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1,8mal so hohe Chancen auf ein Spitzenabitur

Mädchen sind besser in der Schule als Jungen, sie machen häufiger Abitur, und sie erzielen im Mittel den weitaus besseren Abischnitt. Was das für die Studienfachwahl bedeutet, hat Christoph Müller untersucht. Ein Interview.

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Artikelbild: 1,8mal so hohe Chancen auf ein Spitzenabitur

Foto: Lukas Moos, Moos-Media / Pixabay.

Herr Müller, Sie waren über viele Jahre Studienberater und haben die Abiturnoten des Jahres 2017 aus zehn Bundesländern ausgewertet. Dabei stellten Sie fest, dass Mädchen den besseren Abi-Schnitt erzielen. So richtig überraschend ist das jetzt aber nicht, oder?

Im Grundsatz vielleicht nicht. Man wusste das irgendwie und ungefähr. Aber ich habe mich um die Beschaffung genauer Zahlen bemüht, von denen man annehmen kann, dass sie für ganz Deutschland repräsentativ sind. Nach meiner Recherche gab es diese bisher weder in der Literatur, noch in der amtlichen Statistik. Nur ein einziges Bundesland hat die Verteilung der Abiturnoten der beiden Geschlechter veröffentlicht. Sechs Bundesländer haben angegeben, die Zahlen nicht zu haben – darunter Baden-Württemberg, wo ich lebe, und unsere Bundeshauptstadt. Dieses statistische Defizit erscheint mir an sich schon bemerkenswert.

Und was zeigt nun die Notenverteilung?

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind groß. Wenn Sie nur auf die Abiturienten schauen, die einen Schnitt von 1,8 oder besser erzielen, dann sind darunter 62 Prozent junge Frauen und 38 Prozent junge Männer. Dabei müssen Sie bedenken, dass die 18-jährigen Männer knapp 53 Prozent in der entsprechenden Altersgruppe des Jahres 2017 ausgemacht haben. Die jungen Männer sind also bei der Bevölkerung in der Mehrheit, im Abitur in der Minderheit, und dort haben sie dann auch noch die schlechteren Noten. Wenn Sie zwei Jugendliche nehmen, einen Jungen und ein Mädchen, dann war im Jahr 2017 die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen ein Spitzenabitur ...

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Kommentare

#1 -

Ruth Himmelreich | Mi., 02.03.2022 - 11:07
Die Definition für das "Spitzenabitur" ist aber mit Noten einschließlich 1,8 recht weit gefasst. Da gute Noten mittlerweile deutlich häufiger vergeben werden als früher, ist das (mindestens in meinem Bundesland) nicht mehr die absolute Leistungsspitze, sondern eher "das obere Drittel". Dass hier die tendentiell fleißigeren Mädchen überrepräsentiert sind, wundert daher wenig. Interessant wäre es, wie es im Notenfeld von 1,0 bis 1,2 aussieht - nach meiner Schätzung müsste hier das Geschlechterverhältnis ausgeglichener sein.

#2 -

Christoph Müller | Mo., 07.03.2022 - 12:19
Vielen Dank für Ihren Kommentar, Frau Himmelreich. Zu den von Ihnen angesprochenen Punkten seien die folgenden Informationen nachgereicht.

„Spitzenabitur weit gefasst“:

Diese Ausweitung erfolgte in Hinblick auf die Tatsache, dass die Durchschnittsnote von 1,8 bei stark beschränkten Studiengängen häufig gerade noch eine Zulassung ermöglicht, nämlich in jenen Leistungsquoten, bei denen auch noch andere Zulassungskriterien als die Abiturnote eine Rolle spielen.

„Notenfeld 1,0 bis 1,2“

Auf einen Abiturienten mit einer Note 1,0 kamen 1,424 Abiturientinnen; bei 1,4 oder besser sind es aber schon 1,637 Abiturientinnen pro Abiturient.

„das obere Drittel“

Das ist zu hoch gegriffen. Die Abiturient*innen mit einer Note 1,5 ...

#4 -

Christoph Müller | Mi., 16.03.2022 - 17:41
Bessere Noten für Mädchen bei gleicher Kompetenz:
In dem "Ergänzenden Material" (siehe erste Antwort oben) auf: https://abiturnoten.christoph-mueller-karlsruhe.de/ wird zum Eingang der Erläuterungen zu Kap.5 (S.33) auf die entsprechende Literatur aus den Jahren 2012, 2013 und 2017 verwiesen. Die Untersuchungen weisen das aus der Mittelstufe bekannte Phänomen in der Oberstufe insbesondere für die Fächer Mathemtik und Englisch nach.

#5 -

Rainer | Do., 11.05.2023 - 00:41
Vielleicht von Interesse: stelle auf meiner Seite https://mathegym.de/abinote-statistik-rechner eine kostenlose und einfache Möglichkeit zurVerfügung, den Prozentrang der eigenen Abinote abzufragen, also wie gut man im Vergleich zu den Leuten war, die im selben Jahr und im selben Bundesland Abi gemacht haben. Hoffe, das dient der Transparenz und besseren Vergleichbarkeit.

#6 -

Let kids be kids | Di., 25.07.2023 - 13:54
Beginnt diese Tendenz zu unterschiedlichen Leistungen der Geschlechter schon in der 1.Klasse? Wenn ja, könnte das auf die bereits vorgefärbte Erwartung zurückgehen, dass Mädchen ordentlich und Jungs wild seien. Während Jungen noch ins hohe Alter spielen und rumtoben dürfen, wird ein tobendes Mädchen schnell als wild und unordentlich eingestuft. Damit zwingt man sie doch schon fast in eine frühere Reife. Die Förderung des Jungen wird dann unfairerweise in der Schule vernachlässigt, denn weibliche Altersgenossen bekämen es ja auf die Reihe.

Lasst die Mädchen toben und traut den Jungs Sorgfalt zu - es sind meist alles wissbegierige Kinder, die viel zu ...

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