Wissenschaft als Zukunftsvertrag
Vier mögliche Zukünfte, ein gemeinsames Zielbild: Wie Politik und Wissenschaft im Wissenschaftsrat über Krisen hinweg eine Agenda entwickelt haben, um das Wissenschaftssystem für das Jahr 2040 auf Kurs zu bringen. Ein Interview mit Falko Mohrs und Wolfgang Wick.

Falko Mohrs (SPD) ist Wissenschaftsminister von Niedersachsen und Ko-Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern. Wolfgang Wick (rechts) ist Professor für Neurologie am Heidelberger Universitätsklinikum und seit 2023 Vorsitzender der Wissenschaftsrats. Fotos: MWK–Moritz Küstner/Svea Pietschmann.
Herr Wick, Herr Mohrs, der Wissenschaftsrat hat vergangenen Freitag nach langen Beratungen das Positionspapier " Wissenschaft in Deutschland – Perspektiven bis 2040 " beschlossen. Hatten Sie alle miteinander das Gefühl, dass der Wissenschaft angesichts all der Krisen die Perspektiven auszugehen drohen?
Wolfgang Wick: Eher im Gegenteil. Natürlich erleben wir Krisen – geopolitisch, wirtschaftlich, demografisch. Und während wir anderthalb bis zwei Jahre an diesem Papier gearbeitet haben, haben sich die Problemlagen noch dazu mehrfach verändert. Aber genau darum ging es uns: festzuhalten, dass freie Wissenschaft in einer liberalen Demokratie nicht nur eine Gelingensvoraussetzung ist, sondern ein Ziel an sich. Normalerweise geben wir als Wissenschaftsrat punktuelle Empfehlungen. Diesmal haben wir bewusst langfristig gedacht, entlang einer Entwicklungslinie bis 2040. Und wir haben die Empfehlungen konsequent auf ein explizites Zielbild ausgerichtet. Das ist neu für den Wissenschaftsrat.
Apropos Zielbild: Wie ist denn Wissenschaft im Jahr 2040?
Wick: Wissenschaft soll auch 2040 eine tragende Säule unserer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demokratischen Struktur sein. Das ist kein abstrakter Wunsch, sondern eine realistische Aussicht für dieses Land. Neben unser Zielbild haben wir vier Szenarien gestellt, die zeigen, was passieren könnte, wenn wir nicht aufpassen. Genau deshalb ist unser Papier kein Ausdruck von Perspektivenverlust, sondern von Zukunftszuversicht. Und vom Willen, diese Zukunft politisch und gesellschaftlich abzusichern.
Abzusichern gegen Rechtspopulisten und Wissenschaftsfeinde, Herr Mohrs?
Falko Mohrs: Es ist eine Ansage an alle Zukunftsfeinde. Denn eine Kernkompetenz von Wissenschaft ist es ja gerade, Zukunft zu gestalten. Rechtspopulisten gehören für mich zu denen, die im Gestern ...
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Kommentare
#1 - Parteilichkeit
Dass Mohrs (SPD) dieses Papier als Instrument für den Kampf gegen politische Gegner ("Rechtspopulisten") sieht, ist bezeichnend. Damit ist diese Politik zum Scheitern verurteilt, weil sachlich nicht glaubwürdig.
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