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"Die TU ist jetzt nicht nur pleite, sondern obdachlos"

Nach der Vollsperrung des Hauptgebäudes der Technischen Universität Berlin streiten Senat und Hochschulen über Schuld, Geld und Bauorganisation. Der Fall hat bundesweit Symbolkraft: marode Hochschulbauten, politische Prioritätenprobleme – und eine Wissenschaftspolitik, die Exzellenz feiert, während die Decken tropfen.
Screenshot von der TU-Website

Lieber von hinten: Die TU-Krisenkommunikation zeigt das komplett gesperrte Hauptgebäude von seiner historischen Seite, der Gebäuderiegel an der Straße des 17. Juni bleibt im Hintergrund. Foto: Screenshot der TU-Website.

ES WAR FREITAGNACHMITTAG um kurz nach halb drei, als an der Technischen Universität Berlin eine Mail der Präsidentin versandt wurde. "Liebe Mitarbeitende, liebe Studierende", schrieb Fatma Deniz, "leider müssen wir Sie darüber informieren, dass das Hauptgebäude der TU Berlin vollständig geschlossen werden muss." Schon von Samstag an dürfe das Gebäude nicht mehr betreten werden. "Dies betrifft sämtliche Büros, Lehrveranstaltungen, Veranstaltungen (auch Sport) sowie die im Hauptgebäude ansässigen externen Dienstleister (Mensa) und Firmen." Die Bauaufsicht und Berliner Feuerwehr hätten im Rahmen einer Begehung "erhebliche Baumängel" festgestellt, die Sicherheit aller Hochschulangehörigen mache die sofortige Schließung erforderlich.

Den restlichen Freitag, berichten Beschäftigte, habe man die Leute dabei beobachten können, wie sie mit Ikea-Taschen, Klappboxen und Kartons voller Bücher, technischen Geräten und Zimmerpflanzen das Gebäude verließen. Auch das Präsidium mit der erst vor wenigen Wochen ins Amt gekommenen Deniz musste seine Büros räumen. Einige fühlten sich an den Beginn der Corona-Krise erinnert. "Die TU ist jetzt nicht nur pleite, sondern obdachlos", sagte eine betroffene Mitarbeiterin.

Ein Desaster. Aber eines, das keinen mehr wirklich überraschen konnte. Schon Mitte November 2025 war der aus den 1960er Jahren stammende Abschnitt des Hauptgebäudes, das sogenannte Scheibenhochhaus, von einem Tag auf den anderen dichtgemacht worden, Grund damals: eine defekte Notstromversorgung und, daraus resultierend, ein nicht mehr zu gewährleistender Brandschutz. Zumindest in weite Teile durften Mitarbeiter und Studierende damals nach zwei Wochen zurückkehren.

Doch wer den modernistischen Riegelbau an der Straße des 17. Juni betrat, sah die Spuren der über Jahrzehnte vernachlässigten Sanierung auf Schritt und Tritt, zuletzt in Form ...

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Kommentare

#1 -

#IchBinTina | Mo., 11.05.2026 - 07:06

... doch weiter kommt man ohne ihr. 

"Sie mag Recht haben, dass die Hochschule lieber kleine Reparaturen hätte angehen sollen, als, wie Czyborra sagt, Hunderte Millionen auf die hohe Kante zu legen und entgegen ihrer Anweisung auf die große Gesamtsanierung zu setzen."

Die Senatorin ist die Dienstvorgesetzte der Präsident*innen. Hätte sie halt mal den Rücken gerade machen müssen. Und Frau Czyborra (SPD, just saying) ist ja auch nicht erst seit gestern im Amt. 

"So mutet die Blitzschließung an der TU zugleich an wie die Folgen eines Unfalls in Zeitlupe – die Konsequenz einer Berliner Landespolitik, die erst über viele Jahre ...

#3 -

Tobias Denskus | Mo., 11.05.2026 - 08:09

Vor ein paar Jahren ging es darum, dass das Gesundheitssystem "kurz vor dem Zusammenbruch" stünde und bei allem Stress, bei allen Veränderungen und Problemen es ist nicht zusammen gebrochen. Systeme in denen Menschen für Menschen arbeiten brechen nicht zusammen, es gibt kein Krankenhaus was von innen abschließt oder Ärzte die einfach zu Hause bleiben weil der 36-Stunden-Dienst zu lang ist. Mit diesem Kalkül spielt man natürlich auch an Unis. Am Ende gibt es Zoom für Prüfungen, die Ingenieurs-Fakultät baut ein Bierzelt für den Semesterbeginn auf und irgendeine lehrende Person wird sich medienwirksam in die Stadtteilbibliothek setzen um dort ein Seminar ...

#4 -

Ralf Tegtmeyer | Mo., 11.05.2026 - 13:27

Dies ist tatsächlich nun wirklich keine Überraschung. Das Hauptgebäude wurde in den letzten 15 Jahren mehrfach (teilweise)geschlossen und an der Humboldt-Uni konnten schon vor 10 Jahren 10% der Fläche nicht mehr genutzt werden.

Deutlich zu wenig finanzielle Mittel, eine seit Jahren personell und inhaltlich überforderte Behörde, die zumal entscheidungsschwach und wankelmütig (nicht) agiert, sind die Hauptursache für die Misere. 

Die avisierte Baugesellschaft ist sicher keine verlässliche Lösung. Wie schon beim BLB in NRW und der BIG in Österreich zu Beginn werden "blühende Landschaften" versprochen (dort wurden die Gründungsgeschäftsführer später auch noch verurteilt). Und es gäbe neben der o.g. und mit ...

#4.1 -

#IchBinTina | Di., 12.05.2026 - 07:49

Antwort auf von Ralf Tegtmeyer (nicht überprüft)

Sie haben vollkommen Recht: Dass Berlin im Hochschulbau aufgefallen ist, während andere Bundesländer da noch beide Augen zukneifen können, ist darauf zurückzuführen, dass die politische Schwerpunktsetzung sich in den Bundesländern geringfügig unterscheidet. Die Überbetonung der Drittmitteleinwerbung wirkt sich daher unterschiedlich aus. In Hamburg ist es die Abbrecherquote unter den Studierenden, in Bremen der Missbrauch des Sonderarbeitsrechts für die wissenschaftlichen Mitarbeitenden. In NRW, Ba-Wü und Bayern sind die Probleme wahrscheinlich nicht so stark ausgeprägt, weil die Risiken dort über eine größere Anzahl von Hochschulen gepoolt werden kann (manche habe neuere Bauten, manche eine jüngere Belegschaft und daher geringere Personalkosten). Ich wette, ...

#5 -

Timo | Di., 12.05.2026 - 11:42

Eine Hochschulbaugesellschaft, wie sie für Berlin seit Jahren angedacht ist, wird helfen, den Sanierungsstau abzubauen, wenn sie sich eigenständig am Kapitalmarkt das nötige Held holt und Berlin über höhere Betriebskosten die Refinanzierung langfristig absichert.Dann hätten Ziegler und Steinbach in ihrer negativen Bewertung unrecht.

#5.1 -

Django | Fr., 15.05.2026 - 17:09

Antwort auf von Timo (nicht überprüft)

Nur wenn sich die HBG das Geld am Kapitalmarkt holt, tragen die Hochschulen die Zinsen, denn die müssen ja in die Mieten eingepreist werden. Und wenn dieses "Geld am Kapitalmarkt holen" an der Schuldenbremse vorbei geschehen soll, wird man die HBG mit viiiiel Kapital ausstatten müssen, damit die Zinsen im erträglichen Bereich bleiben.

Und damit die Hochschulen die "höheren Betriebskosten" tragen können, müssen sie entsprechend vom Land finanziert werden. Wieso denke ich hier an "rechte Tasche - linke Tasche", nur leider mit "Reibungsverlusten" dazwischen?

#6 -

Eltern | Di., 12.05.2026 - 12:33

... dann können wir die Studierenden direkt auf Youtube oder Fachbücher verweisen. 

Auf der Webseite der TU Berlin steht "Insbesondere größere Vorlesungen werden daher teilweise online stattfinden müssen. Für Seminare und kleinere Veranstaltungen werden derzeit alternative Lösungen erarbeitet." Die TU Berlin hat es offensichtlich schon aufgegeben, ernsthaft Präsenzangebote für Tausende von Studierenden zu schaffen. 

Gerade in den großen Grundlagenlehrveranstaltungen in den großen Hörsälen im ersten und zweiten Semester entstehen die persönlichen Kontakte zu Kommilitoninnen und Kommilitonen, die helfen, das Studium zu überstehen. Was Prof vorne sagt, ist gar nicht so entscheidend. Wichtig ist, die Gelegenheit die Person neben mir kennenzulernen. 

#8 -

EinKollege | Di., 12.05.2026 - 22:07

Bei allem Respekt, es ist nicht nur die Politik.

Die TU hat in den Jahren 2021-2023 ~655 Mio. Euro Drittmittel eingeworben. 

Bei 20% Gemeinkosten wären das 130 Mio. 

Wenn man davon die Hälfte für den laufenden Betrieb abzieht bleiben immer noch 65 Mio.

Das könnte die TU verwenden. Wenn das nicht durchgesetzt wird, ist es eben auch ein Organisationsversagen. Und Hochschulen legen sehr viel Wert auf Autonomie. 

Von daher wäre jetzt erstmal die TU gefordert, Mittel und Personal zusammenzuziehen und endlich mit der Sanierung zu beginnen.

 

#8.1 -

Kollege#2 | Mi., 13.05.2026 - 16:36

Antwort auf von EinKollege (nicht überprüft)

Aus dem Overhead (sofern er überhaupt fließt; nicht alle Drittmittel kommen von der DFG) müssen auch Bleistifte, Heizung, Strom, Bauunterhaltung und anteilig Personalabteilungen etc.) finanziert werden. Und die 20% reichen definitiv bei weitem nicht aus für die real entstehenden Gemeinkosten.

#8.2 -

#IchBinTina | Do., 14.05.2026 - 05:15

Antwort auf von EinKollege (nicht überprüft)

"Bei allem Respekt, es ist nicht nur die Politik."

Keine Frage. Aber: Wenn die Präsidien untätig bleiben, muss die Exekutive im Rahmen der Fachaufsicht eingreifen - und das Parlament muss das Tätigwerden einforden, denn sonst fällt das auf die Politik zurück und beschädigt das Vertrauen der Allgemeinheit in die parlamentarische Demokratie.

Der Hochschaulbau gehört nicht zur Selbstverwaltung. In allen Bundesländern, in denen die Universitäten Globalhaushalte haben, haben die Ministerien/Behörden die Fachaufsicht schleifen lassen. Die Rektorate/Präsidien hatten so "Spielgeld" für die ExStra, z.B. für neue Stabsstellen in der Verwaltung. Das geht so lange gut, bis es von einem auf den anderen ...

#9 -

Gabriele Hänsel | Mi., 13.05.2026 - 10:51

Das Problem hinter dem Problem: die Finanzierung der Hochschulen. Es werden zu viele Menschen als Studierende aufgenommen, die nicht geeignet sind zu studieren. Dies wird praktiziert, damit die Unis Geld einnehmen. Brauchen wir denn überhaupt diese überdimensionierten Hochschulen, insbesondere Universitäten? An der FU soll eine Schrumpfung um 10 % Punkte eingeleitet werden, 1/3 der Flächen sollen reduziert werden. Das spricht eine deutliche Sprache. Kalkulatorisch muss ein Studienplatz beziffert werden. Es ist nicht vertretbar, dass zwei Vollprofessuren für 5 oder 6 neu hinzugetretene Studenten bereitstehen. (Selbstredend fortgeschrieben auf alle Kohorten sind die Zahlen anders, jedoch auch nicht zu rechtfertigen).

Die Unis ...

#10 -

Josef König | Mi., 13.05.2026 - 11:05

Wenn ich das lese, schmerzt mich das für Berlin, aber da kann ich nur froh sein, dass die Ruhr-Universität Bochum schon Mitte der 2000er Jahre die Zeichen der Zeit erkannt und ein Sanierungskonzept mit dem Land und dem BLB ausgehandelt hat, das damals Ausgaben von mehr als einer Milliarde vorsah. Inzwischen sind drei Gebäude komplett grundsaniert (eines davon abgebaut und neu aufgebaut), zwei ganz neue Gebäude sind entstanden, zwei weitere sind abgebaut und gerade neu im Aufbau … Das ganze ist eine Aufgabe, die seit 20 Jahren läuft und vermutlich weitere 20 Jahre dauern könnte. 

Wenn aber Politik und Hochschulen ...

#11 -

Wolfgang Kühnel | Fr., 15.05.2026 - 11:32

Berlin hat kein Geld mehr für seine vielen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, bei den Schulen ist es auch schwierig, aber man möchte die Prestigeveranstaltung "Olympia" haben:

https://www.berlin.de/aktuelles/10364038-958090-berliner-senat-beschliesst-konzept-fuer-.html

Dabei rechnet man sich jetzt sogar einen Gewinn heraus (der würde für die TU-Sanierung reichen), aber hinterher sieht die Rechnung dann doch meist anders aus, und das Defizit muss der Steuerzahler übernehmen, was wiederum andere Löcher aufreißt.

In Hamburg hatte man für Olympia 2024  deshalb schon vorsichtiger gerechnet und damals 11 Mrd. € Kosten sowie 4 Mrd. € Einnahmen prognostiziert. Die Differenz solle bitte der Bund übernehmen, hieß es:

https://www.leichtathletik.de/aktuelles/news/news-detail/finanzplan-vorgelegt-olympia-2024-in-hamburg-soll-112-milliarden-euro-kosten

Der wichtigste Satz steht ...

#12 -

Django | Fr., 15.05.2026 - 17:15

Am Rande: Sie schreiben, Prof. Steinbach sei "zwischen 2010 und 2014" Präsident der TU gewesen. Nach meinem Sprachverständnis war er aber "von 2010 bis 2014" im Amt. Ich weiß, dass sich die Sprache hier offenbar wandelt, aber es tut mir weh...

#13 -

Student | So., 17.05.2026 - 17:04

Alle haben seit Dekaden die Augen zugemacht, dass u.a. bei der TU Berlin wenig bis nichts saniert oder repariert wurde. Man steht nicht eines Tages auf und plötzlich ist ein Gebäudekomplex unbegehbar und muss geschlossen werden. 

Was also ist davor passiert? Wie ist man mit Hinweisgebern umgegangen? Warum wurde nicht kontinuierlich aus dem Etat der Uni von der Hochschulleitung Geld entnommen, um Sanierung zu finanzieren? Wofür wurde das Geld ausgegeben, das u.a. auch von den Steuerzahlern gekommen ist? Wann hat man aufgehört, gut zu wirtschaften und kontinuierlich ausreichend und vernünftig in die Instandhaltung zu investieren?

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