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Was sich seit letzter Woche geändert hat

Das Coronavirus hat dieselbe Wachstumslogik wie vor sieben Tagen. Doch wir als Gesellschaft sind anders geworden. Woran das liegt – und warum wir jetzt aufpassen müssen. Ein Essay in Zeiten des Shutdowns.

DIE GESCHWINDIGKEIT, mit der Deutschland und Europa in den Shutdown gehen, ist atemberaubend. Nur kurz zur Erinnerung: Noch am Donnerstagnachmittag, vor rund 100 Stunden, wehrten sich die Kultusminister gegen die generelle Schließung von Kitas und Schulen. Seitdem fällt ein Dominostein der offenen Gesellschaft nach dem anderen. Nachdem Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Bundesregierung zuletzt sogar aufgefordert hatte, die Verbreiter von Falschmeldungen unter Strafe zu stellen, twitterte Florian Klenk, Chefredaketeur der österreichischen Wochenzeitung Falter , heute Mittag zur diesbezüglichen Spiegel -Meldung : "Leset in den Kommentaren darunter, wie schnell die Leute bereit sind Informationsfreiheit aufzugeben. Besorgniserregend."

Was hat sich eigentlich geändert in den vergangenen, sagen wir mal: sieben Tagen? Das Coronavirus jedenfalls nicht – oder nur kaum. Gleich geblieben ist auch die Wachstumslogik seiner Ausbreitung.

Viele haben jetzt erst begriffen, wie exponentielles Wachstum funktioniert

Doch es gibt tatsächlich Unterschiede. Erstens: Es scheint, als sei vielen Politikern erst irgendwann seit vergangenem Dienstag geschwant, wie genau eigentlich exponentielles Wachstum funktioniert. Und nicht nur ...

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Kommentare

#1 -

Volker | Di., 17.03.2020 - 01:00
Es ist schwierig abzuschätzen, an welcher Stelle die Maßnahmen Grenze überschreiten selbst mehr Menschenleben zu gefährden als sie retten.

Die Schließung von Spielplätzen ist ein guter Kandidat dafür. Abgesehen davon dass sie eine Katastrophe für den sozialen Frieden ist, da die sie insbesondere ärmere Schichten betrifft, ist ein längeres Einsperren von Kindern eine Maßnahme, die extreme Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung und damit die Gesundheit der zukünftigen generation hat.

#2 -

McFischer | Mi., 18.03.2020 - 10:31
Abwägung ist sicherlich gut, Abwägung zwischen sinnvollen Beschränkungen und problematischen Eingriffen in die Freiheitsrechte. Grundsätzlich würde ich aber auch sagen: lieber jetzt einmal schnell handeln und ggf. auch über das Ziel hinausschießend, als spät, langsam, halbherzig. In gewisser Weise ist das jetzt die "Stunde der Politik" - gerade weil es um Sachentscheidungen geht, weniger um Diskurs und (im positiven Sinne) ideologische Grundsätze.

Die Herausforderung wird dann sein, die Maßnahmen wieder zurückzufahren! Wer kann das einschätzen? Wer macht den ersten Schritt?

Anbei: Es war nur eine kleinere Meldung gestern, aber dass Schleswig-Holstein die Einreise aus touristischen Gründen verbietet hat mich schon ...

#3 -

Egal | Mi., 18.03.2020 - 14:14
Mehr als 50.000 Tote aufgrund von erhöhten Feinstaub-Werten allein in Deutschland -> Die Reaktion der Bundes- und Landesregierungen waren/ sind nahe Null bzw. zumeist symbolisch.

Tausende Tote aufgrund des Klima-Wandels allein in Deutschland -> Die Reaktion der Bundes- und Landesregierungen sind sehr zögerlich.



Und nun ist es möglich, bei einer sicher sehr bedrohlichen Lage massive Eingriffe in die Grundrechte vorzunehmen, bei denen Fragen der Verhältnismäßigkeit in meinen Augen nicht geklärt sind. Wenn (!) irgendwann einmal diese umfangreichen Grundrechtseinschränkungen gelockert/ aufgehoben werden, wird unsere Gesellschaft eine andere sein: Kleine Läden werden zahlreich geschlossen (Kneipen, Bäcker, Fleischer, Einzelhändler) und die großen Ketten ...

#4 -

Sigmund J. | Mi., 18.03.2020 - 21:35
Da 1. ein Impfstoff noch Monate entfernt ist,

da 2. die weit überwiegende Mehrzahl der Infektionen einen (sehr) milden Krankheitsverlauf haben,

da 3. ein Überschießen der politisch-gesellschaftlichen Reaktionen das System noch mehr beschädigen könnte,

da 4. tatsächlich das Verhältnis von Schwererkrankten und Behandlungskapazität zentral ist,



fährt aus meiner Sicht z.B. der Hamburger Bürgermeister eine kluge Linie: „Das wirksamste Mittel gegen das Virus ist unser Immunsystem selbst.“ Also dosierte "Durchseuchung" statt einerseits Laissez-Faire oder andererseits Lockdown, um dem Trend die Spitze zu brechen. In der Hoffnung, dass sich für Monate trotz Epidemie ein "Alltagsleben" einpendelt.



Interessant, Herr Wiarda, ist Ihr Hinweis ...

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