Keine Zukunft mit Wissenschaftszeitvertragsgesetz? Keine Zukunft fürs Wissenschaftszeitvertragsgesetz!
Warum die Aktion "#95vsWissZeitVG" so wichtig war – und das bestehende Gesetz den Zielkonflikt zwischen Flexibilität und besseren Arbeitsbedingungen nicht wird lösen können. Ein Gastbeitrag von Wiebke Esdar und Jule Specht.

Wiebke Esdar ist SPD-Bundestagsabgeordnete und Hochschulexpertin. Jule Specht ist Professorin für Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Gründungsmitglied des Netzwerks Wissenschaftspolitik von Sozialdemokrat*innen (SPDWisspol). Fotos: privat.
ERST KÜRZLICH HABEN WISSENSCHAFTLERINNEN und Wissenschaftler 95 Thesen formuliert, um zu verdeutlichen: Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) bietet kaum Perspektiven für gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft. Diese Kritik ist berechtigt. Ursprünglich dazu gedacht, endlose Kettenbefristungen in der Wissenschaft zu begrenzen, zeigt sich mittlerweile: Nach der Höchstbefristungsdauer folgt nicht etwa die Entfristung, sondern oftmals das Ende der wissenschaftlichen Karriere.
Das Gesetz mit dem sperrigen Namen steht daher synonym für geringe Chancen auf eine langfristige Karriere-, Lebens- und Familienplanung, eine Benachteiligung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen (denn nicht jede:r kann sich diese lange Phase der unsicheren Beschäftigung leisten), ständig wechselndes Lehrpersonal, einen riesigen Verwaltungsaufwand und die Sorge, nach etwa 12 Jahren aus dem Wissenschaftsbetrieb herausgedrängt zu werden. Daneben zeigt sich, dass Argumente für das WissZeitVG weit und breit nicht in Sicht sind. Daraus muss die Politik ...
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Kommentare
#1 - Ist es wirklich ein Zielkonflikt, der nicht aufzulösen…
#2 - Vielen Dank für den Beitrag, möge der Vorschlag…
#3 - Zitat: "maximal sechs (in der Medizin neun) Jahre für die…
Nein, das war nicht als Regel gedacht. Es war beabsichtigt, denen, die nicht für eine Professor geeignet sind, frühzeitig zu signalisieren, dass sie sich nach alternativen Stellen außerhalb der Wissenschaft umsehen müssen, weil es nach zwölf Jahren nicht mehr weitergeht.
Als es mit dem Gesetz in den 90er Jahren begann - vor dem großen Drittmittelrausch, der auch immer mehr Postdocstellen gebracht hat - war das Problem insofern feststellbar, dass es regelmäßig die "Sozialfälle" gab, die man damals noch nicht ...
#4 - Vielen Dank an Ruth Himmelreich für diese klaren Worte! Es…
#5 - @ Literaturwissenschaftlerin:Danke für das positive…
Danke für das positive Feedback!
Und zu Ihrer kritischen Anmerkung: Verstehe den Frust, gerade nach dem #ACertainDegreeOfFlexibility-Tweet kürzlich, aber auch nach der #BayreutherBankrottErklärung vor einiger Zeit. Sowas ist einfach zynisch und nützt weder Wissenschaftler:innen noch Wissenschaft etwas. Wird echt Zeit, dass sich was ändert und dieser Gastkommentar ist hoffentlich ein Beitrag für eine solche Veränderung.
#6 - @ Mascha Hansen:Ja, stimme zu! Ich halte eine Verbesserung…
Ja, stimme zu! Ich halte eine Verbesserung der Karrierewege in der Wissenschaft auch für eine win-win-Situation. Zusätzlich zu den von Ihnen genannten Argumenten, die ich teile: Wir verlieren ja auch einfach regelmäßig super Leute (vor allem - aber nicht nur - Frauen), die ins Ausland gehen oder die Wissenschaft verlassen, weil die Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft hier einfach zu schlecht sind, da geht uns unnötig viel Potenzial verloren. (Und ungerecht ist es so natürlich auch, was an sich schon Grund genug wäre, etwas zu ändern.)
#7 - @Ruth Himmelreich: Die von Ihnen genannten Probleme würden…
#8 - Eine frühere Entscheidung über einen dauerhaften Weg in…
Soll es dann weiterhin Drittmittelprojekte geben? Die Gesellschaft mag das Instrument um Themen stärker zu beleuchten. Können darin auch Dauerbeschäftigte mitwirken? Und wer übernimmt dann deren Aufgaben? Muss ein Drittmittelgeber bei Besetzung mit Promovierenden dann auch die 50% Promotionszeit zusätzlich bezahlen? (Warum nicht?)
Hieße die Vergabe einer Dauerstelle eigentlich, dass man in den ersten Jahren trotzdem ausgiebig Arbeitszeit für Forschung nutzen darf? Oder werden das dann alles LfbA-Stellen mit 16 SWS Lehre?
Können wir die von Frau ...
#9 - Puh. Wo waren denn die SPD-Hochschulexpert*innen, als man…
Die Auswirkungen des derzeitigen WissZeitVG sind unbenommen für viele ...
#10 - Was an dieser Diskussion vor allem ärgerlich ist, der…
#11 - Dieser Debatte ist nicht nur vor dem Hintergrund der…
Schwierig ist vor allem der Ansatz und das ist auch einer der Gründe warum Interessensverbände und Gewerkschaften seit Jahren Mitglieder und Gefolgschaft verlieren, dass es für alle überall eine Dauerstelle geben muss. Als ob es nur davon abhängt, was ich persönlich machen möchte. Und dann wird mir eine Stelle vorgeschlagen, auf der ich den Rest meines Lebens verbringe. Das ist ...
#12 - @Lars Bechtle: Bevor Sie den hier Diskutierenden…
#13 - Also in Bayern liegt der Anteil der unbefristet…
Da scheint es wohl sehr viele Statistiken zu geben, die vermutlich eher Äpfel und Birnen vergleichen.
Der Rest der Leute will ja nicht im Hochschulbetrieb bleiben, sondern die besondere Qualifikation mitnehmen. Die Befristung ist also systemimmanent. Und sachlich begründet.
Was das Heißlaufen betrifft, sehe ich keine besonderen Unterschiede zwischen dem Wissenschaftsbetrieb und dem Rest.
Allerdings hält sich der Wissenschaftler ja doch immer gerne für was besonderes ohne jemals erkannt zu haben, dass die übrige Arbeitswelt genau die gleichen Probleme hat. ...
#14 - @LBechtle: Die offensichtlich relevanteste Statistik zum…
#15 - Nicht einmal die GEW fordert Dauerstellen für alle. Aber…
Leider hat der Bund bzw. das CDU-geführte BMBF es nicht geschafft/gewollt(?), so etwas in den Zielvereinbarungen zum Hochschulpakt-Nachfolgeprogramm mit den Ländern zu vereinbaren. Insofern ist es interessant (@LBechtle und @Literaturwisenschaftlerin), dass es Bundesländer gibt wie BY, mit deutlich höheren Entfristetenanteilen. Eine jüngste Auswertung aller Bundesländer (Gassmann 2020) kommt zu dem ...
#16 - Danke @ Helmut Sand, ja, it's a men's world...Das Thema…
Das Thema Qualifizierung ist in der Tat interessant und mich wundert auch (@ Karla K.), dass die Arbeitsgerichte noch nicht geklärt haben, was das bedeutet. Die Aussage "Hochschulen bilden auch nach dem Studium aus" ist allerdings gewagt, weil für diese "Qualifizierung" nur wenige kontrollierbare Rahmenbedingungen existieren. Während in den Bachelor- und Masterstudiengängen in von Bildungsministerien akkreditierten Studiengängen ausgebildet wird (oh wie wurde darüber geklagt...) und man hier noch von einer gewissen Qualitätskontrolle ausgehen kann ist dagegen schon die Doktorand*innen-Ausbildung ist oft der völlig freien Gestaltung oder Nicht-Gestaltung der zumeist (männlichen) Professorenherrlichkeit ...
#17 - @ Michael LiebendörferDanke für die vielen interessanten…
Danke für die vielen interessanten Fragen & Gedanken!
Ich möchte und kann hier gar nicht auf alle eingehen, möchte aber zumindest zu der Frage, ob wir das System verstopfen, wenn wir jetzt zeitnah alle entfristen (überspitzt formuliert) zum einen festhalten, dass eine solche Änderung ja nicht von jetzt auf gleich stattfinden würde, sondern es einen Übergangszeitraum gäbe und zum anderen gern ein aktuelles Paper von NGAWiss empfehlen, das kürzlich herauskam und das zeigt: auch bei früher Entfristung bleibt Bewegung im System � https://mittelbau.net/diskussionspapier-personalmodelle/
#18 - @ René KrempkowIch verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man…
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man immer wieder auf solche doch sehr willkürlichen Zahlen / Forderungen kommt, dass zum Beispiel 50% der Promovierten Dauerstellen haben sollten. Warum nicht eine Dauerstelle oder zumindest eine Perspektive auf eine Dauerstelle in Form von Tenure Track für 100% der Promovierten in der Wissenschaft fordern? Zumindest auf Haushaltsstellen sehe ich überhaupt keinen Grund dafür, das Ziel zu verfolgen weiterhin 50% der Promovierten Kettenbefristungen zuzumuten.
#19 - Ansonsten: Volle Zustimmung zu allem was…
#20 - Eine Promotion in Wirtschafts-, Rechts- oder…
Das Papier der NGAWiss zeigt Lösungen, bei die Zahl der Promotionsstellen um fast die Hälfte reduziert wird. Das könnte in den zweitgenannten Fächergruppen den Flaschenhals nach vorne verschieben und somit vielen helfen. In anderen Fächern würden aber Qualifikationsmöglichkeiten für einige Interessierte wegfallen. (Klar, vielleicht würden ...
#21 - @Michael Liebendörfer: Im Papier von NGAWiss. wird nicht…
#22 - Nee, Herr Schwitters, kapiere ich nicht.Im…
Im NGAWiss-Modellinstitut nehmen beim Status Quo jährlich 4,8 Personen eine Promotionsstelle auf. In den alternativen Modellen sind es 2,6. Das sind 46% weniger. Der Flaschenhals verschiebt sich also nach vorne.
Einig?
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