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Planungssicherheit bis 2030

Bund und Länder haben sich auf einen Kompromiss zur Wissenschaftsfinanzierung in den 20er Jahren verständigt. Die Details sind deutlich besser als erwartet – mit einer Ausnahme.

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Artikelbild: Planungssicherheit bis 2030

Blühende Wissenschaft? Das Bundesratsgebäude, heute Tagungsort der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz. Foto: Manfred Brückels: " Bundesrat Gebäude, Berlin, Leipziger Strasse.jpg ", CC BY-SA 3.0 .

BUND UND LÄNDER haben sich geeinigt: Die drei Pakte, die Wissenschaft und Hochschulen in den 20er Jahren prägen werden, stehen. Der Durchbruch gelang gestern in der nächtlichen Kaminrunde in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. Die offizielle Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz heute Vormittag dauerte dann nicht einmal mehr eine Stunde, bis alles unter Dach und Fach war.

Die wichtigste Botschaft: Sowohl Bund als auch Länder waren bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen als zunächst geplant. Dadurch erhalten Hochschulen und Forschungseinrichtungen Planungssicherheit über einen Zeitraum, der seines gleichen sucht: Wir reden von den Leitplanken der Wissenschaftsfinanzierung bis 2030, und das im Vorfeld eines beginnenden Konjunkturabschwungs. Natürlich gibt es auch echte Wermutstropfen, aber insgesamt ist das Paket bemerkenswert.

Der Kompromiss im Detail

o Beim " Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken " (dem Hochschulpakt-Nachfolgeprogramm) zahlen Bund und Länder von 2021 an jeweils 1,88 Milliarden Euro. Es gibt zwar keine jährliche Dynamisierung, aber dafür 2024 ein einmaliges kräftiges Plus: Dann steigt die Bundesfinanzierung um 170 Millionen auf 2,05 Milliarden Euro, in gleicher Höhe kofinanziert von den Ländern. 2027, auch das war den Ländern wichtig, wird in jedem Fall über die nächste Stufe einer finanziellen und inhaltlichen Anpassung verhandelt. Apropos inhaltlich: Bei der Verteilung der Paktgelder gelten die von den Ländern eingebrachten Parameter Studienanfänger (20 Prozent), Studierende in der Regelstudienzeit plus zwei Semester (60 Prozent) und Absolventen (20 Prozent). Auch kommt die von den Ländern gewollte Übergangsregelung zwischen altem und neuem Pakt, und zwischen 2021 und 2027 erhalten die Stadtstaaten eine Pauschale von 40 Millionen Euro, von der sie allerdings 2021 und 2022 den ostdeutschen Ländern und dem Saarland etwas abgeben müssen. Der Großteil der Pauschale geht nach Berlin, ab 2023 kommt die Hauptstadt auf 30 der 40 Millionen.

Das Hochschulpakt-Geld wird insgesamt ohne Vorabzug ausgezahlt, das vom Bund zwischenzeitlich favorisierte "Bonusprogramm", ...

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Kommentare

#1 -

Thomas Deufel | Fr., 03.05.2019 - 15:12
danke für den Beitrag, und natürlich Erleichterung über den - tatsächlich fast unerwarteten - guten Ausgang. Paradoxe Leistung von Bund und Ländern - so sieht sie wohl aus. Sie haben ja alles sehr richtig zusammengefasst und bewertet (und dabei auch zu Recht mit dem Finanzminister-Bashing aufgeräumt), beim Qualitätspakt Lehre teile ich Ihr Bedauern nur begrenzt, zu instrumentalistisch und Didaktik-verliebt und damit auch noch überpädagogisiert war der Ansatz, um einfach weiterzubestehen, und gleichzeitig kann man ja schlecht einen "Zukunftsvertrag Studium und Lehre" mit Milliarden ausstatten und daneben nochmal einen "Qualitätspakt Lehre" begründen. Da müssen die Hochschulen sich schon in der Hauptlinie ...

#3 -

tutnichtszursache | Fr., 03.05.2019 - 16:00
Ein guter Tag für die deutsche Wissenschaft und besonders für die Hochschulen! Zum Glück weiß man: Der Wiarda-Blog informiert zuverlässig :-)

Die Wermutstropfenhaftigkeit des Q-Paktes Lehre würde ich mindestens wie Herr Deufel in Frage stellen (vielen Dank! "instrumentalistisch", "didaktikverliebt", "überpädagogisiert" - großartig!). Sehr viele Projekte waren m.E. fern der Alltagslehre, lokale Forschungsförderungsspielwiesen von Bestandsprofs, nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt und einer solchen auch nicht würdig. Das Schönste am Qualitätspakt Lehre war der Name! In meinen Augen daher das sinnvollste Feld der Kürzung.

#5 -

H. Brehm | Fr., 03.05.2019 - 16:30
In der Tat ein ebenso unerwartetes wie schönes Ergebnis. Eine Frage aber noch am Rande: Was wird eigentlich aus den Programmpauschalen? Bislang waren sie im HSP verankert. Ist ihre Weiterfinanzierung gesichert? Oder muss dafür künftig die DFG selbst im Rahmen ihres Budgets aufkommen?

#6 -

Marco Winzker | Fr., 03.05.2019 - 16:48
Zu #1 und #3:
Viele der QpL-Projekte die ich kenne, setzen sinnvolle didaktische Methoden ein, um Studierende zu unterstützen. Es gibt ein Controlling, welches "Spielwiesen" verhindern soll. Gut, vielleicht kann man das etwas schärfen?

Der QpL hat viel Innovation in die Lehre gebracht und ich hoffe, dass diese Erfolgsgeschichte weitergeht.

#7 -

Florian Bernstorff | Fr., 03.05.2019 - 17:51
Zu #1 und #3 und # 6 :

Auch die Qualität von Qualitätsentwicklung lässt sich natürlich immer stets noch steigern. Es mag "überpädagogisierte" oder auch "Didaktik-verliebte" Konzepte gegeben haben, ich sehe aber nicht, dass dies die Zielsetzung und das Instrument grundsätzlich infrage stellen würde. Vielmehr sollten solche Fälle in die Reflektion der Förderstrategie und der Projekte einfließen, um die Lehre weiterhin zu professionalisieren - sie hat es immer noch dringend nötig.

In der Digitalisierungstrategie ist ja ein guter Anfang gemacht, hier sollen bekanntlich keine Leuchttürme mehr, sondern alltagstaugliche Implementierungen in den Lehralltag gefördert werden. Daran kann sich auch der künftige ...

#9 -

Edith Riedel | Fr., 03.05.2019 - 22:54
Ganz ketzerisch: Wenn das Kriterium der Dauerstellen nicht rausgeflogen wäre, bräuchte es keinen Qualitätspakt für Lehre. Der wird nur gebraucht, weil ein erheblicher Teil der Lehre durch Lehrbeauftragte abgedeckt wird, die für einen Hungerlohn einen Flickenteppich an partikularisierten Lehrveranstaltungen anbieten. Mit der Schaffung von Dauerstellen mit einem realistisch umsetzbaren Lehrdeputat kann Lehre nachhaltig verbessert werden. In seiner aktuellen Form ist der Qualitätspakt für Lehre nur ein Feigenblatt, eine Trockenübung, die Qualitätssicherung vorgaukelt, wo keine stattfindet.

#10 -

RK | Fr., 03.05.2019 - 23:09
Man kann es schade finden, dass im Ergebnis der Verhandlungen die Maßnahmen in der QPL-Nachfolge zur Qualitätsverbesserung der Lehre bluten mussten, insbesondere wenn sie für die ohnehin von vielen als überausgestattet wahrgenommenen großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Ader gelassen werden. Aber spiegelt dies nicht nur die Machtverhältnisse im Wissenschaftssystem wider?



Beim PFI fragte (erstaunlicherweise?) bislang von den Kommentierenden hier kaum jemand danach, mit welchen Leistungs- oder gar Qualitäts-steigernden Effekten die Geldmengen einhergingen. Immerhin wurde dies von den Verhandelnden erkannt und man will da künftig genauer hinschauen. Es wird dann hoffentlich auch bei den Forschungsorganisationen eine Veröffentlichung der Zielvereinbarungen geben (wie bei ...

#11 -

Jan-Martin Wiarda | Fr., 03.05.2019 - 23:55
@H. Brehm: Die DFG-Programmpauschalen wurden in ihrer bisherigen Höhe von 22 Prozent der Kosten um fünf Jahre verlängert. Diese Info hatte ich zuvor vergessen und jetzt im Text ergänzt.

@Freund privater Hochschulen: Die privaten Hochschulen werden meinem Kenntnisstand nach nicht beteiligt.

#12 -

Steffen P | Sa., 04.05.2019 - 12:29
Bzgl der Qualität der Lehre empfehle ich eine Reflexion eines dort ehemals tätigen Didaktikers: https://twitter.com/jessifer/status/1124295008616685569?s=21 So gesehen stünde es allen (Lehrende & Didaktikern) gut zu Gesicht, gemeinsam Besserung bewirken zu können. Wird spannend wie der kleinere Kuchen aufgeteilt werden wird. Denn ohne Qualität wird das Studieren in vielen Bereichen eine Lehr-Anstalt bleiben.

#14 -

Jutta Dalhoff | Di., 07.05.2019 - 11:32
Am vergangenen Freitag hat der Berg gekreißt, drei Pakte für die Wissenschaft werden bis zum Jahr 2030 langfristig fortgeführt. Bund und Länder haben sich darauf verständigt, bis dahin mit 41 Milliarden Euro die Qualität von Studium und Lehre an Hochschulen zu verbessern (Pakt 1) und die Innovation in der Hochschullehre voranzutreiben (Pakt 2), diese beiden Pakte werden zudem auf Dauer gestellt. Sehr viel mehr – zusätzliches - Geld als die Hochschulen bekommen aber die außeruniversitären Forschungsorganisationen und die DFG für den gleichen Zeitraum, nämlich 120 Milliarden Euro für den neuen Pakt für Forschung und Innovation PFI (Pakt 3)!

Die Mehrzahl ...

#15 -

EineFrage | Mi., 08.05.2019 - 11:19
Eine Frage, da ich trotz Studium dieses Blogs und anderer Pressemitteilungen (GWK) es nicht ganz explizit habe finden können: ist der Pakt Innovation in der Hochschullehre (ehemals Qualitätspakt Lehre) auch auf Dauer angelegt? In der offiziellen Pressemitteilung der GWK wird nur geschrieben, dass ab 2021 jährlich 150 Mio. Euro zur Förderung zur Verfügung gestellt werden und wie die Aufteilung zwischen Bund und Länder ab 2024 erfolgt.

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