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Einfach nicht hinzunehmen

Was bedeuten abgesagte Forschungsprojekte für die Antragsteller? Nach der BMBF-Entscheidung vom Dienstag melden sich mehr und mehr Forschende zu Wort, deren Projekte trotz positiver Begutachtung abgelehnt wurden. Sie üben teilweise heftige Kritik am Ministerium.

NACH DER GRUNDSATZENTSCHEIDUNG des Bundesforschungsministeriums zur Finanzierung geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschungsprojekte melden sich nun auch mehr und mehr Forschende zu Wort, deren Anträge trotz positiver Begutachtung abgelehnt wurden. Gleichzeitig wird neue Kritik am Kommunikationsstil des Ministeriums gegenüber Antragstellern laut.

Die Soziologin Julia Gruhlich von der Universität Paderborn erhielt ihre Absage per E-Mail am Dienstagmorgen. Sie hatte zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Mascha Will-Zocholl von der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit einen Antrag in der Förderrichtlinie zu den gesellschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie gestellt. Gemeinsam wollten sie zum "vorzeitigen Berufsausstieg im Gesundheitswesen während der Corona-Pandemie" forschen. Ihrem Projekt sei von Gutachten und BMBF "eine "hohe Förderpriorität" zugesprochen worden, inklusive der Bitte um einen Vollantrag. "Danach ist es eigentlich nur eine Formalität, die Fördergelder auch zu bekommen", sagt Gruhlich. "Zumindest war das in der Vergangenheit so."

Eigentlich hätte das Projekt am 1. Oktober beginnen sollen, jetzt fällt es den Kürzungen im BMBF zum Opfer. "Wir können die Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen", sagt Gruhlich. Mit Blick ...

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Kommentare

#1 -

Karl Heinz | Di., 26.07.2022 - 19:35
Sorry, hier haben sich Leute offenkundig nie damit auseinandergesetzt was sie tun: Wenn man nach positiver Bewertung einer Skizze, eine Aufforderung für einem Antrag erhält, dann ist es NIE ein Automatismus, dass der Antrag positiv beschieden wird. Sonst könnte man sich das Ganze auch sparen. Bis zu einem schriftliche Bescheid (die Aufforderung für einen Antrag ist kein Bescheid) ist alles möglich, auch eine Ablehnung, weil kein Geld da ist, Auflagen nicht umgesetzt wurden oder oder.



Grünes Licht für eine Antragstellung? Voransicht? Wo ist das Problem? Wenn hier bewilligte Projekte eingestellt würden, könnte man die Kritik verstehen, so sind es Projektvorschläge, ...

#2 -

Frederik Elwert | Mi., 27.07.2022 - 01:04
Lieber Karl-Heinz,



ich weiß nicht, ob Sie nähere Erfahrungen mit der Projektförderung des BMBF haben. Was Sie sagen, stimmt zwar juristisch (und genau das ist ja auch die Verteidigungslinie der Ministerin), entspricht aber überhaupt nicht der Praxis des BMBF und des Projektträgers in der Vergangenheit. Das zweistufige Verfahren hieß hier immer: Wissenschaftliche Begutachtung der Skizze in der ersten Runde, nach der die Förderempfehlung steht. Der Hauptantrag ist dann in 99% Formsache gewesen. Den Bruch mit dieser Praxis zu monieren ist eben kein Ausdruck von Naivität seitens der Forschenden, sondern des krassen Vertrauensbruchs seitens des Ministeriums.

#3 -

J. Melanie | Mi., 27.07.2022 - 13:04
Lieber Frederik, die von Ihnen genannten „99 %“ sind vielleicht aus eigener Erfahrung als Antragsteller abgeleitet. Sie entsprechen allerdings nicht den Tatsachen in der Breite. Eine Projektskizze, die typischerweise 12-15 Seiten umfasst, dient der Vorstellung einer Idee zu einem Forschungsprojekt. Zumeist bleiben gerade methodische Fragen in dieser Phase noch sehr vage. Häufig werden von den Gutachtenden dazu Auflagen, zumindest Hinweise erteilt, die für ein konkretes Konzept zunächst noch überzeugend umzusetzen sind. Auf dem Weg zu dem eigentlichen und wesentlich umfangreicheren Projektantrag (der eher 40 Seiten umfasst) kann in unterschiedlichster Hinsicht noch viel passieren. Erst im zweiten Schritt findet für viele ...

#4 -

Frederik Elwert | Mi., 27.07.2022 - 18:43
Liebe Melanie, das von Ihnen geschilderte Vorgehen entspricht tatsächlich überhaupt nicht meiner Erfahrung, zumal beim BMBF die Frist für die Einreichung des Hauptantrags regelmäßig so knapp bemessen ist, dass hier kaum substanzielle Änderungen möglich sind. Mir ist durchaus bewusst, dass zweistufige Verfahren bei anderen Förderern einen ganz anderen Charakter haben und dort tatsächlich eine gestufte Auswahl stattfindet. Das versteht auch jeder und hätte kaum die nun zu beobachtenden Reaktionen hervorgerufen.

#5 -

Raphael Wimmer | Mi., 27.07.2022 - 19:57
Ich muss Herrn Elwert da zustimmen - auch meiner eigenen und sekundären Erfahrung im Bereich Informatik nach konnte man bisher beim BMBF davon ausgehen, dass der Förderantrag nur noch Formsache ist. Falls dies bei einer Ausschreibung nicht der Fall war, wurde explizit darauf hingewiesen.

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