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Abschied von der Akzeptanzwelt

#MeToo in der Wissenschaft? Die strukturelle Benachteiligung von Frauen in Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen wird in Deutschland meist totgeschwiegen. Das müssen wir ändern. Ein Gastbeitrag von Rena K. Nieswind*.

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Artikelbild: Abschied von der Akzeptanzwelt

*Der Name der Autorin wurde geändert. Bild: chenspec / Pixabay.

EINE ABENDLICHE INSTITUTSFEIER irgendwo in Deutschland: Ein Arbeitsgruppenleiter, der perspektivisch auf eine Juniorprofessur berufen werden soll, bändelt mit einer Doktorandin der Gruppe an. Im Nachgang vermittelt sie ihm, dass sie keine nähere Beziehung zu ihm haben möchte. Einige Mitglieder der Gruppe, darunter diese beiden, nehmen wenig später an einer Konferenz im Ausland teil, wofür eine Unterkunft in einem "Bed & Breakfast" gebucht wurde. An einem der Abende, die Doktorandin schläft bereits in ihrem Zimmer, klopft der Arbeitsgruppenleiter im volltrunkenen Zustand an ihre Tür und fordert sie zu sexuellen Handlungen auf. Die Doktorandin ist paralysiert und lässt den sexuellen Übergriff über sich ergehen. Danach vertraut sie sich der Gleichstellungsbeauftragten der Universität an, die Mitglieder der Hochschulleitung kontaktiert und um Unterstützung und Aufklärung bittet. In der Folge passiert: nichts. Weil die Betroffene irgendwie doch selber schuld ist?

Machtmissbrauch, systematische Benachteiligung und sexualisierte Gewalt gegen Frauen machen seit einiger Zeit verstärkt Schlagzeilen. Viel ist dabei von Vorfällen in der Politik, ...

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Kommentare

#1 -

Realität | Di., 24.10.2023 - 14:30
Das ist leider die bittere Realität an deutschen Hochschulen. Professor*innen halten zusammen, wenn es um sexuelle Belästigung und sexuelle Nötigung geht. Ombudsstellen werden mit Kandidat*innen besetzt, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie Vorfälle unter den Teppich kehren, oder generell nicht durchsetzungsfähig sind. Personalräte schauen weg. Rektorate wollen mit dem Thema nichts zu tun haben. Frauen dürfen mitspielen, wenn sie sich wie Männer verhalten, ansonsten werden sie belästigt oder kaltgestellt. Es ist schauderhaft.

#2 -

Money makes th… | Mi., 25.10.2023 - 03:36
Auch wenn Frau versucht, das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen zu fordern, wird sie systematisch verkohlt. Frau kann hinterher herausfinden, dass Frau weniger verdient, trotz eines deutlichen Mehr an relevanter Erfahrung.

Macht Frau den Mund auf, wird sie kaltgestellt, wie oben so schön gezeigt.

Wieviel Frauen arbeiten in Führungspositionen in MINT an dt. Unis? Zu wenige. Keine Rollenvorbilder, keine Nachfolgerinnen.

Aktueller Artikel aus Nature: https://www.nature.com/articles/d41586-023-03251-8

Die deutsche Wissenschaft ist ein Verein, der von alten, weissen Männern dominiert werden will, die nicht teilen können. Die ihre Inkompetenz verstecken, indem sie Minderheiten niedermachen. Ansonsten müssten sie irgendwann mit Machtverlust und Gesichtsverlust ...

#3 -

Heinz G. Fehre… | Mi., 25.10.2023 - 13:15
Leider beschränkt sich diese unerträgliche Situation nicht auf das akademische System Deutschlands, wie u.a. die Berichte des EU Konsortiums UniSAFE deutlich machen (https://zenodo.org/records/7540229#.Y8493nbMJPb).

Die gute Nachricht jedoch ist, daß das Thema Machtmissbrauch in der Wissenschaft mehr und mehr in die Öffentlichkeit getragen wird, insbesondere durch Betroffene, wie die Autorin dieses leider mehr als treffenden Gastbeitrages oder der kürzlich ins Leben gerufenen Initiative #metoohistory (https://www.hsozkult.de/podcast). Je mehr Machtmissbrauch in der Wissenschaft öffentlich diskutiert wird, um so größer wird n.m.E. die Chance, etwas zu verändern. "Wo Macht Thema wird, beginnt ihr Zerfall" (Beck).

#4 -

Das Schweigen … | Do., 26.10.2023 - 15:28
Die Vielfalt der Auswüchse von Machtmissbrauch sollte inzwischen jedem bekannt sein und doch ist man über jeden Fall (der kommuniziert wird) schockiert und frustriert. Offensichtlich reichen aber die bisherigen Berichte nicht aus, um etwas (merklich) zu verändern, denn das Thema kursiert unterschwellig seit Jahren in der Öffentlichkeit und die Personen in verantwortlichen Positionen, die etwas ändern könnten, haben diese sich verändert? Eher nicht.

#5 -

wie oft geht e… | Fr., 27.10.2023 - 10:08
Danke Rena! Sie sprechen mir aus dem Herzen!

Ja, es sind zum einen die strukturellen Probleme, z.B. bzgl. Gehaltsverhandlungen, Besetzung von Ombudsstellen, die alte-Herren-Netzwerke, etc. die Frauen aus der Wissenschaft vertreiben:

- Gleichstellungsbeauftragte, die gerade beim Vorstellungsgespräch der einzig gelisteten Frau nicht da sind;

- Die Notwendigkeit, mindestens eine Frau auf der Liste zu haben, obwohl allen Beteiligten von vorn herein klar ist, dass sie nicht in Betracht genommen wird. Die wenigen Frauen, die sich in den technischen Fachgebieten auf eine Professur bewerben, tingeln durch Deutschland, bereiten x Vorträge und Lehrproben vor, alles auf Kosten wertvoller Forschungszeit.

- Der Ombud, ...

#6 -

Traurig, aber war! | Sa., 28.10.2023 - 01:25
Warum können Universitäten zu Zeiten von Me Too und Gleichberechtigung schalten und walten, wie sie wollen? Warum kontrolliert keine übergeordnete Instanz die Universitäten? Zwar existieren Ansprechpartner für Betroffene an den Uni, jedoch eher pro forma und mit geringen Befugnissen. Als Universität möchte man kein schlechtes Image haben und kehrt die Vorgänge unter den Tisch anstatt sich ihnen entgegenzustellen und den Betroffenen zu helfen. Traurig, aber wahr! Noch trauriger ist, dass es die übergeordneten Stellen nicht kümmert!!!

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