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Ohne Fokus, ohne Perspektive

Die Regierungschefs beschließen mehr Adhoc-Maßnahmen, offenbaren dabei erneut eine zweifelhafte Prioritätensetzung – und bleiben die langfristige Perspektive schuldig.

ES WAR DIE LETZTE CHANCE für die Regierungschefs von Bund und Ländern, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen, zugleich die Lasten fairer zu verteilen und den Menschen eine klare Perspektive für die Zeit nach dem Shutdown zu geben. Die letzte Chance , weil die gemeldeten Infektionszahlen schon jetzt so stark sinken, dass beim nächsten Corona-Spitzentreffen zwischen Kanzlerin und Ministerpräsidenten das Gefeilsche um die Lockerungen losgehen wird. Doch Merkel & Co haben die Chance nicht genutzt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die nächsten Monate der Pandemie von Adhoc-Maßnahmen ohne langfristige Strategie bestimmt sein werden, begleitet von einer weiter sinkenden gesellschaftlichen Akzeptanz.

Die Corona-Maßnahmen nicht ausreichend verschärft

Eine echte nächtliche Ausgangssperre kommt in den Maßnahmen gar nicht vor. So bleibt es bei der halbherzigen "15-Kilometerleine" , die nur bei Höchstinzidenzen von über 200 gilt und deshalb in den nächsten Tagen in immer weniger Kreisen zur Anwendung kommen wird.

In Bezug auf den unzureichenden Schutz von Alten- und Pflegeheimen enthält der zehnseitige Beschluss nach der gestrigen Telefonkonferenz viel Rhetorik, Copy and Paste aus dem vorigen Beschluss – und substanziell nichts Neues. Dafür aber erneut ein Abschieben der Verantwortung an die Heime, die die verlangten Testungen mehrmals pro Woche für das Personal und die (immer noch nicht flächendeckende!) Schnelltestpflicht für Besucher durchsetzen sollen: "Die Einrichtungen sind in der Verantwortung, eine umfassende Umsetzung der Teststrategie sicherzustellen." Und das, obwohl die Regierungschefs nur einen Satz zuvor selbst anerkannt haben, dass die Einrichtungen ...

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Kommentare

#1 -

Oliver Locker-… | Mi., 20.01.2021 - 14:46
Lassen wir uns nur noch treiben? Vor gut einem Jahr wurden wir durch das „Ur-Virus“ überrascht. Heute ist es die Mutation B.1.1.7, die die Politik nur noch reagieren lässt. Und morgen? Dass das Virus sich unter dem aufkommenden Impfdruck weiter verändern wird ist absehbar, weshalb die Politik schleunigst Szenarien des Agierens (zukunftsgerichtet vorausschauend) entwickeln sollte.

Dabei sollte das Bildungssystem vorrangig behandelt werden. Was haben wir im Schulsystem gelernt seit März 2020? Wenig. Wenn es also heute heißt, mehr Fahrzeuge im ÖPNV einzusetzen, um die Kontakte zu reduzieren, dann sollte endlich eine alte Forderung umgesetzt werden: Mehr Lehrer*innen in die Schulen ...

#2 -

Django | Do., 21.01.2021 - 10:48
Es ist in dem ganzen Durcheinander ja zunehmend unklar, welches Ziel mit den Maßnahmen eigentlich verfolgt wird. Geht es nur um die Funktionstüchtigkeit der Krankenhäuser? Dann machen wir "zu viel". Geht es um die vollständige Vermeidung neuer Infektionen? Dann machen wir "zu wenig".

Dass die Politik in Sachen Home Office windelweich agiert, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass beim Zeigen auf andere immer drei Finger auf einen selbst zurückweisen. In den Verwaltungen ist die Qute des Zuhausearbeitens niedrig, was entweder an der Infrastruktur liegt (Berlin beschafft nun doch 5000 Laptops, ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie), aber auch an ...

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