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Beredtes Schweigen im BMBF

Die mit Getöse angekündigte Agentur für Sprunginnovationen sollte schon im Dezember gegründet werden, dann hieß es, sie kommt im Januar. Passiert ist bis heute nichts. Was läuft da schief?

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Artikelbild: Beredtes Schweigen im BMBF

Foto: Pxhere - cco 1.0

ES GIBT DA DIESEN berühmten Satz des Philosophen Paul Watzlawick: "Man kann nicht nicht kommunzieren." Was er praktisch bedeutet, kann man derzeit an der Pressearbeit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) beobachten. Man muss nur nach dem Thema Agentur für Sprunginnovationen fragen.

Es war an einem Spätsommertag Ende August, als BMBF-Chefin Anja Karliczek (CDU) zusammen mit ihrem Kollegen Peter Altmaier (ebenfalls CDU) aus dem Bundeswirtschaftsministerium vor dem Kanzleramt stand und verkündete: "Es ist ein guter Tag für Deutschland." Das Kabinett habe soeben beschlossen, "eine Agentur der Denker und Macher" zu gründen. "Wir wollen neue Produkte, neue Geschäftsmodelle und vor allem neue hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Wir wollen der Welt zeigen: Zukunft wird in Deutschland gemacht." Die Agentur werde "mit einem kräftigen Rückenwind auf Mission geschickt." Sie solle, so teilten BMBF und Wirtschaftsministerium mit, noch 2018 gegründet werden, um dann Anfang 2019 starten zu können.

Ein halbes Jahr später bekommt man kein Statement der Ministerin, wenn man sich offiziell nach ...

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Kommentare

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Do., 14.02.2019 - 13:40
Nicht der Beirat ist das Problem und auch nicht, falls es aus guten Gründen länger dauern sollte. Das Problem ist, wenn man sich erst selbst einen offiziellen Zeitplan setzt und Erwartungen weckt, um dann nicht von selbst transparent zu machen, dass und weswegen der Zeitplan nicht hält.

#3 -

Zukunftsmusiker | Do., 14.02.2019 - 14:19
Dieses Thema ist für das BMBF völlig neu. Und darüber hinaus für ganz Deutschland neu (mit Ausnahme von vielleicht einer Handvoll von Leuten, die sich damit wirklich auskennen). Deshalb ist verständlich, dass man im BMBF die Vorbereitungszeit anfangs unterschätzt hat. Es lauern viele Sprengfallen: Rechnungshof, Begehrlichkeiten von etablierten Spielern (die diese Art von Innovation aber nicht beherrschen; ich denke da an Fraunhofer, Helmholtz, usf.), falsche Auswahl der Geschäftsführer (mit dann absehbaren Folgeschäden bei weiteren Personalentscheidungen), etc. Lieber in Ruhe entschärfen.



Ich stimme Ihnen aber zu, dass das BMBF besser daran getan hätte, die Verschiebung von sich aus transparent zu machen. ...

#4 -

Manfred Ronzheimer | Do., 14.02.2019 - 19:51
In den Feldern Technologietransfer und Wissenschaftskommunikation wollte Frau Karliczek neue Akzente setzen. Was der Verschiebebahnhof Sprungagentur für den Transfer, ist das Futurium neben dem BMBF für die Kommunikation. Die schon auf Fj 2019 verlegte Eröffnung ist nun auf den September verschoben worden.

#6 -

Klaus Diepold | Fr., 15.02.2019 - 10:29
Wenn ich mir ansehe, wie stark das Konzept der Agentur für Sprunginnovation auf den überrangenden Kompetenzen von Individuen aufgebaut ist, dann kann ich mir gut vorstellen, dass alleine die Suche nach derartig qualifizierten Personen schwierig ist. Noch dazu, wenn diese Supermänner und Superfrauen dann eine Anstellung in einem staatlich geordneten und regulierten Unternehmen erhalten sollen. Da tut sich der Staat schon schwer konkurrenzfähig zu sein. Die Besoldung von Überflieger-Profs ist bereits heute ein Problem, wegen gesetzlich garantierter Obergrenzen für deren Bezahlung.



Wenn ich mich in die Lage versetze von Sprunginnovations-Superman oder -Superfrau, dann stelle ich mir die Frage, warum ich ...

#7 -

Zukunftsmusiker | Fr., 15.02.2019 - 11:37
@ Klaus Diepold



Grundsätzlich unmöglich ist so eine Einrichtung nicht, siehe DARPA oder auch private Pendants wie PARC/ Apple. Alle haben Sprunginnovationen hervorgebracht. Die privaten mit einer starken Designkomponente, was auch richtig ist weil dort nicht Vater Staat als einziger Kunde auftrat.



Allerdings ist sehr die Frage, ob so etwas in Deutschland geht. So weit gebe ich Ihnen Recht. Die deutsche Kultur ist viel rigider, und die deutsche Wirtschaft beherrscht diese Art von Innovation eben nicht. Die Erfolgsaussichten liegen bei unter 50%. Aber nicht bei 0% … Die Agentur ist eben, für deutsche Verhältnisse, selbst eine Sprunginnovation.

#8 -

Klaus Diepold | Fr., 15.02.2019 - 20:59
@Zukunfstmusiker

Ich bin nicht der Ansicht, dass die Kultur in Deutschland nicht geeignet ist Sprunginnovationen hervorzubringen. Dazu gehören allerdings viele Komponenten, die passen müssen.



DARPA, PARC, oder vergleichbare Einrichtungen sind aber nicht damit angetreten, Spronginnovationen zu fördern, sondern habe an Innovationen gearbeitet bzw. Wettbewerbe/Challenges ausgeschrieben. Letzteres ist eine alte und bewährte Methode,die schon die Royal Society in England einsetzte, um die Suche nach Lösungen z.B. für das Längegradproblem zu ermutigen.



Das Problem im vorliegenden Fall besteht aus meiner Sicht, dass irgendwelche Gurus frühzeitig Sprunginnovationen erkennen sollen und sie dann fördern. Sprunginnovationen haben eben genau die Eigenschaft, das man sie erst ...

#9 -

Zukunftsmusiker | Sa., 16.02.2019 - 14:08
@Klaus Diepold



Ich lese gern Ihre Beiträge in diesem Blog; aber hier bin ich entschieden anderer Auffassung. Gestützt auf jahrelange eigene Erfahrung wie auf eine Auswertung der relevanten Innovationsforschung. Ich gehe etwas ausführlicher ein auf Ihren jüngsten Beitrag, weil ich ihn respektiere und er die Auseinandersetzung lohnt.



"Innovation ist z.T. eine Lotterie (sprich: ein Zufallsprozess)."



Stimmt, aber das "z.T." ist entscheidend.



"Die Gewinnchancen wachsen nur dadurch, dass man mehr Lose kauft und die Anzahl der Chancen vergrößert"



Stimmt nicht mehr, wegen des "nur". Mehr Lose zu kaufen ist eine Strategie, aber eben nicht die einzige. Eine andere, und um die ...

#10 -

Klaus Diepold | Sa., 16.02.2019 - 17:33
@Zukunftsmusiker



Vielen Dank für die klugen Erwiderungen, denen ich kaum etwas hinzufügen kann. Lediglich, dass ich in fast allen Punkten mit Ihnen übereinstimme. Ich denke, dass ich es nicht geschafft habe, meine Skepsis gegenüber der Einrichtung einer Agentur klar zum Ausdruck zu bringen.



Genau so wie Sie das beschreiben, sehe ich das auch - nicht Experten entscheiden über Innovationen im Rahmen einer Begutachtung (à la EU), sondern die Innovatoren, die an ihre Ideen glauben und die Kunden finden, die ihre Vorschläge lieben und aufnehmen. Steve Jobs ist ein gutes, wenn auch überstrapaziertes Beispiel.



Innovation ist ein Zufallsprozess (Trial & Error, ...

#13 -

0skar | Di., 19.02.2019 - 20:32
Hm, üblicherweise gebe ich meinen Senf nur ungern bis gar nicht in Blogs zum Besten.

Gleichwohl möchte ich an dieser Stelle zunächst mal die angenehmen Umgangsformen hier loben.

Es tut gut, in dieser Welt voll lauter, undifferenzierter, schlagzeilenreduzierter Kakophoniker auf kultivierte Oasen zu treffen!!! :-)

Nun aber vielleicht noch ein paar inhaltliche Anmerkungen:

Ich beschäftige mich schon aus Profession mit dem Thema "Innovationen". Hierbei ist mir aufgefallen, dass Benefit bringende Trial & Error-Ergebnisse leider noch keine Innovationen darstellen. Erfindungen ja, aber keine Innovationen. Eine Innovation, die sich über das Ergebnis von Trial & Error definiert ist zunächst lediglich eine Erfindung. ...

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