Mehr als ein Schaulaufen?
Das BMBF hatte zum öffentlichen Gespräch über die WissZeitVG-Reform eingeladen. Was hat die Runde gebracht? Und wie geht es jetzt weiter? Eine erste Einschätzung.

Screenshot aus dem BMBF-Livestream . In der Mitte: der gastgebende Staatssekretär Jens Brandenburg (FDP).
AM ANFANG hakte der Livestream gewaltig, mit der Zeit wurde es dann besser. Kein Wunder: Der Termin war heiß erwartet worden, seit das BMBF nur zwei Tage nach Veröffentlichung seiner WissZeitVG-Eckpunkte zurückgerudert war. Am vorgegangenen Sonntagabend war das, der parlamentarische Staatssekretär Jens Brandenburg (FDP) verkündete per Twitter: "Schon die Stakeholder-Beteiligung hat uns gezeigt, dass die Erwartungen hier weit auseinandergehen. Umso wichtiger ist es, diese Frage vor Fertigstellung des Referentenentwurfs noch einmal zu debattieren. Wir werden kurzfristig dazu einladen."
Auf Twitter war auch ein Großteil der öffentlichen Debatte zu WissZeitVG und "#IchbinHanna" gelaufen, hier hatte sich der Shitstorm gegen die Ampel-Pläne ereignet, der für die Koalition offenbar dadurch besonders bedrohlich wurde, dass sich auch hunderte und am Ende tausende Professoren unter dem Hashtag "#ProfsfuerHanna" daran beteiligten.
Am Donnerstagmorgen nun saßen sich viele, die sich zuletzt hauptsächlich in den sozialen Medien ausgetauscht (und teilweise heftig gestritten) hatten über die Zukunft des Sonderbefristungsrechts in der Wissenschaft, an einem langen Tisch im Berliner Dienstsitz des Ministeriums gegenüber, weitere waren zugeschaltet. Ausgerechnet Postdoc-Netzwerke waren dabei nicht eingeladen, was diese schon im Vorfeld erboste (die Frage nach den Gründen wurde dann auch prompt die auf "Slido" am meisten gelikte Publikumsfrage). Jede/r eingeladene Initiative, Organisation oder Verband durfte genau eine/n Vertreterin schicken. Statt 168 Zeichen für einen Tweet standen ihnen jeweils 120 Sekunden für ein Eingangsstatement zur Verfügung.
Brandenburg selbst nahm sich als Gastgeber zur Einführung deutlich mehr Zeit als die zwei Minuten, betonte, wie weit die Positionen der Szene vor allem in Sachen Postdoc-Höchstbefristung auseinanderlägen, und verwies unter anderem auf die Milliarden, die der Bund über den "Zukunftsvertrag"Studium und Lehre stärken" zur Verfügung stelle – auch damit die Länder deutlich mehr Dauerstellen schaffen könnten. Tenor: Der Bund tue längst viel mehr, als nur eine Gesetzesnovelle vorzubereiten, aber die Länder stünden eben auch in ...
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Kommentare
#1 - Generell muß man leider sagen:Für viele Kommt diese…
Für viele Kommt diese Debatte schlicht Jahre zu spät.
#2 - Leider verbohrte sich die Diskussion in eine sehr enge…
1) Doktoranden, die gerne noch aus Interesse an Wissenschaft und Passion für ihre Arbeit nach der Promotion ein paar Jahre in der Wissenschaft tätig sein möchten, um Projekte abzuschließen oder noch ein anderes Fachgebiet kennen zu lernen bevor sie sich entscheiden in welche Richtung die eigene Karriere laufen soll.
2) Als Qualifikation für nicht-akademische Karrieren in der Industrie ist besonders bei ...
#3 - Der Vorschlag von GEW und #IchbinHanna, möglichst schnell…
#4 - Die Argumente z.B. von Prof. Stratmann, dass Deutschland…
#5 - "Anschlusszusagen" klingt erst einmal gut - faktisch…
#6 - Hier wird es nie eine Lösung geben, die alle befriedigt -…
#7 - Das deutsche Wissenschaftssystem ist international…
1) Es ist quasi-feudalistisch nach dem Lehrstuhlprinzip aufgebaut. Es gibt meist nur Professuren und prekär beschäftigte Prä- und Postdocs, die je 6 Jahre ausgebeutet und dann ausgetauscht werden, aber kaum noch unbefristeten Mittelbau. 92% der unter 45-Jährigen der Wiss. Mitarbeitenden an deutschen Universitäten werden befristet beschäftigt. Das ist in keinem anderen Land der Welt so. Der unbefristete Mittelbau wurde quasi abgeschafft. Der befristete Mittelbau ist stark vom Gutdünken der vorgesetzten Professor:innen abhängig, leistet Überstunden ohne Ende mit der Hoffnung auf eine der sehr raren Professuren. - Lehre und Forschung würden aber enorm davon profitieren, ...
#8 - Danke, Hanna!Dem ist nur noch eins hinzuzufügen:Außerhalb…
Dem ist nur noch eins hinzuzufügen:
Außerhalb der Unis ist schon die PreDoc-Befristung falsch und einer PostDoc-Befristung bedarf es gar nicht.
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