Warum schiefging, was schiefgehen musste
Orientierungslos durch die zweite Welle: Die Pleiten, Pech und Pannen der deutschen Corona-Politik haben eine gemeinsame Ursache. Das Zusammenspiel von Politik, Administration und Wissenschaft wird nicht funktionieren, solange "Public Health" nicht zu einer Leitdisziplin in Deutschland wird.

Ein Bild aus vergangenen Tagen – und der Zukunft? Das Forschungsfeld "Public Health" ist in Deutschland noch jung. Foto: Peggy und Marco Lachmann-Anke / Pixabay.
MAN KANN nicht behaupten, dass die Pandemiebekämpfung in Deutschland rundläuft. Die Selbsttäuschung des Frühjahrs, dass gerade die Bundesrepublik besonders gut – ja: in international vorbildlicher Weise – durch die Krise komme, hat den Herbst nicht überlebt. Und das liegt gar nicht so sehr daran, dass die Corona-Zahlen hochschnellten, das taten sie in den meisten anderen europäischen Ländern auch und zumeist sogar früher. Doch zeigte sich erst seit Beginn der Pandemie und besonders angesichts der zweiten Welle, was es in Deutschland alles nicht gibt. Und was hier alles nicht funktioniert.
Ein nationales Register mit freien Intensivplätzen? Wurde erst im Frühjahr auf die Schnelle eingerichtet. Die Sequenzierung von Virus-Genomen? Bis vor wenigen Wochen nur in homöopathischen Dosen. Die strategische Ausnutzung der vorhandenen Corona-Testkapazitäten? Derzeit arbeiten die Labore gerade mal bei gut 50 Prozent ihres Maximums. Die Digitalisierung und Vernetzung von Gesundheitsämtern und Gesundheitsbehörden? Anfang des Jahres waren erst ein gutes Viertel der 380 Gesundheitsämter mit moderner Software ausgerüstet, viele andere arbeiten weiter mit Excel-Listen und Faxgeräten.
Und was ist mit dem schnellen und datenschutzsicheren Transfer von Patientendaten in ein nationales Pandemie-Monitoring und zur weiteren Nutzung für wissenschaftliche Studien? Hat der Wissenschaftsrat gerade zu einer zentralen Leerstelle erklärt. Dann aber wenigstens regelmäßige, repräsentative und vor allem aktuelle Bevölkerungsstichproben, um ...
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Kommentare
#1 - Gegen den Rat der Experten wurde die fehlende…
#2 - Die Beobachtung und Analyse in diesem Blog ist zutreffend.…
#3 - Die Analyse ist korrekt - Deutschland hat bei Public Health…
#4 - Eine exzellente Beschreibung des Status Quo, verknüpft mit…
#5 - Der Vergleich mit Neuseeland lohnt (trotz der…
Dort werden zügig harte Maßnahmen getroffen und
durchgesetzt. Die Regierung läßt die Konsequenzen von
Experten durchrechnen. Frau Andern beherrscht dann
als studierte Expertin Kommunikation. So schafft man
No-Covid.
In Deutschland kann jeder selbst-ernannte "Experte" mitdiskutieren und bei hinreichenden Verbindungen zu (selbst-ernannten) Juristen und Finanzen jeden Unfug erklagen.
Man braucht nicht Verhältnisse wie in China. Es könnte
ja reichen, klare Strukturen wie in Neuseeland bei Public
Health und in der Kommunikation durchzusetzen. Die Diskussionsrunden im deutschen Fernsehen sind gewiß gut gemeint, aber im Grunde einfach erbärmlich.
#6 - Danke für diese fundierte und mutige Analyse!
#7 - Im Januar prägten wir in unserem Haushalt den…
"Scheinbar kommen die Gesundheitsämter mit hunderten Excel2003-Dateien, die jeweils nur ein Worksheet besitzen, nicht gegen die Pandemie an. "
Es ist beschämend, dass diese Land nicht mit Daten umgehen kann/will.
Noch beschämender ist, dass in einer Aerosolinfektionspandemie immer noch keine massiven Aufklärungskampagnen zum Thema "Richtiges regelmäßiges Lüften" gelegt wird. Die Schulen machen das bereits seit Monaten (Maske, Abstand, Lüften); werden aber immer wieder durch Betriebe, die kaum lüften, gelockdownt. Das geht doch sicher besser...
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