Direkt zum Inhalt

Kein Befreiungsschlag

Endlich äußerte sich BMBF-Chefin Stark-Watzinger zur Fördermittel-Affäre. Sie entlässt ihre Staatssekretärin Döring – doch die offenen Fragen sind so zahlreich, dass der Druck auf die Ministerin bleiben wird.

IAM SONNTAGABEND um 22.50 Uhr äußerte sich Bettina Stark-Watzinger endlich selbst, obgleich nur schriftlich. Sie habe den Bundeskanzler darum gebeten, Staatssekretärin Sabine Döring in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen, teilte die BMBF-Chefin per Pressemitteilung mit.

Wenige Stunden zuvor hatte Döring auf "X" zwei zunächst kryptische Posts abgesetzt. "So wird nun dieser Abschnitt meiner beruflichen Laufbahn ein jähes Ende finden", lautete der erste. Und der zweite, nur zwölf Minuten später: "Habe gerade Anruf bekommen, muss den Tweet löschen." Was sie kurz darauf tat, doch die Botschaft war gesetzt, Stark-Watzinger unter Druck – so dass diese mit ihrem hinterhergeschossenen Statement einmal mehr wie getrieben wirkte.

Die Geschichte, warum es zur Entlassung kam, erzählte die Ministerin in ihrer Pressemitteilung so: Eine Gruppe von Hochschullehrern habe sich im Mai mit einem offenen Brief zu den Protestcamps an Hochschulen positioniert. Ein, so Stark-Watzinger "legitimer Teil von Debatte und Meinungsfreiheit". Doch genauso selbstverständlich sei es, dem eine andere Meinung gegenüberzustellen. "Denn Meinungsfreiheit ist kein Recht auf Zustimmung."

Stark-Watzingers Zitat in der BILD – und was es auslöste

Das mit dem Dagegenstellen einer anderen Meinung hatte die Ministerin damals selbst sehr schnell und sehr ausgiebig getan. "Dieses Statement von Lehrenden an ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#2 -

Forschungsreferent | Mi., 19.06.2024 - 14:34
Ein gruseliger Vorgang im BMBF – dessen Tragweite außerhalb von Forschung und Wissenschaft gar nicht richtig verstanden wird. Er bedeutet einen massiven Vertrauensverlust in das Förderhandeln des BMBF. Einem System, das ohnehin von Misstrauen geprägt ist.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Neuanfang mit Fragezeichen

Neuanfang mit Fragezeichen

Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka hat seine Governance-Reform erfolgreich durchgebracht. Ein guter erster Schritt. Doch bis die von ihm beschworene Aufbruchstimmung die Forschungsgesellschaft wirklich erfasst, bleibt für ihn noch viel zu tun.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Schweigen ist jetzt keine Option

Dass die BMBF-Hausleitung laut NDR die Streichung von Fördermitteln für kritische Hochschullehrer prüfen ließ, hinterlässt einen fatalen Eindruck. Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger muss sich den Vorwürfen umgehend öffentlich stellen.


  • Artikelbild: Nur so viele Studierende auf den Campus, wie Platz im Bunker ist

Nur so viele Studierende auf den Campus, wie Platz im Bunker ist

Ursula Paintner leitet die "Nationale Akademische Kontaktstelle Ukraine" im DAAD. Vor der Ukraine Recovery Conference spricht sie über das Uninleben im Kriegszustand, das nachlassende öffentliche Interesse in Deutschland und sagt, was jetzt nötig ist.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

BMBF: Wollen IFG-Antwort schicken, aber Datei ist zu groß

Die Frist war verstrichen, das Ministerium verwies auf die "Komplexität" des "Antragsgegenstandes", nun aber handelt das BMBF: Werden die Unterlagen zur Fördermittel-Affäre am Montag veröffentlicht?


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Es geht weiter

Schon vor Veröffentlichung der IFG-Unterlagen durch das BMBF nahm der Druck auf Ministerin Stark-Watzinger in der Fördermittel-Affäre erneut zu. Im Mittelpunkt: eine am 10. Mai in Auftrag gegebene Liste – drei Tage vor dem Vorgang, der zur Entlassung von Staatssekretärin Döring führte.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Der Wert der Distanz

Strategieberatung für eine Ministerin unter Druck? Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen und die Frage nach dem Selbstverständnis ihrer Chefs.