Direkt zum Inhalt

Hört auch auf die Leisen!

War es falsch, das Wintersemester in Präsenz zu starten? Nein – auch wenn viele Studierende jetzt doch in Distanz lernen müssen.

Bild
Artikelbild: Hört auch auf die Leisen!

Foto: jarmoluk/Pixabay.

EINIGE HATTEN von Anfang an gewarnt: Öffnet die Hochschulen nicht in die vierte Welle hinein, sagten sie. Sonst müsst ihr sie mitten im Semester wieder schließen. Und dann auf Online-Lehre umzuschwenken, ist viel komplizierter, als wenn man die Kurse von Semesterbeginn an digital konzipiert hätte. Und warum viele Studierende in die teuren Hochschulstädte zurücklocken, wenn ihre Hoffnungen dann enttäuscht werden?

Die Realität in den Hochschulen Anfang Dezember und bei einer bundesweiten 7-Tages-Inzidenz von über 400 stellt sich so dar: In den vergangenen Wochen hat ein Standort und Bundesland nach dem anderen den Vorlesungsbetrieb auf 2G umgestellt. Nachdem die Universität Erlangen-Nürnberg mit ihrer diesbezüglichen Entscheidung vor vier Wochen noch eine aufgeregte deutschlandweite Debatte ausgelöst hatte.

Doch nicht nur das: Hinter der Fassade offizieller Präsenz-Beschwörungen sieht es noch ganz anders aus. Viele Dozierende treffen sich mit ihren Studierenden, ob geimpft oder nicht, längst nur noch online. Wo sie das offiziell nicht dürfen, hängen sie es nicht an die große Glocke.

Drei Argumente geben für sie den Ausschlag. Erstens: der Infektionsschutz und kaum durchführbare ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

David Bosold | Mo., 06.12.2021 - 10:34
Als ein weiterhin in Präsenz (mit Hybrid-Option für Studis zu Hause) Lehrender freut mich diese Art von Rückenwind. Die Hygienekonzepte inkl. Meldewege sind klar und funktionieren, die Inzidenz (weitgehend) entkoppelt vom Rest des Bundeslandes. Warum sollte man also alles wieder in den virtuellen Raum verfrachten?



Ein weiteres Argument, Herr Wiarda, habe ich jedoch vermisst. Warum in aller Welt sollte man gerade an Unis mit Impfquoten von >90% (bei unseren Stichproben eher 95-100%) die Präsenz runterschrauben, wenn das Risiko dort objektiv geringer ist, als in jeder Schule (die zurecht auch offen bleiben, so lange es möglich ist).



Insofern: ja, immer auch ...

#2 -

Dozent | Mo., 06.12.2021 - 10:50
Sehr geehrter Herr Wiarda,



ich lese Ihre Texte ohnehin immer gerne, da Sie den Dingen mit dem erforderlichen breiten Hintergrundwissen auf den Grund gehen und sich nicht von den schnellen Reflexen der social-media-Kommunikation leiten lassen. Heute haben Sie mir in besonderer Weise aus der Seele gesprochen mit Ihrem Text über die Präsenzlehre, wofür ich Ihnen sehr herzlich danken möchte.



Ich habe zu Beginn des Semesters erschütternde Gespräche mit Studierenden geführt, die völlig aus dem Tritt gekommen sind, weil bei allen Anstrengungen ein reines Online-Studium für ganz viele Studierende nicht das Richtige ist. Unter diesen Studierenden waren motivierte und kluge junge ...

#3 -

Steffen Prowe | Mo., 06.12.2021 - 12:34
Lieber Herr Wiarda und liebe Präsenz-Lehrende,

danke, dass Sie würdigen, was sehr viele der Kolleg:innen hier täglich trotz der pandemischen Großlage leisten. Es sind nicht nur die Lehrkräfte, auch unsere Mitarbeiter:innen in den Laboren die uns sehr aktiv unterstützen, aber auch einige Studierende, die sich aktiv für Präsenz aussprechen. Und auch kommen. Und einfach toll interagiert haben. Dem Gefühl (und einigen Gesprächen) der Dozierenden & Mitarbeiter:innen nach war das bitter nötig, die Präsenz wurde förmlich aufgesaugt, auch dankbar angenommen.

Online kann sehr viele Übungen nicht ersetzen. Wir mussten dort bereits inhaltliche Abstriche machen, da deutlich weniger Personen in die Übungen ...

#4 -

Uni-Prof | Mo., 06.12.2021 - 13:29
Ein sehr guter Beitrag, es war so was vonnöten, wieder in Präsenz zu lehren, für die Studierenden auf jeden Fall. Allerdings ist es auch so, dass Kontrollpflichten und Verantwortungen von den Uni-Leitungen auf das Lehrpersonal delegiert werden und manche Voraussetzungen, die in Dienstanweisungen formuliert werden (z.B. an Raumgrößen und entsprechende Belegungen) gar nicht erfüllbar sind. Ich möchte aber dem Kommentar 2 Recht geben: das größte Problem sind die Dozenten, die sich schön in ihrem Home Office gemütlich gemacht haben und Gefahren sehen , die es nicht gibt. Bei uns wird zum Beispiel völlig offen gesagt, in einer "Pendler-Uni" (was immer ...

#5 -

Sabine B. | Mo., 06.12.2021 - 14:39
Lieber Herr Wiarda,



vielen Dank für Ihren wichtigen Text. Die Debatte um die aus meiner Sicht dringend erforderliche Beibehaltung und Wiederaufnahme von Präsenzveranstaltungen an den Universitäten in Zeiten der Pandemie fehlt aus meiner Sicht fast vollständig. Es ist eine grobe Fehlentscheidung, junge Erwachsene über Monate und Jahre an den Schreibtisch zuhause (in teuren Städten oft noch im Kinderzimmer) zu verbannen. Diese jungen Erwachsenen haben sich früh impfen und jetzt boostern lassen, gehören in der großen Mehrheit keiner Risikogruppe an und sind eine der wichtigsten Grundlagen für die Zukunft unserer Gesellschaft, unseres Landes und darüber hinaus. Die deutschen Universitäten beschränkten sich ...

#6 -

Mahner | Mo., 06.12.2021 - 17:53
Bei aller Freude und Selbstlob meiner Vorredner*innen bitte ich jedoch auch um ein wenig wissenschaftliche Sorgfalt in der Darstellung ihrer deskriptiven Erfahrungswerte.

Es ist kaum verwunderlich, dass in ihren Veranstaltungen vor Ort 90-95% Geimpfte sitzen. Selbstselektion findet sich eben nicht nur in theoretischen statischen Abhandlungen, sondern insbesondere vor Ort. Gerade die, die sich nicht impfen lassen wollen oder können sind doch vermutlich diejenigen, die dann auch nicht zu ihren Veranstaltungen kommen. Rechnen Sie doch einfach mal die ganzen unbeobachteten Ereignisse ("Studierende, die nicht da sind") in Ihre Erfahrungen ein, dann kommen Sie vermutlich zu etwas anderen Ergebnissen.

Ich zumindest habe ...

#7 -

O. Falada | Mo., 06.12.2021 - 23:37
Ich stimme meinem*meiner Vorredner*in "Mahner" zu - meinen Beobachtungen zufolge waren hörbar (ich würde nicht sagen: laut) vor allem diejenigen, die sich nach der Präsenz des Campus zurücksehnten, sowohl unter den Studierenden als auch unter den Lehrenden: da ist die Universität letztlich ein Spiegelbild der Gesellschaft. Die Vorsichtigen, diejenigen, die zu Hause Angehörige in Risikogruppen haben oder selbst einer angehören, diejenigen, die sich nicht rechtzeitig ein Zimmer vor Ort gesichert hatten, weil sie die vierte Welle kommen sahen (und das war ja nicht schwer vorherzusehen), zögerten, sich in öffentliche Verkehrsmittel zu begeben, schraken vor Professor*innen zurück, die Corona für eine ...

#8 -

Mitarbeiter | Di., 07.12.2021 - 02:07
Auch wenn ich die oft zitierte Studierenden-Impfquote aus den von "Mahner" genannten Gründen für zu hoch halte, so sind die Universtäten vermutlich in der Tat nicht die "Pandemietreiber". Allerdings ist das m.E. auch gar nicht der springende Punkt. Wenn ich Studierende zwinge, an die Universität zu fahren, so müssen sie ja irgendwie dorthin gelangen. Zumindest in Großstädten bedeutet das oft lange Fahrzeiten in überfüllten Verkehrsmitteln. Hier in Berlin heißt dies für viele morgens und abends über eine Stunde (wer kann sich schon eine Unterkunft in Uni-Nähe leisten?) in dicht gepackten Bussen und Bahnen mit Kunden, die sich durchaus nicht alle ...

#9 -

Uniprofessorin | Di., 07.12.2021 - 16:37
Danke für diesen Beitrag. Ich bemühe mich seit Oktober, hybride Lehre stattfinden zu lassen, um meinen Drittsemestern Präsenz zu ermöglichen und gleichzeitig denen, die nicht kommen wollen oder dürfen (in Bayern gilt ja seit 24.11. 2G an den Hochschulen) das Semester weiterhin möglich zu machen. Und es läuft, selbst in diesen dunklen Wochen vor Weihnachten, wo schon vor 2020 oft die Hörsäle leerer blieben als sonst, ist der Hörsaal bis zur zulässigen Höchstzahl gefüllt und eine anonyme Umfrage letzte Woche ergabe, dass die Studierenden auch nicht auf komplett online umstellen wollen. Für mich ist es mehr Aufwand, es bedarf eines ...

#10 -

Angehöriger ei… | Di., 07.12.2021 - 22:56
Vielen Dank für den tollen Text! Leider hat sich an meiner Fakultät wieder die Online Lehre vollständig durchgesetzt, obwohl Veranstaltung bis zu 50 Leuten erlaubt sind. Wenn man weiß dass die Professor:innen überwiegend in anderen Städten wohnen, frustriert einen die Situation umso mehr. Ich freue mich schon darauf, wenn der ein oder andere von denen sich in ein paar Jahren über das geringe Bildungsniveau in der FAZ aufregt…

#11 -

Sabine B. | Mi., 08.12.2021 - 15:00
Ich fahre seit zwei Jahren statt mit dem ÖV 10,3 km mit dem Fahrrad zu meinem Arbeitsplatz - es hat mir nicht geschadet. Ärzte und Lehrer, Angestellte des Einzelhandels usw müssen auch an ihren Arbeitsplatz kommen.



Hybrid würde auch denjenigen entgegenkommen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht in Präsenz teilnehmen können.



Man kann Corona auch mit Präsenzveranstaltungen kontrollieren: 2G oder auch 3G. Wir haben mit der Pandemie gelernt und nun stehen die Mittel (Impfen, Testen, FP2 Maske) zur Verfügung, damit umzugehen. Was zu Beginn der Pandemie völlig richtig war (nämlich Vorsicht und daher online Vorlesungen und Schulschließungen) ist jetzt ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Nicht mit Schlamm zurückwerfen, sondern mit Blümchen

Nicht mit Schlamm zurückwerfen, sondern mit Blümchen

Nach dem Streit um eine Kandidatenliste will der Hochschulrat der TU Chemnitz die anstehende Rektorwahl neu ausschreiben. Doch der Ärger scheint damit nicht vorbei zu sein. Mittendrin: Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer.


  • Artikelbild: Was heißt hier 3,5 Prozent?

Was heißt hier 3,5 Prozent?

Die grüne Spitzenkandidatin in Berlin soll Wissenschaftssenatorin werden, der neue Senat will den Hochschulen weiter 3,5 Prozent im Jahr zusätzlich gönnen. Erleichterung für die Hochschulen – die auch im Bund künftig jedes Jahr garantiert mehr bekommen sollen? Leider nur auf den ersten Blick.


  • Wie lange bin ich für euch eigentlich noch Flüchtling?

Wie lange bin ich für euch eigentlich noch Flüchtling?

Wie gut gelingt internationalen Studierenden der Berufseinstieg? Haben es die Geflüchteten besonders schwer? Der Sachverständigenrat für Integration und Migration wollte es anhand von zwei DAAD-Programmen herausfinden. Ein Interview mit Studienautor Simon Morris-Lange.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Ein Absturz sondergleichen! – Aber die Grundidee ist weiter eine großartige!

Ein Absturz sondergleichen! – Aber die Grundidee ist weiter eine großartige!

Einst förderte es über 40 Prozent aller Studierenden, heute noch elf Prozent: Das Bafög ist ein Schatten seiner selbst. Taugen die Ampel-Pläne, um es wieder erstklassig zu machen?


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Nur wenige Prozent betroffen?

Wie viele Berliner Postdocs müssen wegen der Reform des Hochschulgesetzes tatsächlich entfristet werden? Und wie viele haben schon jetzt eine Dauerstelle? Eine Auskunft der Berliner Senatsverwaltung schafft nur teilweise Aufklärung.


  • Exzellente Krise

Exzellente Krise

Die Berlin University Alliance stoppt Dutzende Stellenbesetzungen und macht dafür das umstrittene Hochschulgesetz verantwortlich. Der Konflikt um den Exzellenzverbund trifft die Wissenschaftsszene der Hauptstadt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.