Aufgepasst!
Der Bundesrechnungshof kritisiert die Governance der Max-Planck-Gesellschaft. Schwerer wiegt allerdings die Einschätzung, das BMBF habe seine Kontrollaufgabe in der Vergangenheit nicht ernst genug genommen. Ein Vorwurf, der bekannt vorkommt. Folgt jetzt die große Reform?

Organisationsstruktur der Max-Planck-Gesellschaft. Screenshot der Max-Planck Website.
EIN-, ZWEIMAL IM JAHR unterrichte ich an der Universität und versuche Doktoranden und Postdocs im Schnelldurchlauf das deutsche Wissenschaftssystem zu erklären. Einen besonderen Aha-Effekt gibt es meist, wenn ich das Schaubild zeige, mit dem die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ihre Organisationsstruktur veranschaulicht. Ganz oben: nicht die Institute, nicht die wissenschaftlichen Mitglieder, nicht der Senat und auch nicht der Verwaltungsrat. Sondern der Präsident. Auf ihn scheint alles zuzulaufen.
Positiv kann man sagen: Der Präsident verkörpert die MPG, ihr Autonomieverständnis und ihren Anspruch auf wissenschaftliche Freiheit und Unabhängigkeit.
Man könnte aber auch sagen: Ein funktionierendes System von Checks und Balances sieht anders aus.
"Faktisch beaufsichtigt der Präsident sein eigenes Handeln"
Der Bundesrechnungshof (BRH) hat sich in seinem Anfang September veröffentlichten Prüfbericht für letztere Sichtweise entschieden. Die MPG, schreiben die Prüfer, verfüge über kein klassisches Aufsichtsgremium. Eine klare Aufgabentrennung zwischen beschlussfassenden und aufsichtsführenden Organen und Gremien fehle. "Der Präsident ist omnipräsent in allen Organen, kann allein sogenannte Eilentscheidungen treffen und hat bei Stimmenparität das letzte Votum." Und weiter: "Faktisch beaufsichtigt der Präsident sein eigenes Handeln."
Eine harsche Kritik, auf die Max Planck auf Anfrage entschieden gegenhält: "Ein eigenständiges Aufsichtsgremium nach dem Muster eines aktienrechtlichen Aufsichtsrats oder eines Hochschulrats ist keine zwingende Voraussetzung für ein funktionsfähiges Governance- oder Compliance-Konzept". International seien sogenannte "One-Tier-Boards", die innerhalb eines Gremiums sowohl "Insider" als auch "Outsider" zusammenführten, durchaus üblich.
Ein Gremium eben wie der MPG-Senat, laut Max-Planck-Pressestelle "ein wesentliches Entscheidungsgremium" der Forschungsgesellschaft, das unter anderem den Präsidenten wähle, über Gründungen, Schließungen und Satzungen von Instituten entscheide, über die Berufung der Direktoren, den Gesamthaushaltsplan feststelle und vieles mehr.
Die Botschaft: Ja, der Präsident hat eine besondere Rolle. Und nein, er kann nicht machen, was er will.
Der Rechnungshof fordert klare Trennung von Geschäftsführung und Aufsicht
Trotzdem fordert der Rechnungshof, und das, wie er betont, nicht zum ersten Mal, eine grundlegende Governance-Änderung. Eine "klare Trennung" von ...
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Kommentare
#1 - Tjaja, die fetten Katzen. Es ist schon bemerkenswert, dass…
#2 - Wer prüft eigentlich die Wirtschaftlichkeit der…
Ich wünsche mir einen BRH, der seinen Durchblick und seine Kompetenz erweist, indem er Bürokratie abbauen hilft, statt über eine „Reine Lehre“ immer mehr davon einzufordern.
#3 - Ich hoffe der BRH guckt sich alsbald die Strukturen in der…
#4 - Wo steht doch gleich die MPG im internationalen…
#5 - Jetzt auch noch Max-Plank. Wir müssen aufpassen, dass…
#6 - @ #6: "Es gibt bestimmt Defizite, aber nicht ewig mit immer…
Doch, genau das muss sein, wenn die Defizite nicht adäquat adressiert werden!
#7 - Das Beispiel Fraunhofer hinkt arg. Was ist denn wirklich…
Und der aufgeblähte riesige Verwaltungsapparat in München / Berlin und an den Instituten? Der wächst u.a. Dank SAP eher weiter.
Sorry, aber genau das sind der Belegschaft gegenüber die falschen Signale. Der Aufsichtsrat und BMBF schaut einfach weiter zu. Frau Müller hat derzeit natürlich ganz andere Sorgen mit der deutschen Automobilbranche - Fraunhofer ist für sie sicherlich ...
#8 - Echt jetzt? Die Aufgabe des BRH ist die Kontrolle der…
TLDR: Der BRH fordert mehr Bürokratie aus Gründen.
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