtsstaat fundamental unterscheidet. Daraus ergibt sich permanent die Frage nach dem bestmöglichen "De-Risking". Neu ist, dass gewichtige Spannungen inzwischen auch die Beziehungen innerhalb des traditionellen Westens prägen, etwa mit den USA. Dort orientieren sich derzeit viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neu, internationale Talente suchen nach Alternativen zu den USA. Europa – und damit auch Deutschland – rückt stärker in den Fokus. Hinzu kommt die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit mit dem globalen Süden. Afrika ist unser Nachbarkontinent, Abschottung ist keine Option, zugleich steht diese Zusammenarbeit politisch und finanziell unter erheblichem Druck.

"Wandel durch Austausch" – passt das alte DAAD-Leitmotiv noch in eine Zeit, in der Politik und Parlamente immer stärker nach Deals und messbarem Impact fragen?

Gerade im Jubiläumsjahr haben wir auf die langen Linien unserer Geschichte geschaut – und die waren erfolgreich. Die Grundmission des DAAD, über individuelle Förderungen persönliche Bindungen zu Deutschland aufzubauen und ein weltweites Netzwerk ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Mo., 22.12.2025 - 21:18

"In nahezu allen Gesprächen wurde mir gespiegelt, wie stark die persönliche Verbundenheit mit dem DAAD und Deutschland ist und wie dankbar Menschen für die Chance sind, die diese Förderung ihnen eröffnet hat."

Das klingt ja fast so, als sei es eine wichtige Aufgabe des DAAD, zur Einwanderung qualifizierter Kandidaten in der Wissenschaft beizutragen. Aber das fördert ja gleichzeitig die Auswanderung in den anderen Ländern. Wenn in irgendeinem fernen Land alle Ärzte und Wissenschaftler und insbesondere die jungen Talente und Kandidaten dafür nach Deutschland (oder Westeuropa) kommen, weil sie hier bessere Chancen für sich sehen, dann fehlen sie halt in diesem ...

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