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Nach dem großen Knall

Sie hatten mit fast allen in der Wissenschaft geredet und monatelang gefeilt an ihrer WissZeitVG-Reform. Trotzdem ernteten BMBF und Ampelfraktionen mit ihrem Vorschlag einen Shitstorm. Jetzt ringen sie um die Schlussfolgerungen.

DIE ERLEICHTERUNG, ein paar Tage Zeit gewonnen zu haben, müsse jetzt sehr schnell von einem Plan abgelöst werden, sagte ein hochrangiger Ampel-Wissenschaftspolitiker Anfang der Woche. "Gerade weiß keiner so recht, wie es weitergehen wird."

Eine erstaunlich ehrliche Einschätzung der Lage kurz nach dem großen Knall. Nur 51 Stunden, nachdem Bundesforschungsministerin Bettina Stark Watzinger (FDP) am Freitagnachmittag die mit Spannung erwarteten BMBF-Eckpunkte zur Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) präsentiert hatte, zogen ihre Staatssekretäre diese am Sonntagabend schon wieder zurück. Wobei schon die Wahrnehmungen über das, was da eigentlich am Wochenende passiert ist, in der Koalition auseinandergingen. Und sogar darüber, ob das BMBF seinen Vorschlag überhaupt wirklich zurückgezogen habe.

Der Reihe nach. In der Wissenschaft gilt ein besonderes Arbeitsrecht, das länger als anderswo Stellenbefristungen erlaubt. Mit der Begründung, der wissenschaftliche Arbeitsmarkt diene vor allem der Ausbildung und Qualifizierung künftiger Forschergenerationen und müsse daher flexibel bleiben. Mit dem Ergebnis , dass bundesweit von allen hauptamtlich wissenschaftlichen Beschäftigten ohne Professur 81 Prozent auf einem Zeitvertrag sitzen. Und sogar von denen, ...

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Kommentare

#1 -

Friedhelm Nonne | Do., 23.03.2023 - 14:23
Mehr Mut wäre wirklich nötig. Für die Promotionsphase wird faktisch nur der unbefriedigende Status quo fortgeschrieben, und was sich die Urheber*innen bei der Absenkung der Höchstbefristungsgrenze für Postdocs gedacht haben, versteht niemand. Dieser schlechte Kompromiss gehört eingestampft. Die Staatssekretärin Döring scheint es begriffen zu haben. Vielleicht könnte sie sich um die von ihr angemahnte Vision kümmern! Die von Jens Brandenburg angekündigte öffentliche Debatte am nächsten Donnerstag wird nichts bringen, da werden nur die sattsam bekannten Positionen wiederholt.

#2 -

Skeptiker | Do., 23.03.2023 - 14:34
Ob der Wissenschaftsrat hier die richtige Adresse ist, muss sich zeigen. Wegen der sakralen Aura dieser Instanz wird oft vergessen, dass es in den 1980er Jahren der Wissenschaftsrat höchst selbst war, der "großzügige" Befristungsregeln für den sogenannten wissenschaftlichen Nachwuchs gefordert hat. Er ist also in gewissem Sinne selbst Urheber der heutigen Lage und hat sich in der rezenten Debatte bisher sehr zurückgehalten - das könnte natürlich daran liegen, dass seine Mitglieder einer anderen Statusgruppe angehören als die vom WissZeitVG unmittelbar Betroffenen.

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