Die blinden Flecken der Ökonomie
Hat die Wirtschaftswissenschaft Angst vor dem Normativen? Unternehmen handeln nie nur ökonomisch – doch die Ökonomie tut so, als könnte sie politisch neutral bleiben. Ein Gastbeitrag von Ute Schmiel, Michaela Haase und Bernhard Neumärker.

Bild: KI-generiert.
DIE ENTLASSUNG von rund einem Drittel der Mitarbeiter der Washington Post Anfang Februar 2026 gilt als Folge eines politischen Kurswechsels. Eigentümer Jeff Bezos leitete ihn mit Blick auf den möglichen Wahlsieg Donald Trumps 2024 ein. Der neue Kurs kostete die Zeitung viele Abonnenten. Damit wurde eine Institution beschädigt, die einst den Watergate-Skandal aufdeckte. Dahinter stecke die "Logik der Macht", schrieb Michael Hanfeld vor einigen Wochen im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Fall zeigt zugleich ein Problem, das über den Einzelfall hinausweist: Entscheidungen von Unternehmen folgen nicht nur ökonomischen Kalkülen, sondern auch Machtinteressen und Wertvorstellungen – doch genau diese Dimension bleibt in der Wirtschaftswissenschaft oft unterbelichtet.
Maßnahmen wie Entlassungen oder das Schließen von Abteilungen gehören zu den Forschungsgegenständen der Wirtschaftswissenschaft. Die Verteidigung demokratischer Werte oder die "Logik der Macht" hingegen meist nicht. In der Wirtschaftswissenschaft geht es darum, das Handeln von Unternehmen und anderen Akteuren, die Funktionsweise von Märkten sowie die Wirkung von Regeln und politischen Maßnahmen zu untersuchen. Dabei ...
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Kommentare
#1 - Metaphysische Fragen?
Es ist richtig, dass Werte jeglicher Art wirtschaftliches Handeln beeinflussen, ja, sogar bestimmen. Dazu muss man nicht auf das Machtspiel der Washington Post verweisen, die aus Gefälligkeit zu Trump eingeknickt ist. Überall, wo wirtschaftliches Handeln erfolgt, sind Werte im Spiel, nicht nur Geldwerte, sondern menschliches Handeln in vielen seiner Facetten. So wird schon seit den 1970er Jahren eine verhaltensorientierte Wirtschaftstheorie betrieben, und Marketing kommt ohne sie nicht aus. Die Theorie des Nudging beruht darauf, ebenso Kahnemans Theorien zum den bias.
Daher greift der Beitrag zu hoch, wenn er sich auf Rawls oder die Fragen der „Gerechtigkeit“ beruft. Gerechtigkeit gehört wie ...
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