Neun Milliarden für die Wette auf die Fusion
Beim BMFTR-Fusionskongress verbreitet Forschungsministerin Dorothee Bär so viel Optimismus, dass es selbst anwesenden Fusionsforscherinnen fast zu viel wird. Was in der parallel veröffentlichten Förderrichtlinie steht – und was die Wissenschaftsministerkonferenz dazu sagt.

Screenshot aus dem Livestream zum BMFTR Fusionskongress am 24. März 2026 mit Dorothee Bär, Rachel McDermott und Maximilian Fleischer auf dem Podium. Quelle: BMFTR.
NEUN MILLIARDEN EURO Anteil am Sondervermögen reklamiert Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) bis Ende 2036 am Sondervermögen des Bundes allein für die Förderung der Kernfusion. "Unser Ziel ist, dass das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland steht", sagte sie beim BMFTR-Fusionskongress am Dienstag in Berlin. Die Ansage mit den neun Milliarden ist interessant, denn bislang reicht die Planung nur bis zum Ende dieser Legislaturperiode 2029 und sieht 2,4 Milliarden Euro vor.
Alles Weitere hat Bär auch gar nicht in der Hand, aber ihr geht es offenbar vor allem um den Anspruch: an künftige Bundesregierungen und von Deutschland an sich selbst. Man könne und dürfe sich nicht mehr mit Mittelmaß zufriedengeben, sagt sie. Ambitionen, so lautete ihre Botschaft, sind etwas Gutes. Brauchen wir mehr von. Ihr habe mal jemand das Etikett "zukunftseuphorisch" angeheftet, und das sei nicht nett ...
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Kommentare
#1 - Unverantwortlich
Mir ist völlig unverständlich, wie man erneut auf die Kernenergie – in welcher Form auch immer - setzen kann.
Die „billige“ Atomenergie ist nur während der Laufzeit eines Reaktors preiswert. Die Vorlaufforschungskosten hat und finanziert jetzt wieder die Bundesrepublik Deutschland, ebenso wie wir als Steuerzahler die Nachlaufkosten der alten Meiler übernommen haben und der neuen dann auch übernehmen werden.
Es gibt weltweit kein in Betrieb befindliches tiefengeologisches Endlager für hochradioaktive abgebrannte Brennstäbe.
Im Hinblick auf zukünftige Generationen ist diese Energie völlig unverantwortlich. Wenn man allein die Halbwertzeit zurückrechnet, dann befinden wir uns im Jahre 3610 vor Christus. Da haben die ...
#2 - Großer Optimismus zulasten anderer Bereiche
Ich sehe diesen Optimismus mit Sorge; alles war ich bisher über die verschiedenen Versuche, Fusionsenergie zu erzeugen, gelesen habe - sei es ITER als europäisches Projekt, seien es die kleineren Anlagen in Deutschland - war, dass man viele Milliarden Euro investiert und enorme Anlagen baut, ohne bisher nennenswerte Ergebnisse zu erzielen. Und die beiden Erfolge, die man in Livermore beim NIF erzielt hat, stehen weiterhin in keinem Vergleich zu den zuzuführenden Energien, die für die Kühlung notwendig sind. Von den Risiken der Technologie habe ich dabei noch gar nicht gesprochen. Auf der anderen Seite werden die Haushalte anderer Ressorts und ...
#3 - Konkurrenzfähigkeit der Kernfusion
Angenommen, die Optimisten behalten Recht und in 2045 kann man ein Fusionskraftwerk bauen. Aber bis dahin wird der Umstieg auf erneuerbare Energien abgeschlossen sein. Wind- und Solarkraftwerke decken unseren Strombedarf und erzeugen zusätzlich Wasserstoff für aus, was nicht mit Strom läuft. Die Preise dafür sind bisher stark gesunken, es ist plausibel, dass sie weiter sinken werden. Denn auch hier gibt es ja immer wieder Innovationen. Also müsste ein Fusionskraftwerk Strom praktisch zum Nulltarif abliefern können, um konkurrenzfähig zu sein. Ist das wirklich realistisch?
#4 - @#1 unverantwortlich nein Unkennntnis ja
Der Optimismus bezüglich der kurz- und mittelfristigen Verfügbarkeit der Kernfusion ist sicher überzogen. Ein kommerzieller Einsatz liegt trotz großer Projekte wie ITER weiterhin in ungewisser Zukunft.
ABER! Die Atommüllproblematik der Kernspaltung mit der Fusion gleichzusetzen, ist jedoch sachlich falsch. Bei der Fusion entstehen keine langlebigen hochradioaktiven Abfälle wie Plutonium-239. Der entstehende Abfall durch Materialaktivierung ist deutlich kurzlebiger und über überschaubare Zeiträume beherrschbar.
Fusion ist damit weder kurzfristig verfügbar noch völlig problemfrei – aber mit den Entsorgungsrisiken der Kernspaltung nicht vergleichbar.
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