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Die Republik der einseitigen Lasten

Wehrpflicht, Rentenpaket, fehlende Fairness: Wie Deutschlands Politik die Generationengerechtigkeit ignoriert. Ein Essay.
Schwarzweissaufnahme einer alten und einer jungen Person, Closeup einer Gesichtshaelfte.

Bild: rawpixel.com / freepik.

DER SPIEGEL BESCHÄFTIGT SICH bereits mit der Frage, ob der sogenannte "Eierkontrollgriff" bei der Musterung noch zeitgemäß sei . Die Frage, ob eine Wehrpflicht allein für junge Männer, auf die alles zuläuft, noch zeitgemäß ist, wird dagegen nicht nur in der schwarz-roten Koalition bemerkenswert wenig hinterfragt. Dass es sich hier um eines von aktuell zwei Paradebeispielen handelt, wie die ältere Generation auf Kosten der jungen Politik macht, thematisieren auch die Kommentarspalten der Tages- und Wochenpresse höchstens am Rande.

Ob potenzielle Wehrpflicht oder Rente: Was wir derzeit in der bundespolitischen Debatte erleben, ist atemberaubend. Die Koalitionsspitzen vertreten im Brustton der Überzeugung Positionen, die einer auch nur oberflächlichen Prüfung ihrer gesellschaftlichen Nachhaltigkeit nicht standhalten, aber darum geht es letzten Endes gar nicht.

Es ist so, wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Deutschlandtag der Jungen Union formulierte als Antwort auf deren Gegenwehr beim Rentenpaket: "Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein. Damit gewinnen wir vielleicht Zustimmung bei jungen Gruppen, aber damit gewinnen wir mit Sicherheit keine…." Fehlte nur, dass er "Wahlen" sagte, was er vermutlich meinte. Und weiter: Er müsse doch dafür sorgen, "dass wir strukturell in der Bundesrepublik Deutschland mehrheitsfähig bleiben". Was offenbar für ihn und so viele andere in der Regierung bedeutet: möglichst nichts tun, was der Mehrheit in einer alternden Gesellschaft missfallen könnte.

Dabei kommt es übrigens gar nicht so ...

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Kommentare

#1 -

Leif Johannsen | Mi., 19.11.2025 - 16:01

Dieser Kommentar ist mir "aus der Seele" gesprochen. Woran liegt es, dass unsere Regierenden die Widersprueche in ihrem Handeln nicht sehen koennen oder wollen? Als noch relativ fitter Ue50er habe ich eingrundsaetzliches Problem damit, der Generation meiner Tochter alles aufzubuerden, was in den vergangenen 20 Jahren wohlwissend verschleppt wurde.

#2 -

Heike Solga | Do., 20.11.2025 - 07:43

Lieber Herr Wiarda, vielen Dank für den schönen Beitrag. Ich würde es nicht ganz so Schwarz-weiß sehen, "Nur die Jungen müssen ran". Die älteren Männer und männlichen Rentner haben alle ihren Wehr- oder Zivildienst geleistet. Wären also noch die älteren Frauen und weiblichen Rentner die nun auch einen "Gemeinschaftsdienst" leisten sollten. Doch viele von ihnen tun das: sie pflegen über Jahre ihre älteren Männer und "schieben" sie nicht ins Gesundheitssystem oder Heime ab. Das fehlt mir in der Debatte etwas. Beste Grüße 

#3 -

L. Vorspel | Do., 20.11.2025 - 11:44

Das Wort Generationengerechtigkeit ist irreführend. Es ist nicht so, dass die Alten die Jungen ausbeuten. Stichwort Altersarmut, besonders von Frauen. Wir benötigen höhere Steuereinkünfte durch Erbschaftssteuer, Vermögensteuer und weniger Schwarzarbeit etc. Und in die Rentenkassen sollten alle einzahlen müssen genauso wie in die gesetzlichen Krankenkassen, Beamte, Abgeordnete, Selbstständige. 

#4 -

Ties Rabe | Do., 27.11.2025 - 10:36

Eigentlich lese ich diesen Blogg gern, weil hier genau recherchiert wird. Doch bei der Rentenpolitik gilt offensichtlich in (fast) allen Medien: Fakten stören die Meinungsbildung.

Zum Beispiel diese: Seit den 1990er Jahren hat die Politik die Beiträge der Jüngeren (und vor allem der Unternehmen) durch erhebliche Einschnitte bei den Renten stabilisiert. So wurde u.a. das Rentenalter von 65 auf 67 erhöht, die Rentenhöhe von 53 auf 48% reduziert (das sind übrigens kanpp 10% Rentenkürzung) und die Staatszuschüsse an die Rentenkasse erhöht. Alle Reformen gingen zu Lasten der Rentner oder der Staatskassen, die (jüngeren) Beitragszahler und vor allem die Unternehmen wurden ...

#6 -

Ties Rabe | Do., 27.11.2025 - 10:57

Noch ein kleiner Nachklapp: Die Wehrpflicht wurde 2011 abgeschafft. Wer älter als 36 ist, hat in der Regel "gedient". Wenn eine neue Wehrpflicht einen "gerechten" Ausgleich braucht, dann dürfte der "Sozialdienst für Ältere" nur die "glücklichen Jahrgänge" 1990 - 2010 betreffen und würde erst in 30 Jahren bei deren Renteneintritt greifen. Ich fürchte, solche Debatten gibt es nur in Deutschland.

#6.1 -

Wolfgang Kühnel | So., 07.12.2025 - 18:56

Antwort auf von Ties Rabe (nicht überprüft)

Wer in West-Berlin aufwuchs, dort auch blieb und zum Zeitpunkt der Wende 1990 alt genug war, musste auch nicht "dienen". Das betrifft etwa die Jahrgänge vor 1970. Ansonsten wurden längst nicht alle einberufen, die als "tauglich" gemustert worden waren. Gerüchte besagen auch, dass die Bundeswehr vorzugsweise Abiturienten einberief, um sich selbst die Sache bequemer zu machen (sehr edel gedacht, das fördert die Bildung!). Zu Kaisers Zeiten war es umgekehrt: Mit der "mittleren Reife" (das "Einjährige") wurde der Militärdienst erheblich verkürzt, eben auf nur 1 Jahr statt 2-3 Jahre, allerdings bei freiwilliger Meldung und mit Option auf eine Offizierslaufbahn. Anders bei ...

#7 -

Martin | Di., 21.04.2026 - 20:29

Ein gewohnt analytischer Blick auf die Debatte um die Verteilungsgerechtigkeit. Wenn wir über 'einseitige Lasten' und eine mögliche Rückkehr zur Dienstpflicht sprechen, müssen wir auch über die Informationspflicht gegenüber der jungen Generation reden. Die bloße Ankündigung solcher Maßnahmen sorgt bei den Betroffenen oft für große Verunsicherung, da der Prozess der Musterung für viele eine absolute Blackbox ist.

Wir versuchen hier mit https://musterung-check.de gegenzusteuern, indem wir ein sehr umfangreiches Wissen rund um das Thema Musterung zur Verfügung stellen. Unser Ziel ist es, durch Transparenz den Druck von den Schultern der jungen Erwachsenen zu nehmen.

Dazu bieten wir ganz praktische Unterstützung an: ...

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