Direkt zum Inhalt

Ein Schlag ins Gesicht

CHE-Chef Frank Ziegele über immer neue Forderungen an die Hochschulen, fehlende Wertschätzung für das Geleistete und Visionen, die man ernst nehmen kann.

Bild
Artikelbild: Ein Schlag ins Gesicht

Frank Ziegele ist Professor für Hochschul- und Wissenschaftsmanagement an der Hochschule Osnabrück und Geschäftsführer des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Foto: Sirko Junge.

Herr Ziegele, der Wissenschaftsrat (WR) hat ein faszinierendes Papier zur Hochschulbildung im 21. Jahrhundert beschlossen. Im Kern steht die Vision eines " akademischen Mentorats", das der WR als "regelmäßige Studiengespräche zwischen Lehrenden und Studierenden" beschreibt, als Begleitung studentischen Lernens "gemäß den individuellen Voraussetzungen und Interessen". Klingt toll, oder?

Das ist toll, das kann ich als Vision nur unterstützen. Was mich aber stört: dass in letzter Zeit wieder einmal alles Mögliche an Reformen von den Hochschulen gefordert wird, dabei aber oft unter den Tisch fällt, was sie schon alles leisten. Sie sollen die Lehre studierendenzentrierter gestalten, ja, einen "Qualitätssprung" vollziehen. Sie sollen mehr Tempo machen beim Technologietransfer, sie sollen ihre Karrierewege erneuern und transparenter gestalten. Und so weiter und so weiter.

Was ist verkehrt an solchen Forderungen?

Nichts. Oder sagen wir besser: Jede einzelne hat ihre Berechtigung. Aber bleiben wir beim Wissenschaftsrats-Papier: Die öffentlichen Bildungshaushalte geraten in vielen Ländern unter Kürzungsdruck, auch ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Noch 'ne Hanna | Mi., 08.06.2022 - 11:19
Man könnte geneigt sein, den Aussagen aufgrund ihrer beeindruckenden Banalität zuzustimmen - wenn sie nicht ausgerechnet vom CHE kommen würden. Denn Herr Ziegele fordert ja nicht Wertschätzung für die Arbeit der Menschen ein, die Universitäten durch ihren Einsatz in F&L zu Universitäten machen, sondern er will durch Gleichsetzung der Universitäten mit den Rektor*innen und Präsident*innen Anerkennung für eine behauptete Leistung der Rektor*innen und Präsident*innen - und diese Anerkennung soll durch Verzicht auf Aufsicht ausgedrückt werden, um den Leitungen so die Autonomiespielräume zu erhalten, mit denen sie schon in der Vergangenheit nicht umgehen konnten. Wenn die Politik den Menschen, die die ...

#3 -

Ruth Himmelreich | Do., 09.06.2022 - 11:54
"Bewältigung steigender Studierendenzahlen, doch von den Mitarbeitenden mit persönlichem Einsatz weit über die vertraglichen Vereinbarungen hinaus erbracht wurden" - dazu nur eine Randbemerkung: bei der von den Hannas gewünschten Festanstellung könnte man problemlos eine "Tätigkeit im Bereich der Lehre" festlegen, was dann je nach Bundesland eine Lehrverpflichtung so um die 20 SWS bedeutet, nicht die vergleichsweise komfortablen 4 SWS für die befristeten Mitarbeitenden...

#4 -

WM | Do., 09.06.2022 - 12:42
Entschuldigung, Hanna, aber das ist ein sehr naiver Kommentar, der an der Wirklichkeit vorbeigeht. Die Mär von den bösen Hochschulleitungen, die auf jeden Trendzug aufspringen wollen und die armen Hochschulen überlasten mit ihren ambitionierten Anforderungen. Von wegen eigentlich sollen Schuster doch nur bei ihren Leisten bleiben. Ich empfehle dazu mal mit eine Unterhaltung mit den jeweiligen Wissenschaftsministerien, wie die das so sehen. Vielleicht wird dann auch klar woher die manche Notwendigkeiten kommen. Diese Anforderungen werden im übrigens auch aus guten Gründen an die Hochschulen gestellt, die sich wahrscheinlich auch nicht rühren würden, gäbe es diesen Druck nicht. Aber da lastet ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Wie geht es den Doktoranden?

Wie geht es den Doktoranden?

Lange Zeit herrschte in Deutschland eine fast unglaubliche Ahnungslosigkeit, was die Lage der Promovierenden anging. Das ändert sich gerade. Auch dank der ehrgeizigen Nacap-Studie, deren neusten Ergebnisse jetzt online sind – inklusive überraschender Einblicke aus der Corona-Zeit.


  • Artikelbild: An die Hochschule nur mit Zugangstest

An die Hochschule nur mit Zugangstest

Bei gleicher Intelligenz schaffen es Akademikerkinder immer noch viel häufiger ins Studium. Darum brauchen wir eine neue Zulassungslogik.


  • Ehrenwerter Versuch

Ehrenwerter Versuch

Der Wissenschaftsrat hat ein faszinierendes Papier zur Zukunft der Hochschulbildung im 21. Jahrhundert beschlossen. Währenddessen zeigt der Blick nach Thüringen die gegenwärtigen Probleme.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Grundsätzlich promotionsfähig

Grundsätzlich promotionsfähig

Vor fünf Jahren hat Hessen als erstes Bundesland das Promotionsrecht an HAWen verliehen. Ein wissenschaftspolitischer Coup, aber auch ein wissenschaftlicher Erfolg? Eine eingesetzte Strukturkommission zieht jetzt eine erste Bilanz – und plädiert für eine Entfristung des Modells unter bestimmten Voraussetzungen.


  • Jetzt sollten die Richter entscheiden

Jetzt sollten die Richter entscheiden

Nach Humboldt-Universität und Opposition hält auch der wissenschaftliche Dienst des Berliner Abgeordnetenhauses das neue Hochschulgesetz in Teilen für verfassungswidrig. Eine juristische Klärung wäre wissenschaftspolitisch wünschenswert – und für ganz Deutschland von Interesse.


  • Nachschlag fürs Bafög

Nachschlag fürs Bafög

Die Ampelfraktionen beschließen nochmals leicht erhöhte Fördersätze. Faktisch ist der Unterschied nicht groß, aber das Signal ist wichtig.