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Warum ich mich mit einer Einordnung schwergetan habe

Propalästinensische Protestcamps, Räumungen, ein Offener Brief und eine verunglückte öffentliche Debatte: Zeit für eine vorläufige Bilanz nach einer schwierigen Uni-Woche.

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Artikelbild: Warum ich mich mit einer Einordnung schwergetan habe

Bild: Gerd Altmann / Pixabay.

VIELLEICHT IST ES IHNEN AUFGEFALLEN: Ich habe mich bislang mit Kommentaren aus der so erregten Debatte um das geräumte propalästinensische Protestcamp an der FU Berlin und den offenen Unterstützungsbrief von Lehrenden herausgehalten. Nicht, weil mich die Debatte kaltlässt, sondern weil mich wundert, wie schnell und wie drastisch viele Akteure mit ihren Meinungen zur Stelle waren. Mit gegenseitigen Vorwürfen und Verurteilungen. Mit der offensichtlichen Überzeugung, dass jeweils ihre Sicht der Dinge die einzig angemessene und informierte sei, nur sie moralisch-ethisch wirklich vertretbar. Ich habe mich mit meiner Einordnung da deutlich schwerer getan.

Ich fand die Räumung des Protestcamps nach allem, was mir zu Sachbeschädigungen und vorgetragenen Parolen berichtet wurde, gerechtfertigt. Wobei mich im Hinterkopf das Dilemma beschäftigte, wie das krasse Fehlverhalten von einigen (oder vielen) der anwesenden Demonstranten dazu führte, dass die übrigen ihren Protest auch nicht fortsetzen konnten.

Ich fand den Offenen Brief der Lehrenden von ehrlicher Sorge um unseren politisch-demokratischen Diskurs geprägt und habe zugleich manche Formulierung darin ("unsere Studierenden in keinem Fall Polizeigewalt auszuliefern") ...

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Kommentare

#1 -

Katja Barbara Bär | Mi., 15.05.2024 - 17:39
Danke für diesen Beitrag, der die Situation in meinem Augen gut einordnet. Und ich möchte noch einen Gedanken ergänzen: die Hochschulleitungen und die Kommunikation werden es nicht alleine richten können. Sie brauchen die Unterttsützung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die noch mehr Veranstaltungen anbieten müssen, die zu einer informierten, evidenzbasierten Debatte führen. Wir dürfen dies nicht aus Angst vor Sicherheitsrisiken und harten Auseinandersetzungen vermeiden. Aber es ist eine Herausforderungen, wenn die Taten des 7. Oktobers in der Diskussion geleugnet werden und von einer deutschen Verschwörung oder Medienverschwörung und Lügenpresse geredet wird. Im Umgang mit solchen Positionen sind nur wenige richtig gewappnet. ...

#2 -

Carsten v. Wissel | Mi., 15.05.2024 - 18:28
Die Debatte verunglückt zu nennen, ist in meinen Augen fast noch ein Euphemismus.

Unsäglich wäre das Adjektiv, das mir zu diesem Bild Geschmiere und abgeschwächt auch zur Einlassung der zuständigen Bundesministerien einfallen würde.

Leider nur fand ich auch den 1. Offenen Brief der FU-Lehrenden nicht wirklich gut und im 2. Offenen Brief waren mir dann zu viele dabei, die ich noch von vor langer Zeit aus der unseligen FU-Politlagerkultur kenne.

Am instruktivsten bisher fand ich den langen Mastodon-Thread, den Anatol Stefanowitsch vor ein paar Tagen gepostet hatte.

Tenor: Man kann in einer Universität viel streiten, zu sagen, man wolle sein ...

#4 -

Josef König | Do., 16.05.2024 - 15:20
Lieber Jan-Martin,

vielen herzlichen Dank für diese unaufgeregte und zugleich abwägende Äußerung, die zugleich die Unsicherheit in der Situation bezeugt.
Wir leben leider in zu aufgeheizten Zeiten, und ich gewinne den Eindruck, dass jeder, ob kompetent oder nicht, glaubt zum Nahost-Konflikt etwas sagen zu müssen. Dieser ist aber so komplex, dass eine Einodnung selbst sehr kompetenten Menschen selten wirklich gelingt.

Beste Grüße
Josef

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