Hat uns China wirklich überholt?
Zhejiang vor Harvard, TUM abgeschlagen: Chinas Universitäten drängen sich in den internationalen Rankings nach vorn. Doch das sagt mehr über Größe, Publikationskulturen und Datenlogik aus als über wissenschaftliche Qualität. Warum Deutschland trotzdem genau hinschauen sollte. Ein Gastbeitrag von Michael E. Rose.

Michael E. Rose ist wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München und erforscht die Ökonomie der Wissenschaft. Foto: privat.
KÜRZLICH WAR IN DER Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen, dass chinesische Universitäten uns überholt hätten. Anlass war die neueste Version der "Leiden Rankings" mit Daten von 2020 bis 2023. Die chinesische Zhejiang-Universität ist demnach die beste Universität der Welt. Ist das wirklich so – oder lassen wir uns von Größe in die Irre führen?
Was das Leiden Ranking uns rät
Im neuesten Leiden Ranking findet sich die Technische Universität München als beste deutsche Einrichtung erst auf Platz 110. Natürlich wollen wir mehr. Doch wenn man die Logik des Leiden Rankings zu Ende denkt, dann kommt man auf drei schwer verdauliche Reformen – die China allerdings umgesetzt hat.
Erstens, Hochschulen zusammenlegen. Große Einrichtungen werden bevorteilt, weil die Anzahl publizierter Artikel einer Einrichtung nicht mit der Anzahl Wissenschaftler normiert wird. In die Zhejiang-Universität wurden ...
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Kommentare
#1 - Danke für die Einordnung & KIT-Einordnung meinerseits
Herzlichen Dank für diese außerordentlich aufschlussreiche Einordnung. Es hat mich etwas schockiert, dass der Output nicht an der Anzahl der Personen normiert wird. Auch müsste man ja zeitliche Einschränkungen durch die Lehre und administrative Aufgaben berücksichtigen (woher u.a. der große Unterschied zwischen Forschungsinstituten und Universitäten zustande kommt).
Das KIT ist innerhalb Deutschlands als Zusammschluss eines großen Forschungsinstituts und einer Technischen Universität aber auch ein Sonderfall. Wenn man - so vermute ich - z.B. die MPIs mit ihren Universitäten aus derselben Stadt mergen würde, würde man sicherlich auch sehr schnell den durchschnittlichen Publikationsoutput der "Universität" hochdrücken. - Andererseits hätte man einen ...
#1.1 - Re: Danke für die Einordnung & KIT-Einordnung meinerseits
Genau so ist es. Würden alle Institute (Leibniz, Max Planck, Fraunhofer) und auch FHs in die lokalen Universitäten eingegliedert, hätten wir eine ähnliche Struktur wie andernorts - und stünden entsprechend besser in den Ranglisten da.
Aber wollen wir das alles? Die deutschen Forschungsgesellschaften sind, was Deutschland stark gemacht hat und macht.
#2 - Vom falschen Ende her gedacht
Vielen Dank für die gute Einordnung. Sofern Ihre Überlegungen, wie deutsche Universitäten beim Ranking besser dastehen könnten, als tatsächliche Vorschläge zur organisatorischen Umgestaltung des Wissenschaftsbetriebs nach chinesischem Vorbild gedacht sein sollten, scheinen sie mir aber komplett vom falschen Ende her gedacht zu sein. Eine sinnvolle Strukturreform kann wohl kaum darauf ausgerichtet sein, solche Platzierungen zu optimieren, die — wie Sie zu Recht schreiben — völlig beliebige Methoden verwenden. Zudem sehen selbst die Verantwortlichen im chinesischen System inzwischen ein, dass ihr Vorgehen mit enormen Fehlanreizen verbunden ist, und versuchen gegenzusteuern.
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