Die allzu einfache Geschichte vom Versagen der Kultusminister
Die Kitas und Schulen sollten in der zweiten Welle offenbleiben: Im Sommer hatten das fast alle Spitzenpolitiker versprochen. Doch im Gegensatz zu ihren Regierungschefs wollten die Kultusminister nicht wortbrüchig werden – und werden genau dafür jetzt gebasht. Eine Analyse am Tag der KMK-Präsidentschaftsübergabe.

Keiner da: In normalen Jahren hätte die KMK heute ihre neue Präsidentin im Gebäude des Bundesrats eingeführt. Dieses Jahr hat sie stattdessen zum Livestream eingeladen. Foto: pxhere .
ES GEHÖRT in der Coronakrise zum guten Ton bildungspolitischer Debatten, den Kultusministern und ihrem Club, der Kultusministerkonferenz (KMK), Vollversagen vorzuwerfen. Digitalisierung? Verpennt. Lehrermangel? Durch jahrelanges Nichtstun heraufbeschworen. Schutz der Schüler und Lehrkräfte? Unzureichend. Am schlimmsten aber: Dieses ständige Hin und Her, dieser Flickenteppich geschlossener, offener und halboffener Bildungseinrichtungen. Und dann dieses wissenschaftsfremde, ja allgemeingefährliche Pochen auf dem Präsenzunterricht. Dieses scheinheilige Warnen vor einer durch Corona ausgelösten Bildungskrise, um von der durch die KMK ausgelösten Bildungskrise abzulenken. Ignorant das alles.
Viele dieser Argumente werden auch heute wieder ins Feld geführt werden, wenn Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) offiziell das Amt der KMK-Präsidentin übernimmt. Man kann, man sollte die Geschichte aber auch ab und zu ein wenig anders erzählen. Dann werden die Kultusminister zwar immer noch nicht zu Helden, aber sie sind nicht mehr die einzigen Versager. Vor allem aber erkennt man dann besser, was sie eigentlich sind: Getriebene.
Die Geschichte fängt in der jüngsten Vergangenheit an. Bei Kultusministern, die sich bei Corona-Inzidenzen von 100, 150 oder mehr immer noch hingestellt und gesagt haben: Wir wollen keinen Distanzunterricht. Wir wollen, dass möglichst viele Kita- und Schulkinder weiter jeden Tag zur Schule gehen können – auch wenn um sie herum die Pandemie immer heftiger tobt.
Die vergessenen Schwüre vom "Nicht noch einmal"
Unbelehrbar? Scheinheilig? Wirtschaftsgesteuert? Nun, in erster Linie etwas ganz anderes: konsequent. Verlässlich. Nicht wortbrüchig.
Denn nach den schmerzhaften Erfahrungen des ersten Lockdowns, in dem Kinder und Jugendliche zu den größten blinden Flecken zählten, hatte die Politik vom einfachen Abgeordneten bis zu den Regierungschefs hinaus Schwüre abgegeben: Nicht noch einmal. Nicht noch einmal mit Flatterbändern abgesperrte Spielplätze, nicht noch einmal Sozialarbeiter, die ...
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Kommentare
#1 - Die vorhandenen Hygienekonzepte können zumindest in den…
Hierzu kann ich Widerspruch geben: Zumindest in Sachsen lag die Inzidenz kurz vor der Schließung der Schulen unter den Lehrern bei knapp 1000 - während die Bevölkerung nur eine Inzidenz von 300 hatte. Dies ist schon ein recht deutlicher Unterschied.
Es kann gut sein, dass die Kultusminister nicht wortbrüchig werden wollten. Es ist eine ...
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