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Gut, dass es die SWK gibt

Die Ständige Wissenschaftlichen Kommission hat mit ihren Vorschlägen zum akuten Lehrkräftemangel viel Aufregung ausgelöst. Wünschenswert wäre allerdings, dass mehr Kritiker ihre Zeit in die inhaltliche Debatte als in die Herabwürdigung des Gremiums stecken.

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Artikelbild: Gut, dass es die SWK gibt

Website der SWK (Screenshot) .

SIE HATTEN JA ERWARTET, dass es ungemütlich werden würde. Einige ihrer Vorschläge, hatte Felicitas Thiel im Podcast " WiardaWundertSich " vorab prophezeit, würden "nicht auf sehr viel Gegenliebe stoßen", und Olaf Köller ergänzte: Die Lehrerverbände müssten sich bei Widerspruch in der jetzigen Mangellage fragen lassen: "Was ist die Alternative?"

Mit so einem Entrüstungssturm werden die beiden Vorsitzenden der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz dann aber doch nicht gerechnet haben, der über sie hereinbrach, nachdem die SWK am Freitagmittag ihre " Empfehlungen zum Umgang mit dem akuten Lehrkräftemangel " präsentiert hatte.

Besonders empört ging es wieder einmal bei Twitter zu. "Beschämend und praxisfremd" sei, was den "Experten" (in Anführungszeichen!) da einfalle, schrieb ein Kommentator, Selbstbeschreibung "Redakteur und Dozent in Leipzig". "Ich habe eine andere Empfehlung: Expertenkommission durch Personen ersetzen, die Schulalltag kennen." Ein Berliner Gewerkschafter verwies darauf, dass die Lehrerverbände seit Jahren vor dem massiven Lehrkräftemangel gewarnt und viele konstruktive Vorschläge gemacht hätten, "die das jetzige ...

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Kommentare

#1 -

Noch 'ne Hanna | Mi., 01.02.2023 - 09:44
"Die berechtigte Wut für schlechte Bedingungen sollte nicht Forschende treffen."



Das käme einer unwissenschaftlichen Form von Immunität gleich, die letztlich schlecht für die Politikberatung als wissenschaftsnaher Dienstleistung ist. Denn wie eine Reihe aktueller Fälle zeigen, ist diese zur Zeit noch stärker eminenz- als evidenzbasiert: Die Berater*innen werden aufgrund ihres beruflichen Status ausgewählt & ihren Empfehlungen wird deswegen besondere Neutralität zugeschrieben. Sie sind in ihrem Gebiet natürlich kenntnisreicher als andere Personen, auch Fachpolitiker*innen, aber trotzdem sind die Empfehlungen regelmäßig weit von evidenzbasierten Aussagen entfernt, da es z.B. kaum Auseinandersetzung mit einem möglichen selection bias gibt. Ein besonders unrühmliches Beispiel war der ...

#2 -

Working Mum | Mi., 01.02.2023 - 17:33
Volle Zustimmung, lieber Herr Wiarda! Mir fehlen bei all der Empörung tatsächlich die alternativen Antworten auf die Frage, was KURZFRISTIG gegen den akuten Lehrkräftemangel getan werden kann. Denn das ist der Fokus des SWK-Gutachtens. Dabei zu dem Ergebnis zu kommen, dass die vorhandenen Ressourcen qualifizierter Lehrkräfte bestmöglich ausgenutzt werden sollten, ist konsequent aus Sicht der Schüler*innen gedacht. Und diese Perspektive fehlt leider allzu oft in unserer Gesellschaft. Dafür ein Dank an die SWK!

#3 -

Auch ne Hanna | Do., 02.02.2023 - 02:10
Ich Hanna, Unterrichtserfahrung, promoviert, in der Lehramtsausbildung auf einer Hochdeputatsstelle befristet an einer deutschen Uni beschäftigt, zwei Jahre vor dem Karriereaus durch das WissZVG, auf einer E13-Stelle schlechter bezahlt als meine Studierenden (die bei Berufseinstieg ins Lehramt unbefristete, verbeamtete A13-Stellen erhalten) frage mich, welche:r Lehramtsstudent:in eigentlich bei den miesen Beschäftigungsbedingungen an die Uni will, um zukünftige Lehrkräfte auszubilden? Auch an dieser Stelle sollten die Bildungsministerien ihren Uni-Präsident:innen endlich Druck machen, damit die Ausbildung an den Unis qualitativ nicht einbricht und wieder attraktiver wird. Statt mit Smartboard und mit Tablets muss ich - im marodesten Bau am Campus untergebracht (die Studienplatzfinanzierung ...

#4 -

Ex-Lehrer | Do., 02.02.2023 - 10:14
Die lautstarke Kritik (in den Kommentaren und vor allem in den sozialen Medien) erstaunt zwar nicht, nachdem die Darstellung der Kommission auch in den Medien sehr zugespitzt war. Die direkte Koppelung von "mehr arbeiten" und ausgleichenden Gesundheitsangeboten (in der Freizeit) ließ das aber auch erwarten.

Inhaltlich weisen die Experten zurecht darauf hin, dass viele Maßnahmen in vielen Ländern schon umgesetzt werden. Die Genehmigung von Teilzeitanträgen könnte von den Ministerien ohne weiteres eingeschränkt werden. Ich vermute allerdings, dass die daraus resultierenden Probleme von der Kommission unterschätzt werden. Lehrkräfte, die zum eigenen Gesundheitsschutz in Teilzeit arbeiten, zum vollen Stundendeputat zu zwingen, könnte ...

#5 -

Django | Do., 02.02.2023 - 10:50
"Und sich als Wissenschaftler nur auf den langfristigen Umbau der Lehrerbildung zu konzentrieren, anstatt kurzfristige Schritte vorzuschlagen, wäre an der berechtigten gesellschaftlichen Erwartung an wissenschaftliche Politikberatung vorbeigegangen. "

D'accord, abgesehen von den zu erwartenden Reaktionen, hätte sich die SWK tatsächlich auf langfristige Maßnahmen beschränkt: "Was nützen uns diese Ratschläge hier und heute! Die Wissenschaft drückt sich vor den aktuen Problemen!" Oder so.



Das Problem mit Klassengrößen und Teilzeitquote ist aber doch, dass in der Außenwirkung damit eine "gefühlte" Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrer:innen transportiert wird. Die Hochschulen haben schon jetzt Probleme, ihre für die Lehrkräftebildung vorgesehenen Studienplätze zu füllen.

#6 -

Karl-Heinz Rei… | Mo., 13.02.2023 - 14:34
Polemische Kritik im Internet richtet sich selbst. Gleichwohl ist aber doch die Frage erlaubt: Was haben die SWK-Wissenschaftler in ihren Empfehlungen denn aufgeschrieben, was angesichts des seit langem bekannten gravierenden Lehrermangels nicht ohnehin schon längst in den Ministerien intern an konkreten Mehrbelastungen erwogen, konkret geplant oder zum Teil schon in Umsetzung ist? So betrachtet kann die KMK die von ihr bestellten SWK-Empfehlungen jetzt zur verbrämten Legitimierung von Mehrarbeit durch die Wissenschaft nutzen. Die Ursachen werden dabei unter den Tepppich gekehrt. Und eine weitere Frage bleibt offen: Was können die Hochschulen tun, um Lehramts-Studienkapazitäten schneller auszuweiten und die Abbruchquoten zu reduzieren? ...

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