Gut, dass es die SWK gibt
Die Ständige Wissenschaftlichen Kommission hat mit ihren Vorschlägen zum akuten Lehrkräftemangel viel Aufregung ausgelöst. Wünschenswert wäre allerdings, dass mehr Kritiker ihre Zeit in die inhaltliche Debatte als in die Herabwürdigung des Gremiums stecken.

SIE HATTEN JA ERWARTET, dass es ungemütlich werden würde. Einige ihrer Vorschläge, hatte Felicitas Thiel im Podcast " WiardaWundertSich " vorab prophezeit, würden "nicht auf sehr viel Gegenliebe stoßen", und Olaf Köller ergänzte: Die Lehrerverbände müssten sich bei Widerspruch in der jetzigen Mangellage fragen lassen: "Was ist die Alternative?"
Mit so einem Entrüstungssturm werden die beiden Vorsitzenden der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz dann aber doch nicht gerechnet haben, der über sie hereinbrach, nachdem die SWK am Freitagmittag ihre " Empfehlungen zum Umgang mit dem akuten Lehrkräftemangel " präsentiert hatte.
Besonders empört ging es wieder einmal bei Twitter zu. "Beschämend und praxisfremd" sei, was den "Experten" (in Anführungszeichen!) da einfalle, schrieb ein Kommentator, Selbstbeschreibung "Redakteur und Dozent in Leipzig". "Ich habe eine andere Empfehlung: Expertenkommission durch Personen ersetzen, die Schulalltag kennen." Ein Berliner Gewerkschafter verwies darauf, dass die Lehrerverbände seit Jahren vor dem massiven Lehrkräftemangel gewarnt und viele konstruktive Vorschläge gemacht hätten, "die das jetzige ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Kommentare
#1 - "Die berechtigte Wut für schlechte Bedingungen sollte…
Das käme einer unwissenschaftlichen Form von Immunität gleich, die letztlich schlecht für die Politikberatung als wissenschaftsnaher Dienstleistung ist. Denn wie eine Reihe aktueller Fälle zeigen, ist diese zur Zeit noch stärker eminenz- als evidenzbasiert: Die Berater*innen werden aufgrund ihres beruflichen Status ausgewählt & ihren Empfehlungen wird deswegen besondere Neutralität zugeschrieben. Sie sind in ihrem Gebiet natürlich kenntnisreicher als andere Personen, auch Fachpolitiker*innen, aber trotzdem sind die Empfehlungen regelmäßig weit von evidenzbasierten Aussagen entfernt, da es z.B. kaum Auseinandersetzung mit einem möglichen selection bias gibt. Ein besonders unrühmliches Beispiel war der ...
#2 - Volle Zustimmung, lieber Herr Wiarda! Mir fehlen bei all…
#3 - Ich Hanna, Unterrichtserfahrung, promoviert, in der…
#4 - Die lautstarke Kritik (in den Kommentaren und vor allem in…
Inhaltlich weisen die Experten zurecht darauf hin, dass viele Maßnahmen in vielen Ländern schon umgesetzt werden. Die Genehmigung von Teilzeitanträgen könnte von den Ministerien ohne weiteres eingeschränkt werden. Ich vermute allerdings, dass die daraus resultierenden Probleme von der Kommission unterschätzt werden. Lehrkräfte, die zum eigenen Gesundheitsschutz in Teilzeit arbeiten, zum vollen Stundendeputat zu zwingen, könnte ...
#5 - "Und sich als Wissenschaftler nur auf den langfristigen…
D'accord, abgesehen von den zu erwartenden Reaktionen, hätte sich die SWK tatsächlich auf langfristige Maßnahmen beschränkt: "Was nützen uns diese Ratschläge hier und heute! Die Wissenschaft drückt sich vor den aktuen Problemen!" Oder so.
Das Problem mit Klassengrößen und Teilzeitquote ist aber doch, dass in der Außenwirkung damit eine "gefühlte" Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrer:innen transportiert wird. Die Hochschulen haben schon jetzt Probleme, ihre für die Lehrkräftebildung vorgesehenen Studienplätze zu füllen.
Neuen Kommentar hinzufügen