Direkt zum Inhalt

Die Notbremse hat nicht gewirkt

Sten Rüdiger berechnet anhand von Mobilfunkdaten, wie oft Menschen einander begegnen. Das Ergebnis: Zuletzt sind die Kontakte sogar wieder mehr geworden. Warum die Inzidenzen trotzdem sinken und warum der Datenexperte entäuscht von der Politik ist: ein Interview.

Bild
Artikelbild: Die Notbremse hat nicht gewirkt

Sten Rüdiger ist Mathematiker und Senior Data Analyst bei NET CHECK GmbH . Foto: privat.

Herr Rüdiger, Sie haben Mobilfunkdaten ausgewertet, um die Wirksamkeit der Bundesnotbremse zu analysieren. Ist es dafür nicht noch etwas früh?

Das ist ja gerade der Vorteil, wenn Sie wie wir mit Mobilfunkdaten arbeiten. Wir können quasi in Echtzeit beobachten, ob die Menschen ihre Kontakte einschränken oder nicht. Und deshalb können wir jetzt auch schon sagen: Nein, die Bundesnotbremse hat nicht gewirkt.

Aber die Inzidenzen sinken doch!

Ja, aber das liegt nicht an einer Verhaltensänderung der Menschen, sondern an der zunehmenden Impfquote.

Sie sind ein Unternehmen, das die Qualität von Mobilfunknetzwerken überprüft. Wie verlässlich ist Ihre Corona-Methode überhaupt?

Wir haben Zugriff auf die anonymisierten Mobilfunkdaten von über einer Millionen Menschen, die der Nutzung für Forschungs- und Marketingzwecke explizit zugestimmt haben. Das Besondere ist, dass wir nicht wie herkömmliche Mobilitätsanalysen nur den Bewegungsradius der Leute messen. Denn der sagt im Zweifel wenig aus über ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Django | Do., 06.05.2021 - 17:12
Ich finde es beschämend, dass die Regierungen von Bund und Ländern trotz der zur Schau gestellten Wissenschaftsfreundlichkeit (und der grundsätzlichen Zustimmung zu "big data" als dem "nächsten großen Ding") offenbar nicht bereit sind, ihr Handeln empirisch zu überprüfen und ggf. zu korrigieren.

#2 -

satireisttot@web.de | Fr., 07.05.2021 - 11:27
Wenn von 14 Mio. Jugendlichen in Deutschland

1.200 mit CoVid-19 ins Krankenhaus kommen und davon gerade mal 4 versterben und diese 4 ”Corona-toten Kinder” allerdings über 70 Verkehrs-toten Kindern im gleichen Zeitraum gegenüber stehen und eine solche wichtige Studie, die vielen Eltern die Sorgen vor einer tödlichen Corona Infektion ihrer Kinder nehmen würde, nicht sofort in einer Sondersendung publiziert wird, ja, von den ”Qualitätsmedien” generell unterschlagen wird, verstehen Sie sofort, warum auch das RKI natürlich diese Studie nicht berücksichtigt:

Die Parole lautet: keine Nachrichten, die die Wirkung der Angst verbreitenden Schocktherapie beeinträchtigen könnte!

#3 -

Uwe Borchert | Fr., 07.05.2021 - 12:07
Es gibt eine sehr starke wetterfühligkeit von saisonalen Viren, wie Influenza-, RS- und Coronaviren. Das ist einfaches Basiswissen Medizinmeteorologie. Wir gehen jetzt in die Sommerpause. Zwischen Kalenderwoche KW 20 und KW 40 passiert da grundsätzlich nicht viel. In der Zeit gibt es nur ein paar Importe aus Klimazonen in denen gerade Saison ist und das war es dann. Das Verhalten und die Kontakte werden da immer noch total überbewertet, das Wetter ignoriert.



Mir gehen die Wetterleugner langsam auf die Nerven. Folge der Wissenschaft kreischen, wirres wissenschaftsfernes Zeug schwurbeln und dann die einfachsten, seit den letzten Jahrhundert bekannten und erforschten Einflüsse ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Die Datenerhebungskatastrophe

Die Datenerhebungskatastrophe

Das Pandemiemanagement der Bundesrepublik baut auf einem Corona-Monitoring auf, das diese Bezeichnung nicht verdient. Die Politik weiß bis heute kaum, was genau sie mit ihren Lockdown-Maßnahmen bewirkt und wer sich warum infiziert. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche. Kaffeesatzleserei statt repräsentativer Datenerhebung.Foto: Stephanie Albert / Pixabay.


  • Artikelbild: Die Menschen erwarten von der Wissenschaft zu Recht Antworten

Die Menschen erwarten von der Wissenschaft zu Recht Antworten

Was die Wissenschaft der Gesellschaft im Gegenzug für die Forschungsfinanzierung schuldig ist, wo Forschung noch mehr Freiheit braucht und warum Deutschlands Politik die Finger von der Aufgabenverteilung im Wissenschaftssystem lassen sollte: Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer im Interview.


  • Artikelbild: Der große Run wird kommen

Der große Run wird kommen

Die Bundesregierung investiert Milliarden in den "grünen Wasserstoff". Eine riskante Strategie – oder Deutschlands Chance, bei einer Zukunftstechnologie mal wieder vorn dabei zu sein? Ein Interview mit dem Innovationsbeauftragten Stefan Kaufmann.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Warum keine Priorisierung auch eine Priorisierung ist

Berlin gibt alle Corona-Impfstoffe für alle frei. Doch könnte man schon aus der Bildungspolitik wissen: Formal gleiche Chancen bedeuten nicht, dass es gerecht zugeht.


  • Wissenschaftsschranke gilt bald unbeschränkt

Wissenschaftsschranke gilt bald unbeschränkt

Die GroKo hat sich auf eine vorzeitige Entfristung des bisher nur bis 2023 geltenden Urheberrechts für die Wissenschaft geeinigt. Bis zuletzt war die Entscheidung umstritten. Verleger kritisieren die Neuregelung scharf.


  • Das ist inakzeptabel

Das ist inakzeptabel

Der Wissenschaftsverlag De Gruyter hat einen Preis ausschließlich für englischsprachige Monografien ausgeschrieben – in den Altertumswissenschaften. Es folgten Proteste und ein Offener Brief von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Was die Unterzeichnern so auf die Palme bringt, sagt Hermann Dieter.