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Ein Großexperiment für die Bildung

4.000 Schulen, 20 Milliarden Euro und ein neuer Forschungsansatz: Wie die Wissenschaft im Startchancen-Programm helfen soll, das Bildungssystem nachhaltig zu verändern. Ein Interview mit Kai Maaz und Martina Diedrich.

Collage aus Portraitfotos von Kai Maaz und Martina Diedrich.

Kai Maaz ist Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und koordiniert den Forschungsverbund für die wissenschaftliche Begleitung des Startchancen-Programms. Martina Diedrich war viele Jahre lang Direktorin des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) in Hamburg und leitet das Governance-Zentrum im CHANCEN-Verbund. Foto Maaz: fotorismus für DIPF, Foto Diedrich: Bina Engel.

Frau Diedrich, Herr Maaz, das sogenannte Startchancen-Programm geht jetzt in sein zweites Jahr. Es ist ein bildungspolitisches Großexperiment – und auch ein wissenschaftliches. 20 Milliarden Euro investieren Bund und Länder über zehn Jahre hinweg, um rund 4.000 Schulen mit besonders vielen bildungsbenachteiligten Schülern zu stärken. Ebenso einzigartig sind die 100 Millionen Euro, die für die wissenschaftliche Begleitforschung zur Verfügung stehen – so viel wie nie zuvor in einem deutschen Bildungsprogramm. Sie, Herr Maaz, koordinieren den sogenannten CHANCEN-Verbund mit über 100 Forschenden. Frau Diedrich, Sie leiten das Governance-Zentrum im Verbund. 100 Millionen sind sehr viel Geld – übertrieben viel für Begleitforschung?

Kai Maaz: Klar, 100 Millionen sind viel. Aber bei 16 Bildungssystemen, zehn Jahren Laufzeit und über 20 beteiligten Institutionen relativiert sich die Summe. Wenn man sich dann die Komplexität des Programms anschaut – systemisch, föderal, multiperspektivisch – wird schnell deutlich: Das klingt viel, ist aber gemessen an Umfang und Anspruch keineswegs überdimensioniert. Entscheidend ist, wo wir die Hebel ansetzen. Dieses Programm ist das erste seit Jahrzehnten, das versucht, über die klassische Förderlogik einzelner Fächer hinauszudenken und das Bildungssystem insgesamt in den Blick zu nehmen. ...

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Kommentare

#1 -

Martina T | Mo., 08.09.2025 - 14:38

Vielen Dank für dieses schöne Interview! 

Ich wünsche dem Chancenverbund von Herzen viel Erfolg. Er hat sich wahrlich eine Mammut- und gleichzeitig Sisyphus-Aufgabe auferlegt. Wenn man sich allein anschaut, wie unterschiedlich die 16 Länder mit den Einladungen des Governance-Zentrums umgehen. Mal sind/waren echte Entscheider:innen in den Gesprächen, mal Menschen mit Ahnung von Wissenschaft oder Praxis - mal nichts von alledem und eher selten alle drei. Oft historisch gewachsen. Und das Ende der Nahrungs- bzw. Bildungskette ist oft noch viel weiter entfernt.

Der Chancenverbund möchte (wegen oder trotz vorheriger Erfahrungen der Beteiligten?) ähnlich SchuMaS, LemaS, BiSS und Co. Serviceleistungen erbringen, die ...

#1.1 -

Wolfgang Kühnel | Di., 09.09.2025 - 20:29

Antwort auf von Martina T (nicht überprüft)

Unabhängig von Ihren vorgetragenen Argumenten oder Intentionen möchte ich doch -- mit Verlaub -- mal sagen dürfen, dass ich diese geballte Ladung von Anglizismen abstoßend finde: "Es braucht User Experience neben Usability, egal ob paper pencil oder online/digital." Und dann fehlt es noch an "Frontend-/Backend-Entwickler:innen etc."

"Damit systematische und zügige, bundesweite Erprobungen, Weiterentwicklungen und breite Rollouts von Methoden und Produkten wie in Dänemark oder den Niederlanden funktionieren, braucht es völlig andere Forschungs- und insbesondere Verwaltungs- und Gesetzesstrukturen." Eine Nummer kleiner geht es nicht? Alles nur, um die Probleme in unseren Schulen aufzufangen, die wir doch selbst geschaffen haben: Früher gab ...

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