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Digital-Blamage

Weil viele Kultusminister die Digitalisierung des Lernens

verpennt haben, zwingen sie jetzt in der Krise ihre Lehrkräfte zu datenschutzrechtlichen Verstößen.

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Artikelbild: Digital-Blamage

Foto: Bokskapet / pixabay - cco.

NACH EINER WOCHE Schulschließungen ist klar: Die Lehrer sind es nicht, an denen die Digitalisierung der Bildung scheitern wird. Bemerkenswert schnell haben die Pädagogen überall im Land reagiert, ihren Schülern Zugänge eingerichtet in Leseportalen und Mathetraining-Websites. Sie haben ihnen Aufgaben hochgeladen und an die Eltern Lernpläne verschickt.

Nach einer Woche Schulschließung ist aber auch klar: In den meisten Ländern hat die Digitalpolitik der Kultusministerien versagt. Lange vor der Krise. Doch jetzt wird es umso schmerzlicher bewusst.

Bayerns staatliche Online-Lernplattform "mebis" wurde Anfang der Woche gleich mal gehackt, Bremens Schulnetzwerk "itslearning" ging angesichts des Ansturms zeitweise in die Knie. Doch immerhin hatten die beiden Länder etwas, das in die Knie gehen konnte. Immerhin haben Bayern und Bremen es relativ schnell geschafft, die IT-Probleme zu beseitigen. Viel schlimmer ist, dass in den meisten Bundesländern im Jahr 2020 keinerlei flächendeckende, vom Kultusministerium eingerichtete datenschutzsichere Lernplattform existiert. Baden-Württemberg etwa hat mit der jahrelangen, millionenteuren Entwicklung von "ella" Schiffbruch erlitten. NRWs "Logineo" kam nach jahrelangen Pannen und Verzögerungen – und hat bislang nur einen Bruchteil der Schulen ...

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Kommentare

#1 -

Sabine Husemeyer | Fr., 20.03.2020 - 20:43
Digital-Blamage nicht überall



Erwähnenswert erscheint mir in diesem Kontext, dass es nicht nur in Hinsicht auf die Bundesländer Unterschiede gibt, sondern es v.a. auch innerhalb der Bundesländer gravierende Unterschiede gibt. Während die finanzschwachen Ruhrgebietskommunen nicht einmal adäquate Renovierungen oder Schulbauten in die Planung nehmen können, geschweige denn die erforderliche digitale Infrastruktur, sieht dies beispielsweise in der Landeshauptstadt Düsseldorf völlig anders aus.

Hier betreibt vom Oberbürgermeister über das Schul- und Bauamt bis hin zu e-school die Stadt eine Infrastrukturpolitik, in der Bildung und damit der Bau und die Ausstattung von Schule Priorität genießen.

Angesichts

der drohenden Schulschließungen hat die Stadt in ...

#2 -

Mathias Magdowski | Fr., 20.03.2020 - 23:02
Dito. Auch in Magdeburg in Sachsen-Anhalt gibt es einige Schulen, die recht gut auf die digitale Bildung vorbereitet sind, z.B. das Stiftungsgymnasium der Stiftung Evangelische Jugendhilfe, siehe:
http://stiftungsgymnasium.de/konzept-1
und aktuelle Aktivitäten unter:
https://twitter.com/stejhgym

#3 -

Andreas Wittke | Sa., 21.03.2020 - 11:07
Toller Beitrag und ganz meine Gedanken. Ein Paradebeispiel ist auch BaWü, wo die Server unter der Last zusammengebrochen sind und jetzt tausende Moodle Installationen umziehen müssen, da es anscheinend keine skalierbare Cloud gibt. AWS und Co dürfen die Schulen ja nicht nutzen und deutsche Alternativen (GaiaX) gibt es nicht.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Digitaler-Unterricht-Lernsystem-Moodle-startet-mit-Anlaufschwierigkeiten-4685075.html

Mir tun die ITler dort richtig leid. Unsinnigere Aufgaben gibt es wohl nicht und das alles dank jahrelangem Tiefschlaf, Datenschutz und dem Glauben an das perfekte Lernraumsystem.



Liebe Grüße aus dem Norden

Andreas

#4 -

Jan Hambsch | Sa., 21.03.2020 - 16:09
Lieber Andreas Wittke,



das stimmt so nicht ganz. Die neuen Server gibt es in BW schon eine Weile. Es waren allerdings noch nicht alle auf dem neuen Server und wurden gemächlich umgezogen. Dann hat man über das Wochenende als die Schließung feststand, für alle Schulen, die noch keins hatten, ein Moodle installiert. Bisher konnten Schulen das beantragen, mussten also aktiv werden. Die erhöhte Last machte es nun nötig, die Bestands-Mooodle schnell umzuziehen. Der Kritik, was die Cloudinfrastruktur angeht, stimme ich allerdings voll zu.

#6 -

Markus Müller | Mo., 27.04.2020 - 15:59
@#5:

Zoom zu nutzen, ist aus Sicht des Datenschutzes und der digitalen Souveränität eine ganz, ganz schlechte Idee.

Als amerikanische Firma unterliegt Zoom dem Patriot Act und dem CLOUD Act (vgl. https://www.heise.de/ix/artikel/Zugriff-auf-Zuruf-1394430.html und https://www.heise.de/select/ix/2018/7/1530927567503187). Und Zoom unterstützt keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, was bedeutet, die die Betreiber Zugriff auf die Klartext-Kommunikation haben.

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