Der Preis des Funktionierens
Viele Lehrkräfte und Wissenschaftler:innen gehen über ihre Grenzen. Das hat mit den Strukturen zu tun, aber auch mit dem, was sie sich selbst abverlangen. Ein Gastbeitrag von Dennis Meistereck.

Dennis Meistereck arbeitete viele Jahre als Hotelmanager, bevor er sich entschied, Menschen in Krisen zu begleiten. Er ließ sich zum systematischen Berater fortbilden und arbeitet als Heilpraktiker für Psychotherapie. Foto: privat.
EINE GYMNASIALLEHRERIN Mitte 40 sitzt mir gegenüber. Seit einigen Monaten leidet sie unter anhaltenden Magenschmerzen. Organisch lässt sich keine Ursache finden. Dazu kommen Schlafstörungen, zunehmende Erschöpfung und eine diffuse Angst, im Unterricht plötzlich zu versagen.
Im Gespräch wird deutlich: Über Jahre hinweg hat sie zusätzliche Aufgaben übernommen. Projektkoordination, Mentoring jüngerer Kolleginnen, Organisation schulischer Veranstaltungen. Vieles davon war nicht verpflichtend. Trotzdem fühlte es sich für sie selbstverständlich an. Verantwortung zu übernehmen gehört zu ihrem Selbstbild.
Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter Anfang 30 beschreibt eine andere Situation. Befristete Verträge, hoher Publikationsdruck, die Sorge, Fehler könnten langfristige Konsequenzen haben. Nach außen wirkt er erfolgreich. Innerlich fühlt er sich zunehmend getrieben. Schließlich erlebt er erste Panikattacken – scheinbar aus dem Nichts.
"Wie bin ich eigentlich in diese Situation geraten?"
Zwei fiktive Fälle, und doch begegnen beide, die Gymnasiallehrerin und der wissenschaftliche Mitarbeiter, ...
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