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Sind wir als Gesellschaft reif genug?

In den USA gerät die Affirmative Action unter Druck. Das sollte uns zu denken geben.

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Artikelbild: Sind wir als Gesellschaft reif genug?

Wer darf hier durch? Eingangspforte der Harvard University in Boston. Wally Gobetz: " Cambridge - Harvard Square: Harvard University - Johnston Gate ", CC BY-NC-ND 2.0 .

NEULICH TRAF ICH in München eine aufgebrachte Studentin. Knapp 20, 3. Jurasemester. Dieses ständige Gerede von der Bildungsbenachteiligung gehe ihr gehörig auf die Nerven, schimpfte sie. Keine Schule, keine Universität habe ein Wärterhäuschen vor der Tür, kein Lehrer, kein Professor frage zu Beginn der Stunde nach, wessen Eltern studiert haben und wessen nicht. "In Deutschland kann jeder alles schaffen, wenn er nur will." Dazu gehöre aber auch, sich nicht ständig zu beklagen, sondern sich einfach mal auf den Hosenboden zu setzen.

Ich glaube, dass viele Leute so denken. Für sie bedeutet Bildungsgerechtigkeit: Der Staat behandelt alle gleich, und für den Rest ist jeder selbst verantwortlich. Es ist ja auch eine Logik, die nicht ohne Weiteres eingängig ist: dass manchmal gleiche Chancen erst dadurch entstehen, dass man Menschen ungleich behandelt. Indem man manchen mehr Unterstützung gewährt als anderen.

In den USA gerät gerade mal wieder die Jahrzehnte alte Tradition der Affirmative Action

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Kommentare

#1 -

Christian | Di., 06.11.2018 - 15:52
Meine Erfahrung: gutsituierte und Normalos können sich die Fremdheit der anderen schlichtweg nicht vorstellen. Die Gestresstheit mit der man dann bestenfalls an der Uni aufschlägt, nach bereits in jungen Jahren langwierigen Erfahrungen, alles irgendwie "trotzdem" zu machen und nicht "wegen". Der Bildungskanon selbstverständlicher Akademiker ist eine nicht nur formale Reihung von charakterbildenden Massnahmen, zu denen auch bestimmte Freizeitinteressen, Austauschjahre, aufwändige Gap Years usw. gehören. Der Unterschied zwischen einem solchen bestärkten jungen Geist und einem, der weiss wie Alkoholismus und verdreckte Wohnblocks aussehen, und der statt einer Backpacking-Sause für die Miete (nicht das MacBook) arbeiten war, den sieht man schon im ...

#2 -

Jana | Mi., 07.11.2018 - 17:10
Die Bildungsgerechtigkeit gäbe es tatsächlich nur, wenn alle Kinder mit normaler Begabung (also mdst. 95% aller Kinder) am Ende ihrer Grundschulzeit des Lesens, Schreibens und Rechnens (zumindest bei den Grundrechenarten) mächtig wären. Dem ist nachweislich nicht so. Erhebliche Defizite tauchen auch bei Kindern nach dem Übergang auf die Gymnasien auf, die von ca. 40 bis 50% der Kinder besucht werden. Die Defizite liegen demzufolge erst recht bei fast allen Kindern (den anderen 50 bis 60%) der anderen Schulzweige vor. Und immer wieder gibt es auch Berichte über klagende Hochschullehrer angesichts der fehlenden Grundfertigkeiten ihrer Studenten. Ich gehe davon aus, dass ...

#3 -

Christian | So., 11.11.2018 - 22:26
@Jana

Dieser Aspekt der Bildungsgerechtigkeit ist sehr relevant. Es wird zwar thematisiert, dass zu viele Jugendliche mit mangelhaften Fertigkeiten aus der Schule (egal welche) entlassen werden. Dabei wird aber kaum einmal klipp und klar ausgesprochen dass dies einen Vorlauf hat, nämlich ein kontinuierliches Knapp- oder Nichterreichen des Klassenziels über Jahre. Und hier sind wir bei der von Ihnen angesprochenen Bräsigkeit des Systems. Es gibt deratig viele Möglichkeiten, den Kindern und deren Umfeld oder institutionellen Dritten die Verantwortung zu übergeben - die frühe Trennung in Schulzweige, Auslagern in verschiedene Sonderförderungen, Sonderschulen...und alles wird gern genutzt. Nun sind solche angepassten Angebote an ...

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