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Perspektiven zuerst!

Weshalb Teach First ein Glücksfall für die Schüler ist und warum der Bund eine Chance verpasst. Ein Gastbeitrag von Jens Brandenburg.

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Artikelbild: Perspektiven zuerst!

Jens Brandenburg . Foto: Tobias Koch.

HUNDERTTAUSENDE JUNGE MENSCHEN sitzen dieser Tage mit rauchenden Köpfen am Schreibtisch. Seminar- und Abschlussarbeiten sind zum Semesterende fällig. So unterschiedlich ihre Herausforderungen sein mögen, so gleichsam suchen und finden viele Studierende Rat bei ihren Eltern. Ein Großteil der angehenden Akademiker/innen hat Eltern, die den Weg zum Hochschulabschluss kennen. Sie wissen um das Hinauszögern, Reinhängen, Schwitzen und Hoffen ihrer Kinder - aus eigener Erfahrung.

Bildungserfolg ist in Deutschland leider immer noch eine Frage der elterlichen Biografie. Bildungsaufsteiger sind eine konstante Minderheit. Nur 15 Prozent der jungen Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland einen Hochschulabschluss. Haben die Eltern selbst ein Studium absolviert, sind es fast 60 Prozent. Der Zugang zu Bildung darf jungen Menschen nicht durch gläserne Decken versperrt bleiben.

Besonders bedrückend ist die Situation an Brennpunktschulen. Die fehlende soziale Durchmischung und die Mehrfachbelastung der Lehrkräfte besiegeln das Schicksal junger Menschen oft bereits in jungen Jahren. Wer diesen Kreislauf durchbrechen will, muss einen Weg aus der strukturellen Chancenungerechtigkeit finden. Perspektiven schaffen, wo sonst keine sind. Das Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft ...

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Kommentare

#1 -

scheppler | Fr., 28.06.2019 - 16:14
"In acht Bundesländern sind sie bereits im Einsatz. Fast alle dieser Länder zahlen lediglich die Gehälter der Lernbegleiter. Das bundesweite Recruiting, die Ausbildung und die Betreuung der Fellows finden hingegen zentral statt – finanziert durch private Stiftungen, Unternehmen und Einzelförderer. Es ist diese zentrale Infrastruktur, die den Einsatz der Fellows überhaupt erst ermöglicht."



Und am Ende wird zudem noch darauf hingewiesen, dass es sich um ein "geringes Referendariatsgehalt" handele.



Der Autor möchte also, dass der Staat Steuergelder ausgibt für eine Initiative, bei der ein Akteur (finanziert durch Stiftungen, Unternehmen und einzelne Geldgeber) sowohl die Auswahl als auch die anschließende "Ausbildung" ...

#2 -

scheppler | Fr., 28.06.2019 - 16:17
Ergänzung:
Das Bildungssystem vollständig auszufinanzieren, dass es einen guten und ansprechenden Unterricht in maximaler Unabhängigkeit gewährleisten kann, wäre eine sinnvolle Forderung. Das Grundproblem aber - so scheint es durch, wenn von Armutszeugnis gesprochen wird - zu erkennen und dann mit fragwürdiger Flickschusterei an den Symptomen herumzudoktorn, ist genau die Bildungspolitik, die wir nicht brauchen.

#3 -

Jens Brandenburg | Sa., 29.06.2019 - 17:45
@scheppler:

Mit Teach First-Fellows allein wird man nicht alle Probleme der Bildungspolitik lösen. Das Grundproblem habe ich ja deutlich angesprochen. Der aktuellen Schülergeneration ist aber nicht geholfen, sie mit Verweis auf den grundsätzlichen Reformbedarf mit den „Symptomen“ allein zu lassen. Das eine tun, das andere nicht lassen.



Die Bedenken bezüglich Auswahl und Finanzierung teile ich nicht. Teach First Deutschland ist - anders als Bayer - eine gemeinnützige Organisation und beteiligt sich mit erheblichen eigenen Mitteln an der Finanzierung der Projekte. Es gibt private Geldgeber, aber die haben keinen Einfluss auf die Auswahl oder Zuteilung der Fellows. Dass so auch aus ...

#4 -

scheppler | Sa., 29.06.2019 - 18:32
Vielen Dank für die ausführliche Replik. Diese zeigt, dass mein Ihre politischen Vorstellungen offenbar noch tiefgehender sind, als ich befürchtet hatte.



Und sie sind scheinbar auch von der Unkenntnis vielfältiger Entwicklungen im Schulsystem geprägt.

Der zweite Absatz zeigt dies deutlich: Natürlich würde Bayer keine eigene Initiative aufsetzen mit direktem Einfluss. Was wir aktuell mannigfaltig erleben ist das sogenannte Astroturfing, bei dem scheinbar gemeinnützige, scheinbar unabhängige Initiativen in Form von Stiftungen, Vereinen, gGmbHs im Bildungsbereich nur so aus dem Boden sprießen. Und immer mit der selben Behauptung: keinerlei Einfluss der Geldgeber, die sich natürlich diejenigen Initiativen aussuchen oder sie in reinster ...

#5 -

scheppler | Sa., 29.06.2019 - 18:33
Und dass das grundgesetzlich abgesicherte, seit Jahrzehnten praktizierte, demokratisch legitimierte System vom bildungspolitischen Sprecher der FDP scheinbar grundsätzlich in Frage gestellt wird, offenbart letztlich der Satz: „Ich sehe nicht, was durch eine Verstaatlichung dieser Vorbereitungsphase besser würde. Im Gegenteil: Es ist ein Segen, dass sich die Initiative frei von kultusbürokratischer Behäbigkeit entfalten kann.“ Damit wird nichts anderes als die staatliche Souveränität und Hoheit im Schulsystem zugunsten scheinbar agilerer Akteure in Misskredit gebracht. Demokratie und mir ihr einhergehende Entscheidungsfindungsprozesse sind langsam, mühselig und strapaziös. Aber dies, lieber Herr Brandenburg, dies ist kein Bug sondern ein Feature unserer Demokratie und damit des ...

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