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Ist die Trendwende schon da?

Kanzlerin und Ministerpräsidenten beraten heute über Maßnahmen in der Coronakrise. Währenddessen steigen die Infektionszahlen seit Tagen merklich langsamer. Was geht da vor sich? Und besteht tatsächlich Grund zu vorsichtigem Optimismus?

ES SIND ERMUTIGENDE ZEICHEN. Dass der Corona-Anstieg seit Ende Juli in keiner Weise mit der Dynamik der ersten Welle zu vergleichen war, hatte ich schon vor zwei Wochen beschrieben . Dass der Aufwärtstrend in einigen Altersgruppen extrem langsam verlief oder bereits zum Stillstand gekommen war, ließ sich vergangene Woche aus den Daten ablesen . Doch erst die Entwicklung der letzten zehn Tage lässt eindeutig auf eine mögliche Trendwende hoffen.

Konkret: Nachdem die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen seit Mitte Juli Woche für Woche um ein gutes Viertel gestiegen war, in Kalenderwoche 33 (ab 12. August) nach aktuellen Berechnungen des Robert-Koch-Instituts sogar um 31 Prozent auf 7809, nahmen die neu registrierten Corona-Fälle in der vergangenen Woche nur noch um 17 Prozent auf 9209 zu. Im aktuellen Sieben-Tage-Mittel halbiert sich der Anstieg nochmal auf nur noch acht Prozent. Und die letzten drei Tage meldete das RKI gegenüber sieben Tagen zuvor sogar jeweils nahezu unveränderte Fallzahlen.

Eben noch die Angst vor der zweiten Welle, jetzt Hoffnung auf eine Atempause? Wie sind die gegenwärtigen Corona-Zahlen einzuordnen? Zentrale Fragen: Heute beraten Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten über neue Maßnahmen in der Coronakrise.

Die Jungen treiben diesmal die Pandemie

Von 2406 registrierten Neuerkrankten in Kalenderwoche 28 (ab 12. Juli) sind die gemeldeten Infektionszahlen durchgängig gestiegen – auf 9209 in Kalenderwoche 34 (ab 19. August). 9209 Fälle sind mehr als die 6427 Neuerkrankten in Kalenderwoche 11 (ab 09. März), aber immer noch erheblich weniger als die 22.429 in Kalenderwoche 12. Das heißt: Das gesamte verzeichnete Fall-Wachstum der vergangenen fünf Wochen entspricht etwa einem Drittel der Dynamik in Woche 12, als die erste Welle rollte.

Im Gegensatz zur ersten Welle sind die Erkrankten diesmal deutlich jünger. Die ...

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Kommentare

#1 -

Johannes Bock | Do., 27.08.2020 - 13:14
Ich finde die Idee mit dem Panel spannend, bin mir aber nicht sicher, ob 20.000 Personen ausreichen würden, um zu statistisch signifikanten Aussagen zu kommen. Gibt es einen Grund, warum Sie diese Samplinggröße vorschlagen?

#2 -

Django | Do., 27.08.2020 - 13:30
Wann kommt die Politik auf den Trichter? Gute Frage. Ich fürchte, dass es schwer wird, aus dem Durchwurstel-Modus herauszukommen. Und ebenso schwer wird es, die Debatte um die Verhältnismäßigkeit zu führen.

Wenn sich abzeichnet, dass Sars-Cov2 gekommen ist, um zu bleiben, müssen wir als Gesellschaft klären, wie wir damit umgehen. Ist es das Ende z.B. des Kulturlebens, wie wir es kannten, weil man sich im Konzert oder im Theater anstecken kann? Oder, um im Themenfeld dieses Blogs zu bleiben, ist die Präsenzhochschule nun Geschichte?

Das kann man so machen. Aber es drängt sich der Gedanke auf, dass man an allem ...

#3 -

Django | Do., 27.08.2020 - 13:41
@ Johannes Bock: Als Laie staunt man manchmal, wie klein Stichproben sein können. Das Sozio-ökonomische Panel, das ja einen repräsentativen Querschnitt (sozial, regional, ...) durch die deutsche Bevölkerung abbildet, umfasst derzeit wenig mehr als 25.000 Personen. (Quelle: https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.434841.de) Da scheinen mir 20.000 Testpersonen mit adäquater Verteilung durch Regionen, Altersgruppen, sozio-ökonomischen Status und (schwierig festzustellen) Gesundheitszustand ausreichend.

#4 -

Jan-Martin Wiarda | Do., 27.08.2020 - 14:04
@Johannes Bock: Das Panel ist im Verhältnis ja schon recht groß und zugleich die Untergrenze des Notwendigen. Ich habe mal gerechnet. Wenn man von derzeit von einem Wochenmittel von 9-10.000 gemeldeten Fällen ausgeht, ergibt das knapp 20.000 Fälle alle zwei Wochen. Das würde bedeuten, dass etwa jeder 4000. Bundesbürger in diesen zwei Wochen offiziell erfasst wird. Was fünf Fälle im Panel entspräche. Abhängig von der Dunkelziffer, die nach Einschätzung von Experten ein Mehrfaches beträgt, würden damit im Panel vielleicht 20,30 Fälle erfasst werden momentan. Das wiederum sind (jetzt spekuliere ich) vielleicht doppelt so viele wie vor zwei Monaten. Es wäre ...

#6 -

Markus Pössel | Fr., 28.08.2020 - 00:51
Ich frage mich, welche Selektionseffekte bei einem solchen Panel auftreten würden. Wer Corona nicht ernst nimmt und Masken schon als lästige Zumutung empfindet, dürfte sich ja kaum darauf auf solche Corona-Testung zu Statistik-Zwecken einlassen, geschweige denn regelmäßig/mehrmals. Sprich: So ein Panel wäre sicher in Richtung der vernünftigeren verzerrt, die sich auch ansonsten eher an die Regeln halten – und dementsprechend auch weniger Gefahr laufen, infiziert zu werden.

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