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Hohe Wellen in Halle

Erst vor einer Woche hat das Rektorat der Martin-Luther-Universität weitreichende Spar- und Umstrukturierungspläne präsentiert – und will sie schon heute durch den Hochschulsenat bringen. Vier Tage vor der Landtagswahl und in öffentlicher Online-Sitzung. Die Aufregung ist groß.

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Artikelbild: Hohe Wellen in Halle

Martin Luther Universität Halle-Wittenberg - MLU Universitätsplatz Innenstadt Halle.

Foto: Paul Muster, CC BY 3.0 , via Wikimedia Commons.

ES DÜRFTE EINE AUSSERORDENTLICHE SITZUNG werden. Nicht nur, weil der Rektor der Martin-Luther-Universität (MLU) den Hochschulsenat außer der Reihe für heute Nachmittag einberufen hat. Sondern auch, weil schon bevor die hochschulöffentliche Videokonferenz startet, die Studierenden zu Protesten auf dem Universitätsplatz in der Innenstadt von Halle aufgerufen haben. Die Demo ist bis 13.30 Uhr angesetzt, um 13.30 Uhr startet die Senatssitzung. Den Rest kann man sich ausmalen.

In vier Tagen wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt, doch die Hochschulleitung um MLU-Rektor Christian Tietje hat sich entschieden, zumindest den hochschulpolitischen Showdown um ein paar Tage vorzuziehen. Vergangenen Mittwoch hat das Rektorat einen "Plan zur Profilschärfung und Haushaltskonsolidierung" der Universität beschlossen und im Anschluss öffentlich gemacht. Und schon heute, nur eine Woche später, will Tietje auch im Senat eine Grundsatzentscheidung darüber herbeiführen, wie die Universitätspressestelle bestätigte. Ob das wie gewünscht gelingt, ist fraglich. Denn der Plan hat es in sich.

Von Einsparungen in der Größenordnung von 100 Vollzeitstellen ist darin die Rede, größtenteils auf Kosten befristeter Beschäftigter. Verschiedene Fakultäten sollen miteinander fusionieren, einige Institute die Fakultät wechseln oder sogar miteinander verschmelzen. Die Lehrstühle für Latinistik, Gräzistik, Mittel- und Neulateinische Philologie und für die Archäologie des Vorderorients sollen voraussichtlich verschwinden, ihre Wiederbesetzung sei nach "gegenwärtigem Erkenntnisstand problematisch" – wegen zu geringer Drittmittel und Studierendenzahlen. Wegfallen sollen, weil "kaum Studierende vorhanden" seien, auch die Professuren für Japanologie sowie für die Sprache und Kultur Südasiens, das Institut für Altertumswissenschaften soll dem Rektoratspapier zufolge komplett aufgelöst werden.

"Ungeheure Machtanmaßung des Rektorats"?

Die Wellen an Sachsen-Anhalts größer Hochschule (gut 20.000 Studierende) schlagen hoch. Von einem "Kahlschlag", den es zu verhindern gelte, spricht der Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I, die zerschlagen werden soll – und hat die Demo auf dem Uniplatz organisiert. Die begleitende Online-Petition hat innerhalb ...

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Kommentare

#1 -

Die üblichen V… | Mi., 02.06.2021 - 16:19
"... oder wie sie darüber an sich selbst scheitert."



Es hat weniger als drei Sekunden gebraucht, um den Übeltäter zu finden: Die Universität liegt nicht in Bayern. Bernd Sibler sollte sich auch aufgrund dieses Beispiels noch mal gut überlegen, ob er die bayerischen Universitäten wirklich in die bundesweit übliche Hochschulautonomie entlassen will, denn die Kombination von Globalhaushalt, Dienstherrenfähigkeit bzw. dienstlicher Unterordnung des Kanzlers unter den Rektor/den Präsidenten und Hochschullehrermehr hat eine problematische expansive Tendenz, wie man hier wieder sehr schön sehen kann.



Wenn die Ausgabensteigerungen nominell ausgeglichen wurden, aber trotzdem ein solches Minus entstanden ist, das jetzt schmerzhaft saniert werden ...

#2 -

HGH | Do., 03.06.2021 - 15:37
Mangelnde Selbststeuerungsfähigkeit ist offenkundig. Ein Blick in das sacgseb-anhaltinische Hochschulgesetz gibt Hinweise: Die Politik will schwache Hochschulleitungen und starke Senate und Fakultäten. Zugleich sollen gemeinsam ausgehandelte finanzielle Rahmenbedingungen

eingehalten werden. Ein Kuratorium, das keine Komtrollmöglichkeiten z. B. über die Wirtschaftsführung hat, vervollkomnet eine Governance, die eine solche Entwicklung begünstigt. Gut funktionierende Hochschulräte hätten frühzeitig entdeckt, dass die Universität über ihre Verhältnisse lebt. Denn Selbstverantwortung und Selbststeuerung bedeuten eben auch, dass eine Hochschule mit dem Geld, das am Ende komplexer Prozesse, an denen die Universität beteiligt war, durch Parlamentsbeschluss vom Staat zur Verfügung gestellt wird, auskommen sollte. Allerdings ist zugleich davon ...

#3 -

Die üblichen V… | Do., 03.06.2021 - 16:19
Sehr geehrte/r HGH,



der Kommentarbereich sieht hier ja kein "Daumen hoch" oder ähnliches vor, aber Ihren Kommentar würde ich gerne mit "This!" kommentieren.



Ich bin ein bisschen skeptischer im Hinblick auf die ausgabenbremsende Wirkung der Hochschulräte: Die expansive Tendenz entsteht ja vor allem durch Prestige-Projekte ("Wir wollen unseren eigenen Teilchenbeschleuniger! Wissenschaftsfreiheit!") und da sind die Ratsmitglieder nicht ganz immun gegen - es ist ja nicht ihr eigenes Geld, das da ausgegeben wird.



Wenn es so kommt, wie von Ihnen prognostiziert, wäre das tragisch, weil es ein so typisches Moral Hazard schafft, ungerecht gegenüber den kleineren, zurückhaltenderen Hochschulen wäre und zudem ...

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