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Für wen lohnt sich die Exzellenzstrategie?

Die alte Kritik ist wieder da: Allein die Anträge kosten dreistellige Millionenbeträge. Warum die Rechnung für die Verlierer trotzdem aufgeht.

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Artikelbild: Für wen lohnt sich die Exzellenzstrategie?

Scheinwerfer an nur für die Gewinner? Das Logo der Exzellenzstrategie.

Screenshot von der Website der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

ZUGEGEBEN, DIE EXZELLENZSTRATEGIE, die ihre einzigartige hochschulpolitische Karriere vor 18 Jahren als Exzellenzinitiative begann, hat etwas von ihrem öffentlichkeitswirksamen Glanz eingebüßt. Einst waren "Elite" und "internationale Spitzenforschung" die Buzzwords, die in keiner Wissenschaftsminister-Rede fehlen durften, heute sind es "Transfer", "Innovation" und "Impact".

Entsprechend tauchen plötzlich wieder Diskurse auf, die längst überwunden schienen. Zum Beispiel der mit den hohen personellen und finanziellen Kosten, die in der "ExStra" bei den antragstellenden Universitäten entstehen. Allein für Exzellenzcluster-Bewerbungen, hat jetzt Table.Media vorgerechnet, dürften "internen Schätzungen der Hochschulen" zufolge rund 150 Millionen Euro investiert werden, "rund die Hälfte davon ohne Erfolg".

Doch was heißt hier "ohne Erfolg"? Allein dadurch, dass sie bei dem Wettbewerb mitgemacht haben, sind viele Universitäten zum ersten Mal überhaupt dazu gezwungen worden, eine stimmige Forschungsstrategie zu formulieren, ihre Verwaltung zu modernisieren und ihre Führungspersonal zu professionalisieren. Die Exzellenzinitiative hat neue Kooperationen und Querverbindungen zwischen Fächern, Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen geschaffen und zugleich herausragende Forscherpersönlichkeiten sichtbarer gemacht. All ...

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Kommentare

#1 -

Dietrich Nelle | Mo., 27.02.2023 - 10:09
Das Intro trifft den Punkt. Entscheidend ist aber nicht die nationale Vergleichsbetrachtung, sondern die Steigerung der internationalen Attraktivität der beteiligten Hochschulen. Diese lässt sich weder in Rankings noch im unmittelbaren monetären Ertrag sinnvoll ablesen. Viel wichtiger ist die Gewinnung internationaler Leistungsträger - vom Studi über PostDocs bis zu Spitzenforschenden. Die alle kommen nur, wenn die Zielhochschule einen klaren Schwerpunkt in "ihrem" Bereich hat. Dass das funktioniert, lässt sich anhand der internationalen Besetzung der ExStra-Cluster gut studieren. Und im Übrigen gewinnen sogar Hochschulen, die keinen Cluster gewonnen haben, aber ein auch aus dem Ausland klar erkennbares Profil vorzeigen, auf diese Weise ...

#2 -

Noch 'ne Hanna | Mo., 27.02.2023 - 11:07
"Es ist nicht die Schuld eines – bewusst anders gestalteten – Exzellenzwettbewerbs, wenn gleichzeitig der Normalbetrieb immer prekärer wird."



Ich bin FÜR die ExStra und Forschungsfinanzierung aus Drittmitteln (weil ich Wettbewerb für das beste Mittel halte, um knappe Ressourcen zu alloziieren), aber so ganz unabhängig sind diese beiden Bereiche nicht voneinander: Die Länder können die Ressourcen, die für Antragsstellung und Ko-Finanzierung notwendig sind, nicht vollständig ausgleichen, weil sie dieses Geld irgendwo anders im Landeshaushalt abziehen müssten. Besonders ausgeprägt in den Stadtstaaten, aber auch spürbar in den Flächenländern, die viele Exzellenz-Einrichtungen haben. Und so kommt es dann eben doch dazu, dass ...

#3 -

Hanna Forever | Mo., 27.02.2023 - 11:19
75 Millionen für erfolglose Anträge, die dann indirekte, schwer messbare Verbesserungen wie die Existenz von "Forschungsstrategien", "Modernisierung" und "Professonialisierung" zur Folge haben sollen? Das klingt nach gigantischer Verschwendung. Hat jemand mal berechnet, wie viel Arbeitsstunden Wissenschaftler:innen darauf verwenden, Anträge zu schreiben, die in der Tonne landen? Das ist Zeit, die für grundständige Forschung und Lehre fehlt! Zudem steht zu vermuten, dass wettbewerbsbasierte Forschungsstrategien

nach Moden und herrschenden Diskursen ausgerichtet werden und somit risikobehaftete, innovative Forschung behindern. Von der dauerhaften Unsicherheit der Drittmittelbeschäftigten ganz zu schweigem. Also: Grundfinanzierung der Hochschulen erhöhen, Drittmittelfinanzierung zurück fahren, Dauerstellen schaffen.

#4 -

Hannas united! | Mo., 27.02.2023 - 16:52
Die wahre Exzellenzforschung wird ohnehin nicht an den Universitäten betrieben, sondern an den außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Diese bekommen auch deutlich mehr Forschungsgelder als die Universitäten, die neben der Forschung auch die wichtige gesellschaftliche Aufgabe der Lehre exzellent ausfüllen sollten. Deutsche und amerikanische Eliteuniversitäten in einem gemeinsamen Ranking vergleichen zu wollen, ist daher nicht sinnvoll. - Die Exzellenzprogramme sind vor diesem Hintergrund ein unbedeutender Wettbewerb, bei dem sich die "Gewinner:innen" unter den Präsident:innen für in weiten Teilen befristete Projektgelder als Pseudo-Forschungselite auf die Schulter klopfen dürfen. Die Wettbewerbe ziehen, wie beschrieben, Geld aus Strukturen ab, die u.a. eigentlich eine exzellente Lehre - ...

#6 -

Johannes | Sa., 04.03.2023 - 20:30
Ebenfalls nicht einverstanden: die Stunden die in die Antragsstellung gehen, pauschal für sinnvoll und strategieförderlich zu erklären: viele Stunden von Leuten, die extra für die Antragstellung beschäftigt werden (kurze Befristungen und Honorarkräfte) und viele (im Zweifel unbezahlte Mehr-) Stunden von Forscher*innen, die effektivere Dinge machen könnten. Ich finde immer noch, es müsste vereinfachte Anträge auf Basis von Past Performance geben können (ich gebe zu: das Problem sind nicht die Spitzen, sondern im Mittelfeld auszuwählen - alle Unis in München und Berlin hätte ich von der Antragspflicht ausgenommen, ebenso RWTH & KIT, und viel Arbeit gespart), und die ganze Strategiebildung könnte ...

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